Bei der IDA Türkiye sollten Fabriken über Ländergrenzen hinweg so eng vernetzt werden, dass auch europäische Mittelständler Anschluss finden. Zwar waren die Gänge in Ankara nur mäßig gefüllt, dafür wurde sich intensiv ausgetauscht. Deutsche Firmen kamen mit konkreten Suchaufträgen, wie Defence Network vor Ort erfahren konnte. Insbesondere eine Ware wurde stark ausgetauscht: Kontakte.

„Wir glauben, dass jede Fabrik eine Festung ist.” Mit diesem Satz fasste Orhan Aydın, Vorstandsvorsitzender der Industriezone OSTİM, in Ankara zusammen, worum es vergangene Woche bei der IDA Türkiye ging.
Wer die „Festungen verteidigen“ wolle, müsse sie vernetzen, so Aydıns Botschaft. Die „Industrial Cooperation Days in Defense and Aerospace” richteten sich explizit an OEMs genauso wie an mittelständische Zulieferer der Branche, nicht an die Endnutzer. Ausgerichtet wurde das Format vom OSTİM Defence and Aerospace Cluster (OSSA) und NGF Fuarcılık. Defence Network war vor Ort.
Starke Ketten der Systemhäuser
Hinter der IDA Türkiye steht ein einfacher Gedanke: Gute Produkte finden nicht von allein zusammen. „Produzieren allein reicht nicht”, meinte İbrahim Yarsan, Vorsitzender des Verwaltungsrats von OSSA. Auch der beste Mittelständler komme nicht weit, wenn er die richtigen Gesprächspartner nicht treffe. Seine Metapher dazu: Eine Kette sei nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Die kleinen und mittleren Unternehmen müssen demnach starke Glieder in den Ketten der OEMs sein.

Yarsan ging dabei über den Heimatmarkt hinaus. Dass einige große Konzerne aus der Türkei heute Weltmarken seien, genüge nicht. Er wolle, dass hinter ihnen auch der industrielle Unterbau, die Fabriken in denen Teile und Komponenten gefertigt werden, weltweit Geschäfte machen können.
Die offiziellen Zahlen der Veranstalter sollen belegen, dass das Konzept trägt: 2024 kamen Industrievertreter aus 55 Ländern, es gab rund 8.000 B2B-Meetings. Die Auswertung, ob der Erfolg auch 2026 wiederholt werden konnte, steht noch aus.
Gespräche statt Gedränge
Auf dem Teppich der IDA Türkiye in Ankara sah es zunächst noch ruhig aus. Es gab zahlreiche Stände türkischer und internationaler Firmen, wenige Systemhäuser, dafür viele spezialisierte Unternehmen. Länder-Pavillons aus Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich sorgten für den gewünschten internationalen Austausch.

Zwar war die Veranstaltung nur mäßig besucht, die Gänge blieben vergleichsweise leer, doch die Gespräche selbst wirkten umso intensiver. Man sei gekommen, um Geschäfte anzubahnen, nicht um Prospekte einzusammeln, hieß es.
Ein abgeschirmter B2B-Bereich stand für direkte Verhandlungen zur Verfügung. Dort wurden vorab vereinbarte Termine abgewickelt; es wurde konkret. Besonders die Besucher aus Frankreich waren hier aktiv. Ihr Pavillon zählte erkennbar zu den Orten, an denen am meisten gesprochen wurde. Kooperationen und gemeinsame Unternehmen, wie sie beispielsweise zwischen Baykar und Leonardo bereits bestehen, könnten womöglich bald auch zwischen Rüstungsunternehmen aus der Türkei und Frankreich entstehen.
Deutsche Teilnahme in Ankara
Deutsche Unternehmensvertreter äußerten gegenüber Defence Network einen eigenen Eindruck: Sie fanden die IDA Türkiye vor allem zum Netzwerken nützlich. Einige Firmen waren mit konkreten Gesuchen angereist. Sie suchten Zulieferer für einzelne Komponenten oder sogar fertige unbemannte Systeme, die mit deutscher Nutzlast genutzt werden könnten. Genau hier gab es eine Lücke: Bekannte türkische Drohnenhersteller wie Baykar, Havelsan, STM und Titra fehlten in Ankara.

Auch die Teilnehmenden der deutsch-türkischen Business Mission besuchten die IDA Türkiye. Organisiert wurde die Reise vom Mitteldeutschen Institut für Sicherheitsindustrie (MISI) und der Adlera Group. Zuvor hatte die Gruppe an der Turkish-German Business Conference teilgenommen.
Für viele mittelständische Zulieferer aus Automotive, Maschinenbau oder Elektronik war es der erste direkte Kontakt zum türkischen Verteidigungsmarkt. Am Rande der Veranstaltung unterzeichneten MISI und OSSA zudem ein Memorandum of Understanding, das den Austausch zwischen mittelständischen Unternehmen beider Länder auf eine institutionelle Basis stellen soll.
Der Staat als Taktgeber der Fabrik
Welches Gewicht die Politik dem Format beimisst, zeigte die Teilnahme von Prof. Dr. Haluk Görgün an der Eröffnung: Er ist Präsident der SSB (Savunma Sanayii Başkanlığı), die dem türkischen Präsidenten unterstellte Beschaffungs- und Rüstungsindustriebehörde.

Er verwies in seinem Grußwort auf ein Prinzip, das die Fabriken in der Türkei geprägt habe: Hauptauftragnehmer dürften nur einen begrenzten Teil der Leistung selbst fertigen, den Rest müsse der Mittelstand liefern. Daraus sei eine breite Zulieferbasis entstanden.
Auf Qualität sei Verlass, betonte Görgün: „Bei Produktions- und Qualitätsprozessen machen wir keine Abstriche.” Ob für europäische Kunden – nach denen die Türkei dringend sucht – unterm Strich nicht der Preis das ausschlaggebende Argument sein könnte, sei einmal dahingestellt. Die Verkäufe aus türkischen Rüstungsfabriken in die EU nehmen jedenfalls zu.
Als Beispiel für die Öffnung nach Europa nannte Prof. Dr. Görgün den Jet-Trainer Hürjet. Die spanischen Luftstreitkräfte haben sich für ihn entschieden. Die ersten Maschinen entstünden in der Türkei, spätere Flugzeuge mit Beteiligung spanischer Zulieferer. Daraus könne eine gemeinsame Plattform werden, auch für andere NATO-Partner. Die Türkei wolle, so der SSB-Präsident weiter, auf Augenhöhe verhandeln. „Kazan-kazan“ – Win-win – sei das Ziel.

Dazu passt auch eine Neuerung der IDA Türkiye: Bisher lud man ausländische Firmen nach Ankara ein. Künftig geht die Veranstaltung selbst ins Ausland. Im kommenden Jahr findet die IDA Spain vom 22. bis 24. September 2027 in Valencia statt. Für die Veranstalter ist das ausdrücklich eine Fortsetzung mit größerem Radius.
Ob aus den Gesprächen in Ankara belastbare Lieferbeziehungen werden, entscheidet sich wohl erst in den kommenden Monaten, wenn aus Visitenkarten Verträge werden. Doch Kontakte gab es reichlich und allein „für das große Netzwerk in der Türkei, habe es sich bereits gelohnt“, verriet ein Besucher aus Mitteldeutschland gegenüber Defence Network. Die Fabriken und Festungen stehen, jetzt müssen sie verknüpft werden.
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