Vom Rettungshubschrauber über dem Stau bis zum Kampfhubschrauber an der NATO-Ostflanke: Kaum ein Fluggerät ist so vielseitig unverzichtbar wie der Hubschrauber. Beim 34. Internationalen Hubschrauberforum in Bückeburg diskutierten Anfang Juli 340 Fachleute aus Militär, Polizei, Luftrettung und Industrie zwei Tage lang über Deutschlands Hubschrauber-Zukunft: Wie wappnen sich Drehflügler gegen Drohnenschwärme und Cyberangriffe? Was bedeutet der Generationswechsel ganzer Flotten (Beispiel Chinook)? Welche Simulationstechnik ist heute Stand der Technik? Das alles wurde diskutiert unter dem Motto „Together Strong – The Helicopter Community – Unity of Effort“.

Den rund 340 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurde ein außergewöhnlich breites und abwechslungsreiches Fachprogramm geboten. Dieses umfasste eine Keynote des Präsidenten des Hubschrauberzentrums, 25 Fachvorträge zu aktuellen Themen aus dem zivilen und militärischen Hubschrauberwesen, drei hochkarätig besetzte Podiumsdiskussionen sowie eine Fachausstellung mit 30 Ausstellern.
In seiner Keynote unterstrich Dr. Klaus Przemeck die unverzichtbare Bedeutung von Hubschraubern für moderne Gesellschaften und Streitkräfte. Ob in der Luftrettung, bei Sicherheitsaufgaben, im Katastrophenschutz oder in militärischen Operationen – Drehflügler leisten einen wesentlichen Beitrag zur schnellen Verfügbarkeit von Kräften und Fähigkeiten in komplexen Einsatzlagen.
Um Effizienz, Nachhaltigkeit und langfristige Einsatzfähigkeit sicherzustellen, fördert die Bundesregierung die Entwicklung innovativer Technologien im Bereich der Hubschrauberluftfahrt – unter anderem hybride Antriebskonzepte, Autopilotsysteme sowie neue Rotor- und Aerodynamikkonzepte.

Als wesentliche Herausforderungen für die kommenden Jahre identifizierte Dr. Przemeck insbesondere den anstehenden Generationswechsel zahlreicher Hubschrauberflotten, die zunehmende Bedrohung durch Drohnen und Cyberangriffe sowie die steigenden Anforderungen an Luftrettung, Polizei und Katastrophenschutz. Die geplante Neuordnung der Krankenhauslandschaft könnten zu veränderten Einsatzprofilen und längeren Transportwegen in der Luftrettung führen.
Die fortschreitende Digitalisierung und der Einsatz Künstlicher Intelligenz eröffnen neue Möglichkeiten, bringen jedoch zugleich zusätzliche Anforderungen an Sicherheit und Resilienz mit sich. Technologien wie GPS-unabhängige Navigationsverfahren, verbesserte Cyber-Schutzmaßnahmen und intelligente Datenverarbeitungssysteme werden künftig eine zentrale Rolle spielen, um die Verfügbarkeit und Einsatzwirksamkeit von Hubschraubern sicherzustellen.
Abschließend betonte Dr. Przemeck die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen Industrie, Anwendern, Forschungseinrichtungen und Politik. Nur durch eine kontinuierliche gemeinsame Weiterentwicklung von Technologien, Verfahren und Fähigkeiten könne künftig eine resiliente und vernetzte Hubschrauber-Community geschaffen werden.
Hubschrauber bei der Polizei
Der Bundespolizei-Flugdienst zählt mit 93 Hubschraubern zu den größten staatlichen Hubschrauberbetreibern Europas. Die Flotte wird von ca. 1.100 Beamtinnen, Beamten und Tarifbeschäftigten betrieben und umfasst Schulungs-, Aufklärungs- und Beobachtungshubschrauber, Zivilschutzhubschrauber sowie leichte und mittlere Transporthubschrauber. Ihr Einsatzspektrum reicht von den originären Aufgaben der Bundespolizei – Grenzschutz, Bahnpolizei, Luftsicherheit und der Unterstützung von Spezialeinsatzkräften – bis hin zu Hilfeleistungen im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz.
