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RÜ.NET2023: RTX zeigt passives ELINT System für alle Arten von Plattformen

Auf der RüNet 2023 in Koblenz zeigte die Firma RTX (früher Raytheon Technologies Corporation und ein Zusammenschluss aus Collins Aerospace, Pratt & Whitney sowie Raytheon) das Advanced Radar Detection System (ARDS). In Deutschland wird diese Lösung durch die Raytheon Deutschland GmbH mit Sitz in Freising angeboten. Denn hier wurde das passive, digitale System zur elektronischen Aufklärung (ELINT) entwickelt. Damit soll es Luftfahrzeugen ermöglicht werden, sich der Entdeckung des Gegners zu entziehen, während gleichzeitig die Radardaten des Gegners gesammelt werden.
ARDS Pod als offene Systemansicht auf der RüNet 2023.
Foto: cpm GmbH/André Forkert

„Wie ein leiser Staubsauger sammelt ARDS Informationen über ein breites Spektrum von Radar- und elektromagnetischen Sendern. Die gesammelten Informationen werden analysiert und werden Teil der militärischen Bibliothek bekannter Bedrohungen, und sie können von den Betreibern bei zukünftigen Missionen verwendet werden, um diese Bedrohungen zu bekämpfen“, so einer der Software-Ingenieur bei Raytheon Deutschland, in einer Erklärung.

Da es sich um eine Pod-Lösung handelt, kann sie sowohl von bemannten und unbemannten Luftfahrzeugen genutzt werden. Und auch eine schnelle und problemlose Integration des Systems wird damit sichergestellt. Im Jahr 2019 testet RTX das ARDS auf einem flügelmontierten Pod auf einem General Atomics MQ-9A Reaper B Drohne. Hier wurde der Pod in der Mitte des Luftfahrzeugbauches angebracht, aber auch eine Aufhängung an den Tragflächen bei anderen Luftfahrzeugen ist möglich. Aber ARDS kann genauso an bemannten kommerziellen oder militärischen Luftfahrzeugen, wie auch von boden- oder seegestützten Plattformen genutzt werden. Dabei sucht ARDS autonom und ohne Eingriffe eines Bedieners nach Sendern und dem gesamten elektromagnetischen Spektrum ab. Auf Wunsch kann der Bediener das System aber auch steuern. Bei ELINT-Einsätzen kann das System kontinuierlich große Datenmengen auf einem Festkörperrekorder speichern und diese dann zur Analyse nach dem Einsatz hochladen. ARDS kann auch mit dem Downlink-System eines Flugzeugs verbunden werden, um die Daten in Echtzeit an Bodenkontrollstationen zu übertragen. Vor einer Notlandung in unbekanntem oder feindlichem Gebiet kann der Festkörperrekorder auf Anweisung eines Bedieners auch komplett und unmittelbar gelöscht werden.

Die Entwicklung basiert auf dem Emitter Location System (ELS), die an den Tornados der deutschen und italienischen Luftwaffe genutzt werden/wurden. Durch den Einsatz modernster digitaler Komponenten reduziert ARDS den Platzbedarf der Hardware im Vergleich zum alten ELS erheblich, so RTX. Außerdem ist ARDS ein softwaredefinierter Empfänger, d.h. Aktualisierungen können einfach und schnell durch Software-Upgrades vollzogen werden. Anpassungen an der Hardware bedarf es nicht. Diese Technologie dient zudem zur Vereinfachung von Wartung und Logistik. Und es können einsatzspezifische Algorithmen und Bibliotheken zur Erkennung und Analyse integriert werden.

ARDS scannt das RF-Spektrum, um Radarsender zu identifizieren und zu orten, und sorgt so für die Sicherheit von Piloten und Flugzeugen, sei es bei Aufklärungs- und Überwachungs- oder Kampfunterstützungsmissionen.

ARDS arbeitet völlig passiv, berechnet den Standort von Sendern und liefert technische Informationen über sie. Dank ARDS werden den Plattformen zu Luft, Land und See ELINT (Electronic Intelligence, deutsch: Elektronische Aufklärung) sowie ESM (Electronic Support, deutsch: Elektronische Unterstützungsmaßnahmen) als Komplettpaket zur Verfügung gestellt. Und das Ganze plattformunabhängig (Hubschrauber, Kampf- oder Transportflugzeug, Boot oder Landfahrzeug). Und obwohl RTX eine US-amerikanische Firma ist, ist ARDS komplett ITAR-frei. Dies liegt an der ausschließlichen Entwicklung von ARDS in Deutschland, und beinhaltet neben der Hardware auch die Software, Firmware sowie die Algorithmen. Das Gesamtsystem besteht aus einem oder mehreren Digital Receivern, Downconverter, Frequency Converter sowie zwei Antennen. Das Gesamtsystem ist leichtgewichtig und kompakt in einem Pod untergebracht. Dabei „schaut“ eine Antenne in beide Seitenrichtungen, um wirklich alle Daten aufzuklären. Das Luftfahrzeug muss nicht extra eine bestimmte Flugrichtung einnehmen und auf Abstrahlwinkel achten. ARDS deckt dabei den typischen Frequenzbereich von 1-26 GHz ab, optional auch 0,5 bis 40 GHz. Dabei wird eine sehr hohe DF Genauigkeit sichergestellt, mit einer Sensitivität von > -80 dBm. Der Frequency Converter bietet eine 5-Kanal-Frequenzumwandlung, bei schneller Verstärker-Regelschleife, einer Signalaufbereitung zur Anpassung an den ADC-Dynamikbereich, inklusive einer BIT- und Kalibrierungsfunktionen im Fluge. Der Analysis Receiver Processor wiederum wandelt analoge in digitale Frequenzen zur anschließenden Signalanalyse um. Das System bietet eine digitales Filtersystem mit verschiedenen Filtersätze, in Echtzeit. Weitere Merkmale sind: Erweiterte Richtungsfindung und Clustering, bibliotheksbasiertes Scannen und Erkennen, adaptive Plattform-Schnittstellen sowie die Rohdatenaufzeichnung (IQ). Die Antennenanlage umfasst zwei seitliche Antennen mit einem Sichtfeld von 120 Grad je Seite, und einer Auswahl des Antennenbandes (niedrig, mittel, hoch).

 

Autor: André Forkert, cpm GmbH

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