Enforce Tac: Notlaufsysteme und ballistischer Schutz – Hutchinsons Beitrag zur Sicherheit

Hutchinson (Halle 9 Stand 628 auf der Enforce Tac) ist ein langjähriger und führender Anbieter von Notlaufsystemen, Aluminiumrädern und leichten ballistischen Schutzkomponenten für Polizei-, Militär- und Zivilfahrzeuge. Ziel ist die Aufrechterhaltung der Mobilität und das Überleben der Besatzung zu gewährleisten. Chemische Technologien bieten einen hohen Schutz bei gleichzeitiger Gewichtsreduzierung. Das Unternehmen ist weltweit tätig und hat seine deutsche Zentrale in Mannheim. Von dort aus werden die internationalen Exportmärkte und europäischen Kunden beliefert. Interview mir Michael Klein, CEO Hutchinson DEUTSCHLAND und VP Europe Defense & Mobility Systems bei Hutchinson.

Notlaufsysteme: Radbaugruppe mit integriertem Notlaufsystem. (Foto- AF)
Radbaugruppe mit integriertem Notlaufsystem.
Foto: CPM / André Forkert
Sehr geehrter Herr Klein, stellen Sie uns bitte das Hutchinson-Portfolio einmal vor.

Hutchinson ist weltmarktführender Hersteller von militärischen Radbaugruppen mit integrierten Notlaufsystemen für mehr als 90% der geschützten Radfahrzeuge der NATO. Und wir sind marktführender Hersteller für geschützte Fahrzeugtanks und Tankschutzsysteme mit Explosionsschutz, höchstes STANAG 4 Schutzniveau bei der weltweit leichtesten Konfiguration aus einer Kombination aus z.B. Stahl und chemischen Sandwichmaterialien. Wir haben ein Polymer entwickelt, das Treibstofftanks, Öltanks oder Wassertanks nach Penetration gegen Auslaufen schützt.

Zwar noch im Entwicklungsstadium ist Ihre Neuheit des ballistischen Fahrzeugleichtschutzes. Welchen Schutz bietet der und wo liegen die Grenzen?

Hutchinson ist ein Unternehmen der chemischen Industrie. Wir forschen und entwickeln an sehr leichten Schutzkomponenten für alle Arten von geschützten Fahrzeugen. Wir stellen ballistische Schutzkits (low profile) aus sehr leichten chemischen Materialien zur Einrüstung in Spezialfahrzeuge der Polizei und militärischer Spezialkräfte, CIT, zivilen Fahrzeugen zum Personenschutz her.

Wir haben eine hochisolierende, extrem leichte und nichtentflammbare Beschichtung entwickelt und zertifiziert, die jeglichen Gegenstand z.B. Fahrzeuge, Baugruppen, Stahl etc. gegen die Wirkung von eindringender Hitze oder Feuer wirksam schützt.

Ein Aspekt dabei ist die Gewichtseinsparung, wie erreichen Sie diese, welche Materialien nutzen Sie?

Alle unsere Materialien sind chemiebasiert. Unser Fokus liegt auf der Wirksamkeit der eingesetzten Materialien, oft in Verbindung mit einem Trägermaterial, welches aber durch die Wirkung unseres chemischen Schutzes erheblich Gewicht bei Trägermaterial reduzieren kann.

Der Einsatz unseres Schutzes in Verbindung mit einem Trägermaterial z. B. Panzerstahl kann auch zu völlig neuen Anwendungsfällen führen, zu denen der Träger allein nicht fähig wäre. Wir arbeiten dabei mit Polymeren, Polyurethanen, Aramid Fasern, Polycarbonaten, besonderen Beschichtungen etc.

Sie zeigen vor Ort auch geschützte, selbstdichtende und explosionsgeschützte Kraftstofftanks mit einer flammhemmenden und isolierenden Beschichtung. Bis zu welchem Kaliber schützen diese und gibt es Neuheiten?

Standard-Schutzniveau geht bis zu STANAG 4, bis dahin sind wir Weltmarktführer, abhängig von Konfigurationen ist aber auch ein noch höheres Niveau entwickelbar.

Der Hutchinson SafeTank schützt bis zum Kaliber 7,62 mm. (Foto- AF)
Der Hutchinson SafeTank schützt bis zum Kaliber 7,62 mm.
Foto: CPM / André Forkert
Hutchinson ist vor allem bekannt für Radbaugruppen, Felgen und Notlaufsysteme. Wo geht hier die technologische Entwicklung hin?