Eine Besonderheit stellt das organisationsübergreifende Betriebsmodell nach dem Prinzip „Einer für alle“ dar. Die Bundespolizei beschafft, betreibt und unterhält die Hubschrauber zentral und stellt diese bedarfsgerecht dem Bundeskriminalamt, der Polizei beim Deutschen Bundestag, der Zollverwaltung, dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes sowie dem Bundesamt für Strahlenschutz zur Verfügung. Die zentrale Bereitstellung vermeidet doppelten Aufwand.
Der Bundespolizei-Flugdienst befindet sich in einem umfassenden Modernisierungsprozess. In einem ersten Schritt werden Transporthubschrauber des Typs Airbus H225 eingeführt. Ergänzend sind die Beschaffungen neuer Mehrzweckhubschrauber sowie die schrittweise Erneuerung der Zivilschutzhubschrauber vorgesehen. Parallel hierzu wird der Einsatz unbemannter Luftfahrtsysteme (UAS) ausgebaut. Die Bundespolizeifliegerstaffel Kassel übernimmt dabei als zentrale Fachstelle die Ausbildung aller Fernpiloten*innen der Bundespolizei.

Die Polizeihubschrauberstaffel Bayern verdeutlichte exemplarisch die zunehmende Bedeutung moderner Mehrzweckhubschrauber im polizeilichen Einsatz. Die an den Standorten München und Roth stationierten acht Airbus H145 D3 absolvierten im Jahr 2025 mehr als 2.500 Einsätze, unter anderem zur Vermisstensuche, Fahndungen und der Unterstützung von Einsatzkräften bei Großschadenslagen.
Die H145 D3 verfügen über eine umfangreiche missionsspezifische Ausstattung, darunter Rettungswinde, Lasthaken, elektrooptische Sensorsysteme, medizinische Ausrüstung sowie moderne Nachtsichttechnik. Dadurch können sie ein breites Einsatzspektrum abdecken, das Höhen- und Bergrettung, Brandbekämpfung, Wasser- und Eisrettung sowie die Unterstützung polizeilicher Maßnahmen und von Großveranstaltungen umfasst. Besondere Bedeutung kommt dabei Einsätzen unter schwierigen topografischen Bedingungen bei Hochwasser- und Waldbrandlagen zu.
Luftrettung und Notfallhilfe
Die ADAC-Luftrettung betreibt bundesweit rund 60 Rettungshubschrauber mit mehr als 150 Piloten, über 590 Notärzten*innen und rund 220 Technical Crew Members HEMS (TC HEMS). Mit jährlich etwa 49.000 Einsätzen zählt sie zu den größten Luftrettungsorganisationen Europas. Das Einsatzspektrum verlagert sich zunehmend von klassischen Primäreinsätzen hin zum Notarztzubringer sowie zu Nacht- und Windeneinsätzen im urbanen Raum. Die Hubschrauberflotte wird durch die Einführung der Airbus-Muster H135 P3H, H140 und H145 schrittweise modernisiert.

Die DRF Luftrettung stellte das satellitengestützte Point-in-Space-(PinS)-Verfahren vor, das die Einsatzmöglichkeiten von Hubschraubern bei eingeschränkten Sicht- und Wetterbedingungen und in der Nacht erweitert. Voraussetzung für den operativen Einsatz sind entsprechend zugelassene Hubschrauber, speziell qualifizierte Besatzungen sowie moderne Avionik- und Assistenzsysteme.
Airbus präsentierte den neuen Mehrzweckhubschrauber H140, der sich derzeit im Zertifizierungsverfahren befindet. Das Muster verfügt über eine vergrößerte Kabine, eine gesteigerte Nutzlast sowie technisch modernste Systeme und richtet sich insbesondere an die Luftrettung und Behörden.
LFT Airborne stellte ein Augmented-Reality-gestütztes Hinderniswarnsystem vor, das unterschiedliche Sensordaten zusammenführt. Durch die Einblendung relevanter Hindernisse in das Sichtfeld der Besatzung verbessert das System das Situationsbewusstsein insbesondere während Start- und Landephasen in komplexen Missionen.
