Wie aus einer Mitteilung der Bremer OHB hervorgeht, hat das Unternehmen mit dem europäischen Satellitenbetreiber SES einen Vertrag im Wert von knapp einer Milliarde Euro über die Entwicklung und den Bau von achtzehn Satellitenplattformen für Europas Flaggschiffprogramm für sichere Satellitenkommunikation IRIS² – Secure Connectivity Programme unterzeichnet.

Die Europäische Kommission hat das SpaceRISE-Konsortium mit der Entwicklung und Bereitstellung der für IRIS2 nötigen Infrastruktur betraut, SES ist dabei für die Umsetzung des Systemanteils im mittleren Erdorbit (MEO) verantwortlich. Neben SES gehören auch EUTELSAT und HISPASAT dem Konsortium an.
Die Vertragsunterzeichnung folgt auf den offiziellen Start der Umsetzungsphase des Programms am 6. August 2026 und ist der erste Großauftrag im Rahmen der IRIS²-Konzession.
IRIS² ist die europäische Antwort auf den wachsenden Bedarf an sicherer, resilienter und souveräner Satellitenkommunikation. Das System wird aus einer Konstellation von 348 Satelliten bestehen, die in niedrigen (LEO) und mittleren Erdumlaufbahnen fliegen. Eine solche Multi-Orbit-Konstellation hat den Vorteil, dass für eine globale Abdeckung deutlich weniger Satelliten benötigt werden als bei einer reinen LEO-Konstellation und trotzdem kurze Signallaufzeiten sichergestellt werden können. Hinzu kommt ein eigenes, nach europäischen Standards abgesichertes Bodensegment.
OHB ist seit Beginn des Programms ein wesentlicher Technologiepartner des SpaceRISE-Konsortiums und Teil des industriellen Kernteams. Die nun beauftragten achtzehn Satellitenplattformen, die OHB für SES entwickeln und bauen wird, bilden einen zentralen Bestandteil der MEO-Infrastruktur von IRIS². Damit leistet das Unternehmen einen wichtigen Beitrag zum Aufbau des Gesamtsystems. Die MEO-Satelliten werden eine maximale Leistung von etwa 15 Kilowatt und beim Start eine Masse von jeweils circa 2,6 Tonnen haben.
„IRIS2 wird ein bedeutender weiterer Schritt Europas in die Unabhängigkeit. In einer digitalisierten und hochmobilen Welt ist eine resiliente und eigenständige Kommunikationsinfrastruktur unabdingbar. Mit Galileo und Copernicus hat OHB bereits zwei der wichtigsten europäischen Satellitenprogramme maßgeblich mitgestaltet. Umso mehr freuen wir uns, mit der Entwicklung von achtzehn Satellitenplattformen für IRIS² betraut worden zu sein und damit unsere Rolle in Europas strategischer Weltrauminfrastruktur weiter auszubauen“, sagte Marco Fuchs, Vorstandsvorsitzender der OHB SE.
Europäische Souveränität im All durch IRIS²
Mit IRIS² verfolgt die EU das Ziel, ihre Souveränität im Bereich sicherer Satellitenkommunikation nachhaltig auszubauen. Als drittes Flaggschiffprogramm neben Galileo und Copernicus soll das System hochsichere und leistungsfähige Kommunikationsdienste für öffentliche und private Nutzer bereitstellen. Zugleich stärkt IRIS² die Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastrukturen, verbessert die Krisenreaktionsfähigkeit Europas und trägt dazu bei, Funklöcher in ländlichen und entlegenen Regionen zu schließen.
IRIS² wird als öffentlich-private Partnerschaft unter der Federführung der Europäischen Kommission umgesetzt. Dabei wird das Programm durch die technische Expertise der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der Agentur der Europäischen Union für das Weltraumprogramm (EUSPA) sowie durch die europäische Raumfahrtindustrie unterstützt.
„Als das innerhalb von SpaceRISE für die Umsetzung des MEO-Segments von IRIS² verantwortliche Unternehmen freuen wir uns, bei der Entwicklung dieser achtzehn Satellitenplattformen mit OHB zusammenzuarbeiten. Der Vertrag stellt einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Realisierung der nächsten Generation einer sicheren und resilienten Kommunikationsinfrastruktur für Europa dar“, sagte Xavier Bertran, Chief Product and Innovation Officer bei SES.
„Mit IRIS² soll eine Kommunikationsinfrastruktur von strategischer Bedeutung für Europa entstehen“, sagt Gianaldo Mantovani, Mitglied des Vorstands der OHB System AG und verantwortlich für den Bereich Telekommunikation. „Europa braucht eigene, unabhängige Kommunikationskapazitäten. OHB bringt seine langjährige Erfahrung in der Entwicklung von Satellitenplattformen und beim Aufbau von Konstellationen im mittleren Erdorbit ein.“
IRIS² wird langfristig einen entscheidenden Beitrag zur digitalen Sicherheit, Widerstandsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit Europas leisten. Der Start der ersten Satelliten ist für 2029 vorgesehen – erste Dienste sollen ab 2030 zur Verfügung gestellt werden.
Quelle: OHB
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