Es kommt immer auf den Anwendungsfall und die Kundenforderung an. Militärische Felgen unterscheiden sich erheblich von zivilen Felgen, wie wir sie alle kennen. Daraus entstehen Radbaugruppen, die aus der Felge, dem Notlaufsysteme, dem passenden Reifen, der geforderten Sensorik, Reifendruckregelanlagen und zahlreichen anderen kleineren Bauteilen bestehen. Wir stellen das System Radbaugruppe her und zwar für jede denkbare Anwendung und sehr oft völlig unterschiedlich in Bauart und Konfiguration.

Militärische Notlaufsysteme unterscheiden sich erheblich von zivilen ggf. polizeilichen Notlaufsystemen in ihren Forderungen und Fähigkeiten. Grundsätzlich geht die Entwicklung aber in Design und Verwendung neuer Materialien immer von wesentlichen Gewichtsreduzierungen aus. Der Spagat, den wir dabei immer machen müssen, ist die Erfüllung des Lastenheftes der Radbaugruppe, die Verwendung neuerer und deutlich leichterer Materialien und dem, was der Kunde bereit ist, dafür zu bezahlen. Letztendlich geht es sicherlich jedem Produktentwickler ähnlich.

Blick auf das Notlaufsystem. (Foto- AF)
Blick auf das Notlaufsystem.
Foto: CPM / André Forkert
Solche Fahrzeugschutzsysteme bedeuten aber auch mehr Gewicht, weniger Nutzlast, mehr Verbrauch und Verschleiß. Wieviel Extragewicht wäre dies z.B. für einen Mercedes-Benz G 4×4? Und was bedeutet das an zusätzlichen Verbrauch?

Das Aufgewicht bei der G-Klasse beträgt beim VPAM 2 Schutz ca. 135 Kilogramm – inklusive Austausch der Scheiben – bis circa 175 Kilogramm für VPAM 4. Das sollte einem Mehrverbrauch von ca. 0,5 bis 0,7 Litern/100 km entsprechen.

Unseren Berechnungen nach wird ein Mercedes G von uns geschützt nach den o.g. Schutzklassen einen höheren Benzinverbrauch von ca.2-3 Litern/100 Kilometern haben. Die Frage ist aber wieviel Benzin verbraucht ein Mercedes G weniger, wenn er mit unseren Materialien geschützt wird gegenüber einem nach herkömmlicher Methode mit Panzerstahl geschützten Version. Die Benzineinsparung ist erheblich!

Mit Blick auf die aktuelle politische Situation in Europa kommen heimischen Lieferketten eine größere Bedeutung zu. Wo produzieren Sie, und können Sie auch im Krisen- und Kriegsfall eine Produktion und Lieferung in Europa sicherstellen?

Lieferketten sind in einer globalisierten Welt für alle Hersteller ein großes Thema. Wir produzieren nahezu alle Produkte in Europa, wobei wir Abhängigkeiten haben von Rohstofflieferanten, die sich außerhalb Europas befinden. Um sicherzustellen, dass wir immer über ausreichende Rohmaterialien verfügen, versorgen wir uns von unterschiedlichen Lieferanten aus unterschiedlichen Regionen. Um sicherzustellen, dass wir dabei preisstabil bleiben können, fassen wir große Mengen aus den Produktionen unserer Weltweitgruppe zusammen. Dazu gehören auch Bedarfe für unsere Automobil- und Luftfahrtdivisionen.

Darüber hinaus sind wir auf Planungshorizonte unserer Kunden, der Regierungen angewiesen, die uns Investitionssicherheit durch verbindliche Bestellungen mit Abnahmeverpflichtungen und damit Planungssicherheit über einen längeren Zeitraum geben. Ich rege auch immer wieder an im „Frieden“ einen Plan zu entwickeln und auch vorzubereiten, wie man Versorgung und Durchhaltefähigkeit im Ernstfall sicherstellen will. Sie sehen das Sicherstellen der Lieferketten ist ein komplexes Thema und liegt nicht ausschließlich am Hersteller.

Hinzu kommen „bergeweise“ Berichtspflichten zu allen möglichen Regulierungen von Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz, EU-Entwaldungsverordnung etc. die uns das Leben in der Supply Chain sehr schwer machen. Regulierungen, die unsere militärischen Gegner nicht interessieren und deshalb bei Kampf um Ressourcen auf dem Weltmarkt immer schneller sind.

Mit WhatsApp immer auf dem neuesten Stand bleiben!

Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal, um die Neuigkeiten direkt auf Ihr Handy zu erhalten. Einfach den QR-Code auf Ihrem Smartphone einscannen oder – sollten Sie hier bereits mit Ihrem Mobile lesen – diesem Link folgen:

Beitrag teilen

Anzeige
Enforce Tac

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Verwendete Schlagwörter

2025Enforce TacFahrzeugeMesseNürnbergReifen
Index