Das Havariekommando in Cuxhaven ist die zentrale Einrichtung für das maritime Notfallmanagement auf Nord- und Ostsee. Es koordiniert Maßnahmen zur Menschenrettung, Schadstoff- und Brandbekämpfung sowie Bergungs- und Hilfeleistungseinsätze bei komplexen maritimen Schadenslagen innerhalb eines Zuständigkeitsbereichs von rund 56.400 Quadratkilometern.
Zur maritimen Notfallvorsorge werden Airbus H215 eingesetzt, die von der Bundespolizei betrieben werden. Die Hubschrauber dienen dem Transport von Einsatz- und Rettungskräften, medizinischem Personal sowie Verletzten und unterstützen die Brandbekämpfung auf See. Ausgestattet mit modernen elektrooptischen Sensoren und Datenübertragungssystemen ermöglichen sie zudem die Bereitstellung eines Echtzeit-Lagebildes für die Einsatzleitung und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Führungsfähigkeit bei maritimen Großschadenslagen.
Hubschrauber beim Militär
Das Kommando Hubschrauber bildet die zentrale Führungsorganisation der Heeresfliegertruppe und stellt wesentliche Fähigkeiten für den Lufttransport, luftbewegliche Operationen sowie die Unterstützung der Landstreitkräfte bereit.
Die Weiterentwicklung der Heeresflieger richtet sich konsequent auf die Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung aus.

Ziel ist der Aufbau modularer, hochmobiler und schnell verlegbarer Kräfte, die im Rahmen der NATO Response-Force Konzepte kurzfristig verfügbar sind und über ein hohes Maß an Interoperabilität mit den Bündnispartnern verfügen. Neben der Modernisierung der fliegenden Waffensysteme stehen dabei insbesondere die Digitalisierung von Führungsprozessen, die Vernetzung der Einsatzmittel sowie die schrittweise Integration unbemannter Systeme im Mittelpunkt der Fähigkeitsentwicklung.
Ein aktuelles Beispiel für die multinationale Zusammenarbeit war die Übung GRIFFIN LIGHTNING 2025 in Litauen. Es beteiligten sich Streitkräfte aus zehn NATO-Staaten mit dem Ziel, die Interoperabilität der eingesetzten Verbände weiter zu erhöhen und die Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses an der NATO-Ostflanke zu stärken. Während der Übung wurden mehr als 80 Missionen durchgeführt, darunter Luftbewegungsoperationen, Lufttransporte, Kampfhubschraubereinsätze sowie taktische Verwundetenevakuierungen (TACEVAC). Die Übung bestätigte die Fähigkeit der beteiligten Kräfte, komplexe luftbewegliche Operationen auch unter multinationalen Führungsstrukturen durchzuführen.
Der Beauftragte des Inspekteurs der Luftwaffe für das Waffensystem CH-47F gab einen aktuellen Überblick über den Stand der Beschaffung und Einsatzvorbereitung des Transporthubschraubers CH-47F Chinook. Das Vorhaben befindet sich in einer fortgeschrittenen Realisierungsphase, in der die Beschaffung der Luftfahrzeuge, der Ausbau der Infrastruktur sowie die Ausbildung des fliegenden und technischen Personals parallel umgesetzt werden. Die Fertigung der ersten Maschinen hat bereits begonnen; ihre Auslieferung an die Luftwaffe ist ab 2027 vorgesehen.

Ein Schwerpunkt des Vortrags war der schrittweise Fähigkeitsübergang vom Transporthubschrauber CH-53 auf die CH-47F. Dieser Transformationsprozess soll bis 2030 abgeschlossen werden und erfordert eine enge Synchronisierung von Materialeinführung, Infrastrukturmaßnahmen, Personalqualifizierung und der Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft.
Der Aufbau der erforderlichen Infrastruktur konzentriert sich auf die Standorte Bückeburg, Diepholz, Laupheim und Schönewalde. Die Ausbildung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den US-Streitkräften und bildet einen wesentlichen Baustein für die Einführung des neuen Waffensystems.
Insgesamt wurde deutlich, dass die Einführung der CH-47F einen wesentlichen Beitrag zur Modernisierung der Lufttransportfähigkeiten der Bundeswehr leisten und die taktische sowie operative Mobilität der Luftwaffe langfristig stärken wird.
