Mega-Munitionsfabrik – 350.000 Granaten pro Jahr für Bundeswehr & Ukraine

Gestern eröffnete Rheinmetall an seinem Standort in Unterlüß Europas größte Munitionsfabrik. In Rekordzeit hatte das Düsseldorfer Unternehmen sein Werk in Niedersachsen errichtet, um der gestiegenen Nachfrage insbesondere von Artilleriemunition zu entgegnen. Zur Eröffnung kamen auch NATO-Generalsekretär Mark Rutte sowie die Minister für Verteidigung und Finanzen, Boris Pistorius und Lars Klingbeil.

Eröffnung der neuen Munitionsfabrik von Rheinmetall für 155 mm Artilleriemunition in Unterlüß (v. l. n.r.): Verteidigungsminister Boris Pistorius, Finanzminister Lars Klingbeil, Rheinmetall-Chef Armin Papperger und NATO-Generalsekretär Mark Rutte.
Eröffnung der neuen Munitionsfabrik von Rheinmetall für 155 mm Artilleriemunition in Unterlüß (v. l. n.r.): Verteidigungsminister Boris Pistorius, Finanzminister Lars Klingbeil, Rheinmetall-Chef Armin Papperger und NATO-Generalsekretär Mark Rutte.
Foto: Bundeswehr / Rolf Klatt

In Unterlüß im Landkreis Celle wurde offiziell Europas größte Munitionsfabrik für 155-Millimeter-Artilleriegeschosse eröffnet. Keine achtzehn Monate nach dem Spatenstich laufen hier die ersten Geschosse vom Band. Die Dimensionen sind gewaltig: Bereits in diesem Jahr sollen rund 25.000 Geschosse produziert werden, in den kommenden Jahren soll die Kapazität auf bis zu 350.000 Stück jährlich steigen. Damit trägt allein dieses Werk erheblich zur geplanten Gesamtjahresproduktion bei Rheinmetall bei.

„In diesem Jahr sollen Ihre Werke in Deutschland, Spanien, Ungarn und auch in Südafrika und Australien 700.000 Schuss Artillerie-Munition produzieren“, stellte NATO-Generalsekretär Rutte gegenüber Rheinmetall-CEO Armin Papperger anerkennend fest. Heute sei die jährliche Produktionskapazität Europas für Artillerie-Munition sechsmal so hoch wie noch vor zwei Jahren, erklärte Rutte. Bis Ende 2025 solle sie 2 Millionen Schuss erreichen.“

Blick in die Produktion
Blick in die Produktion.
Foto: Bundeswehr / Rolf Klatt

Munitionsfabrik – Politisches Signal

Bei der Eröffnung sprach auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius über die Bedeutung von Artilleriemunition für die Ukraine und für die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr. Pistorius verwies auf die am Morgen im Bundeskabinett beschlossenen Gesetzesvorhaben zur Stärkung der Bundeswehr.

Die Ukraine muss versorgt bleiben. Die Bundeswehr muss ihre Bestände auffüllen, um einsatzbereit zu sein.
– Verteidigungsminister Pistorius

„Aber klar ist auch“, so Pistorius, „politische Weichen zu stellen allein reicht nicht. Wir brauchen die Industrie als Partner. Und ich sage ausdrücklich: Wir wollen, dass Sie erfolgreich sind. Denn Ihr Erfolg bedeutet Sicherheit für unser Land.“ Das damit angesprochenen Unternehmen Rheinmetall investierte rund 300 Millionen Euro in den Bau der neuen Munitionsfabrik, weitere 200 in ein kleineres Werk für Raketenmotoren.

Unabhängigkeit, strategische Stärke und Arbeitsplatzmotor

Solch hohe Investitionen könne auch Rheinmetall nicht ohne langfristige Abnahmegarantien tätigen, hieß es vergangenes Jahr. Wie viel davon Deutschland zahlen wird, ist bisher nicht bekannt.

Mit der Fertigstellung sollen bis zu 500 neue Arbeitsplätze entstehen, davon rund 350 direkt im neuen Werk. Am Standort Unterlüß arbeiten bisher rund 3.200 Menschen für den Düsseldorfer Konzern.

Zerschneiden das blaue Band zur Eröffnung der neuen Munitionsfabrik von Rheinmetall in Unterlüß (v. l. n.r.): NATO.Generalsekretär Mark Rutte, Finanzminister Lars Klingbeil, Verteidigungsminister Boris Pistorius und Rheinmetall-Chef Armin Papperger.
Zerschneiden das blaue Band zur Eröffnung der neuen Munitionsfabrik von Rheinmetall in Unterlüß (v. l. n.r.): NATO-Generalsekretär Mark Rutte, Finanzminister Lars Klingbeil, Verteidigungsminister Boris Pistorius und Rheinmetall-Chef Armin Papperger.
Foto: Bundeswehr / Rolf Klatt

Die neue Munitionsfabrik soll mittelfristig eine vollständige nationale Wertschöpfungskette ermöglichen – von der Hülle über Zünder und Treibladung bis hin zum fertigen Geschoss. Damit macht sich Deutschland unabhängiger von Importen und Exportfreigaben anderer Staaten.

Nächster Halt: Bulgarien

Auch auf der Gästeliste in Unterlüß stand der bulgarische Präsident Rumen Radew. Das überrascht nicht, denn das Land im Südosten Europas liegt ebenfalls im Fokus von Rheinmetall. Hier soll das Unternehmen den nächsten Bau einer Munitionsfabrik planen.

Auch bei der Eröffnung in Unterlüß: der bulgarische Präsident Rumen Radew (mitte).
Auch bei der Eröffnung in Unterlüß: der bulgarische Präsident Rumen Radew (mitte).
Foto: Bundeswehr / Rolf Klatt

Das zumindest hatte der ehemalige bulgarische Ministerpräsident Boyko Borissow auf seinem Facebook-Kanal offengelegt. Er habe sich demnach mit Papperger in Düsseldorf getroffen, um über eine Rheinmetall-Investition von einer Milliarde Euro in Bulgarien zu sprechen. Der Konzern negierte diese Behauptung nicht, sondern teilte mit: „Näheres werden wir nach Unterzeichnung der Verträge mitteilen.“

Zentrale Bedeutung: Munition

Mit der gestrigen Eröffnung in Unterlüß hat Rheinmetall in wenigen Monaten nicht nur eine weitere Produktionsstätte gebaut, sondern ein starkes politisches und militärisches Signal gesetzt. Deutschland und Europa erhalten damit eine der modernsten und leistungsfähigsten Munitionsfabriken der Welt – als Antwort auf den steigenden Bedarf und als Investition in die eigene Sicherheit.

Die Munitionsausstattung, und darüber reden wir heute, ist ein zentrales Kapitel für die Verteidigungsbereitschaft in Deutschland und Europa.
– Verteidigungsminister Pistorius

Nach dem Lob für die Arbeit Rheinmetalls verlor man gestern in Unterlüß jedoch nicht den Blick fürs große Ganze. „All diese Dinge gelingen nur“, stellte Pistorius fest, „wenn wir uns wirklich in die Augen sehen und klarmachen, wir haben eine große Aufgabe; so groß wie seit Jahrzehnten nicht mehr.“ Man müsse verstehen, war sich Pistorius sicher, auch die Streitkräfte funktionieren nur so gut wie das Land dahinter funktioniert – und das gelte für die gesamte Gesellschaft.

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