Ergänzend stellte Boeing die Weiterentwicklung der CH-47F im Hinblick auf zukünftige Einsatzanforderungen vor. Im Mittelpunkt standen Maßnahmen zur Steigerung der Überlebensfähigkeit in einem zunehmend durch unbemannte Systeme geprägten Einsatzumfeld. Hierfür verfolgt Boeing den Ansatz einer offenen Systemarchitektur, die eine schnelle Integration neuer Sensoren, intelligenter Selbstschutzsysteme sowie sogenannter Air-Launched Effects (ALE) ermöglicht.
Darüber hinaus wurde die Einbindung der CH-47F in vernetzte Luftoperationskonzepte erläutert. Von besonderer Bedeutung ist dabei das Zusammenwirken mit dem Kampfhubschrauber AH-64E Apache. Nach den vorgestellten Einsatzkonzepten sollen künftig zwei CH-47F in der Lage sein, bis zu fünf Apache-Kampfhubschrauber im Einsatzraum mit Munition, Raketen und Flugkraftstoff zu versorgen. Dadurch können deren operative Reichweite, Einsatzdauer und Durchhaltefähigkeit im Gefecht deutlich gesteigert werden.
Der Vortrag des Kommodore des Marinefliegergeschwaders 5 behandelte die aktuellen Aufgaben sowie die zukünftige Entwicklung der deutschen Marinehubschrauberkräfte mit Schwerpunkt auf der U-Boot-Jagd und der maritimen Aufklärung. Mit der Einführung des NH90 und der schrittweisen Ablösung der Hubschraubermuster Sea King Mk41 und Sea Lynx Mk88A verfügt die Deutsche Marine über 18 NH90 Sea Lion und 30 NH90 Sea Tiger.
Diese bilden die Grundlage für ein breites Fähigkeitsspektrum, das Search and Rescue (SAR), taktischen Lufttransport, die Unterstützung des Kommandos Spezialkräfte Marine (KSM), Anti-Submarine Warfare (ASW), Anti-Surface Warfare (ASuW) sowie Maritime Interdiction Operations (MIO) umfasst.

Der Vortrag verdeutlichte die zentrale Rolle der Marineflieger als integraler Bestandteil des maritimen Wirkverbundes. Neben klassischen Unterstützungsaufgaben in den Bereichen SAR und Lufttransport liegt der Schwerpunkt zunehmend auf den Fähigkeiten Intelligence, Surveillance and Reconnaissance (ISR) sowie der Unterstützung der Überwasserseekriegsführung und der U-Boot-Abwehr.
Für ASW- und ASuW-Einsätze stehen dem NH90 moderne Sensoren, Effektoren und Selbstschutzsysteme zur Verfügung. Hierzu zählen insbesondere der Leichtgewichtstorpedo MU90 zur Bekämpfung von Unterwasserzielen, der Seezielflugkörper Marte ER gegen Überwasserziele sowie Täuschkörper- und Directed Infrared Counter Measures (DIRCM)-Systeme zum Eigenschutz.
Im Mittelpunkt steht das Zusammenwirken mit den U-Booten der Klasse 212A, die Einbindung leistungsfähiger Sensorik sowie die Anbindung an Führungs- und Auswertungssysteme zur Erstellung und Nutzung eines gemeinsamen maritimen Lagebildes. Abschließend betonte der Vortrag die wachsende Bedeutung einer engen internationalen Zusammenarbeit sowie die kontinuierliche Weiterentwicklung der Überwachungs-, Aufklärungs- und Kampffähigkeiten der deutschen Marineflieger.
Im Rahmen der Tagung wurde die zukünftige Rolle der Continuing Airworthiness Management Organisation der Bundeswehr (CAMOBw) vorgestellt. Mit ihrer Aufstellung übernimmt sie zentrale Aufgaben im Management der Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit militärischer Luftfahrzeuge. Hierzu zählen insbesondere das Continuing Airworthiness Management, das Leistungsmanagement beauftragter industrieller Leistungen sowie die Festlegung operationeller Vorgaben für den Betrieb einsatzbereiter Luftfahrzeuge.
Die Organisationsstruktur der CAMOBw umfasst ein Stabsbüro sowie eigenständige Abteilungen für Starrflügler und Drehflügler. Ergänzt werden diese durch musterspezifische Gruppen sowie querschnittliche Fachbereiche, unter anderem für Safety Management und übergreifende technische Fragestellungen. Die Abteilung Drehflügler wird künftig in die Mustergruppen NH90, CH-47F/CH-53, EC135/H145M/H225 sowie TIGER gegliedert.
Die jeweiligen Gruppen verantworten das technische Flottenmanagement sowie Engineering-Aufgaben. und bilden damit die zentrale Schnittstelle zwischen Nutzer, Industrie und den zuständigen militärischen Organisationselementen. Durch diese musterbezogene Organisationsstruktur sollen Verfügbarkeit, Lufttüchtigkeit und Einsatzbereitschaft der Hubschrauberflotten nachhaltig verbessert werden.
Die französischen Heeresflieger (Aviation légère de l’Armée de Terre, ALAT) zählen zu den erfahrensten luftbeweglichen Kräften innerhalb der NATO. Seit ihrer Aufstellung im Jahr 1954 haben sie ihre Fähigkeiten kontinuierlich weiterentwickelt und verfügen heute über rund 260 Hubschrauber, die jährlich etwa 70.000 Flugstunden leisten.
Sie haben ihre Einsatzfähigkeit in zahlreichen internationalen Operationen unter Beweis gestellt, darunter in Afghanistan, der Zentralafrikanischen Republik, Libyen, Mali, Niger und der Côte d’Ivoire. Ein Schwerpunkt der zukünftigen Fähigkeitsentwicklung liegt auf der schrittweisen Integration unbemannter Luftfahrzeuge in die luftbewegliche Operationsführung.

Die Modernisierung der ungarischen Hubschrauberkräfte erfolgt im Rahmen des Streitkräfteentwicklungsprogramms ZRÍNYI 2026. Kern des Programms ist die Erneuerung der Hubschrauberflotte durch die Beschaffung von 20 Mehrzweckhubschraubern des Typs Airbus H145M sowie 16 mittleren Transporthubschraubern Airbus H225M. Parallel zur Einführung der neuen Luftfahrzeuge wurden Ausbildungs- und Übungsprogramme umfassend ausgebaut, um Personal, Infrastruktur und Einsatzverfahren auf das neue Fähigkeitsspektrum auszurichten.
Die modernisierten Hubschrauberkräfte kommen sowohl im nationalen Krisenmanagement als auch in multinationalen Operationen zum Einsatz. Hierzu zählen unter anderem Einsätze im Rahmen der Missionen EUFOR und KFOR sowie bei Katastrophenhilfeeinsätzen.
Zukunftsaussichten militärischer Programme
Vorgestellt wurde das NATO-Programm Next Generation Rotorcraft Capability (NGRC), mit dem die Grundlagen für eine künftige Generation militärischer Mehrzweckhubschrauber geschaffen wird. Ziel ist die Entwicklung einer modularen, digital vernetzten Luftfahrzeugplattform, die den Anforderungen künftiger Multi-Domain-Operationen gerecht wird. Im Mittelpunkt stehen offene Systemarchitekturen, eine hohe Missionsverfügbarkeit, zustandsorientierte Instandhaltung (Condition Monitoring), digitale Unterstützungs- und Logistikkonzepte (Digital Sustainment) sowie eine deutlich gesteigerte Überlebens- und Einsatzfähigkeit in hochbedrohlichen Einsatzumgebungen.
Ergänzend stellte Airbus Helicopters das Konzept des Next Generation Rotorcraft System (NGRS) vor. Dieses verfolgt den Ansatz einer resilienten und hochvernetzten Drehflüglerplattform, die durch eine enge Integration von Sensorik, Effektoren und Führungs- und Informationssystemen eine hohe Missionswirksamkeit erreichen soll. Neben Interoperabilität und Wirtschaftlichkeit stehen insbesondere Überlebensfähigkeit und Durchsetzungsfähigkeit in hochintensiven Konfliktszenarien im Vordergrund.
Ausbildung und Simulation
Das deutsch-französische Hubschrauberausbildungszentrum (International Helicopter Training Centre, IHTC) bildet seit 2003 Besatzungen für das Waffensystem TIGER aus. Mit der geplanten Ausphasung des Systems endet die deutsche Ausbildung am Standort im Jahr 2028. Die dabei gewonnenen Erfahrungen aus multinationaler Ausbildung, standardisierten Verfahren und gemeinsamer Nutzung von Infrastruktur bilden jedoch eine wichtige Grundlage für zukünftige Ausbildungsmodelle.

Reiser Simulation and Training stellte aktuelle Entwicklungen im Bereich simulationsgestützter Ausbildung vor. Im Mittelpunkt standen Extended-Reality-(XR)-basierte Trainingslösungen, die eine realitätsnahe, skalierbare und ressourcenschonende Ausbildung ermöglichen.
HENSOLDT verdeutlichte die wachsende Bedeutung vernetzter Missionssysteme für zukünftige Hubschraubereinsätze. Leistungsfähige Datenverbindungen, der Austausch von Informationen in Echtzeit sowie offene und flexible Systemarchitekturen bilden die Grundlage für ein verbessertes taktisches Lagebild und eine schnellere Entscheidungsfindung. Durch die plattformübergreifende Vernetzung sollen Koordinationsverluste reduziert und die Wirksamkeit militärischer Hubschrauber innerhalb vernetzter Operationsstrukturen gesteigert werden.
Forschung und Entwicklung
Die vorgestellten Forschungs- und Entwicklungsprojekte verdeutlichten die technologischen Schwerpunkte für die zukünftige Entwicklung von Hubschraubern.
CAE stellte mit der „Gravity Platform“ eine cloudbasierte Infrastruktur für groß angelegte, verteilte Live-, Virtual- und Constructive-(LVC)-Trainingsumgebungen vor. Die auf offenen Cloud-Technologien sowie den Simulationsstandards Distributed Interactive Simulation (DIS) und High Level Architecture (HLA) basierende Plattform ermöglicht die Integration unterschiedlicher Simulationssysteme in komplexe Multi-Domain-Operations-(MDO)-Szenarien.
Durch die Nutzung skalierbarer IT-Infrastrukturen sollen Kosten und technische Komplexität reduziert sowie die Durchführung multinationaler und vernetzter Ausbildungsvorhaben erleichtert werden.

Die Universität der Bundeswehr München präsentierte Forschungsergebnisse zur Automatisierung von Rotorcraft-Manned-Unmanned-Teaming-(MUM-T)-Missionen. Im Fokus stehen adaptive Pilotassistenzsysteme, die Steuerung von UAS-Schwärmen, automatisierte Missionsplanung sowie nutzerzentrierte Entwicklungsansätze. Ziel ist es, die Besatzungen künftig bei komplexen Aufgaben zu unterstützen, die kognitive Belastung zu reduzieren und gleichzeitig Sicherheit und Einsatzwirksamkeit in dynamischen Einsatzumgebungen zu erhöhen.
OLMOS Technologies stellte Verfahren zur KI-gestützten Generierung realistischer 3D-Simulationsumgebungen vor. Mit Hilfe automatisierter Prozesse können detaillierte Stadtmodelle innerhalb kurzer Zeiträume erstellt und in Simulationssysteme integriert werden.
Im Bereich der digitalen Instandhaltung präsentierte Safran Helicopter Engines Germany Lösungen für die zustandsorientierte Triebwerksüberwachung. Der Health Monitoring Premium Service ermöglicht die kontinuierliche Analyse von Triebwerksdaten, während das auf einer Failure Modes, Effects and Criticality Analysis (FMECA) basierende System ADARA eine risikoorientierte Wartungsplanung unterstützt. Dadurch sollen Verfügbarkeit gesteigert, ungeplante Ausfälle reduziert und Instandhaltungsprozesse effizienter gestaltet werden.
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) stellte Forschungsarbeiten im Hubschrauberbereich vor. Dazu zählen Untersuchungen zu Rotorabwind, Vereisung, Lärmminderung, der Schlagfestigkeit von Cockpitverglasungen sowie crashsicheren Batteriesystemen für hybrid-elektrische Hubschrauberkonzepte. Ergänzend wurde ein auf Model-Based Systems Engineering (MBSE) basierender Ansatz zur automatisierten Konfiguration integrierter modularer Avioniksysteme (IMA) vorgestellt. Dieser soll Entwicklungsprozesse beschleunigen, Schnittstellen besser beherrschbar machen und den Aufwand für Dokumentation und Zulassung reduzieren.
Liebherr-Aerospace präsentierte aktuelle Entwicklungen im Bereich moderner Flugsteuerungssysteme mit Schwerpunkt auf Fly-by-wire-Technologien. Neben neuen Systemansätzen standen insbesondere retrofitfähige Lösungen im Fokus, die eine schrittweise Modernisierung bestehender Plattformen ermöglichen und gleichzeitig Gewicht, Kosten und Systemkomplexität reduzieren sollen.

Airbus Helicopters gab einen Einblick in laufende Forschungs- und Demonstratorprojekte zur Weiterentwicklung zukünftiger Hubschraubersysteme. Vorgestellt wurden unter anderem automatisierte Start- und Landeverfahren, aerodynamische Optimierungen sowie der Hochgeschwindigkeitsdemonstrator Racer.
Dieser erreicht eine Reisegeschwindigkeit von rund 240 Knoten und soll gegenüber konventionellen Hubschraubern eine Kraftstoffeinsparung von etwa 25 Prozent sowie eine Reduzierung der Geräuschemissionen um rund 20 Prozent ermöglichen. Weitere Leistungsdaten, wie eine Steigrate von bis zu 3.600 ft/min bei 140 Knoten sowie das Erreichen einer Flughöhe von 10.000 ft über Grund innerhalb von 2 Minuten und 44 Sekunden, verdeutlichen das Potenzial neuer Hochgeschwindigkeitskonzepte für zukünftige Drehflügler.
The Young Professionals
Erstmals in der 65-jährigen Geschichte des Hubschrauberforums wurde das Panel „The Young Professionals“ in das Veranstaltungsprogramm aufgenommen. Ziel war es, die Bedeutung der Nachwuchsgewinnung und der langfristigen Sicherung von Fachkräften hervorzuheben. Vertreter von Luftfahrerschulen, Hubschrauberbetreibern und aus Wissenschaft und Forschung sowie Pilotinnen und Piloten, gaben Einblicke in ihre persönlichen Werdegänge und stellten unterschiedliche Karriereperspektiven vor.

Das Hubschrauberzentrum hatte zu diesem Programmpunkt Schülerinnen und Schüler aus den Landkreisen Schaumburg und Minden-Lübbecke eingeladen. Rund 25 Teilnehmende nutzten am zweiten Veranstaltungstag die Gelegenheit, die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten innerhalb der Hubschrauberbranche kennenzulernen und erste Kontakte zu knüpfen.
Ergänzend präsentierte das Internationale Hubschrauberausbildungszentrum moderne Hubschraubersimulatoren. Die Vorführungen stießen bei den Schülerinnen und Schülern auf großes Interesse und vermittelten einen praxisnahen Eindruck von den technologischen Entwicklungen und beruflichen Perspektiven in der modernen Hubschrauberluftfahrt.
Fazit
Das Internationale Hubschrauberforum 2026 hat die Erwartungen von Referenten, Ausstellern und Teilnehmer voll erfüllt. Lutz Kampmann, CEO LITEF sagte dazu: „Ich verlasse das Hubschrauberforum mit einer klaren Erkenntnis: Die Zukunft der Luftfahrt wird nicht nur durch neue Technologien geprägt, sondern durch den Anspruch, diese zuverlässig, präzise und unter höchsten Sicherheitsanforderungen in die Praxis zu bringen.
Genau darin sehe ich die Verantwortung von LITEF. Wir entwickeln Navigations- und Sensorsysteme, die dort funktionieren müssen, wo es auf jedes Detail ankommt – und leisten damit einen Beitrag zu mehr Sicherheit und Leistungsfähigkeit in der modernen Luftfahrt.“
Text: Achim Friedl, Mitglied im Vorstand Hubschrauberzentrum e.V.
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