Sine Engineering: 1. Deal aus US-Ukraine-Fonds geht an Navigations-Startup

Das ukrainische Startup Sine Engineering setzte sich in dieser Woche gegen mehr als 200 Bewerber durch und sichert sich die erste Investition aus dem gemeinsamen US-ukrainischen Wiederaufbaufonds. Das Unternehmen aus Lwiw stellt sehr kleine und Satelliten-unabhängige Navigationsgeräte für Drohnen her – Technik, die in dieser Woche auch am Brave1-Stand auf der XPONENTIAL Europe in Düsseldorf für Aufmerksamkeit sorgte.

Sine Engineering aus der Ukraine darf sich über die erste Förderung des US-ukrainischen Wiederaufbaufonds freuen. In Düsseldorf zeigte das Startup sein Portfolio.
Sine Engineering aus der Ukraine darf sich über die erste Förderung des US-ukrainischen Wiederaufbaufonds freuen. In Düsseldorf zeigte das Startup sein Portfolio.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Vorgestern genehmigte der Lenkungsausschuss des im April 2025 gegründeten U.S.-Ukraine Reconstruction Investment Fund (URIF) in Kiew die erste Investition des Fonds. Gefördert wird mit Sine Engineering ein erst vier Jahre altes Startup.

Die ukrainische Ministerpräsidentin Yulia Svyrydenko verkündete die Entscheidung über Telegram. Das Unternehmen setzte sich dabei gegen mehr als 200 Bewerber durch, von denen mehr als die Hälfte ukrainische Firmen waren. Die genaue Höhe der Investition wurde bislang nicht öffentlich bekannt gegeben.

Was steckt hinter dem URIF?

Der URIF geht auf das im April 2025 unterzeichnete Rohstoffabkommen zwischen den USA und der Ukraine zurück und hat im Dezember 2025 offiziell seinen Betrieb aufgenommen. Er wird gemeinsam vom ukrainischen Wirtschaftsministerium und der U.S. Development Finance Corporation (DFC) verwaltet. Der URIF soll in ukrainische Schlüsselsektoren investieren.

Botschafterin Julie S. Davis (l.) im Gespräch mit der ukrainischen Minsiterpräsidentin Julia Swrydenko.
Botschafterin Julie S. Davis (l.) im Gespräch mit der ukrainischen Minsiterpräsidentin Julia Swrydenko.
Foto: Telegram / Swrydenko

Ziel ist es, privates Kapital in die Region zu mobilisieren. Das Fondsvolumen soll bis Ende 2026 auf 200 Millionen US-Dollar anwachsen. Der Schwerpunkt liegt laut Swrydenko aktuell auf drei Bereichen: kritische Mineralien, Kohlenwasserstoffförderung und Dual-Use-Technologien.

Svyrydenko bezeichnete den Fonds und die zahlreichen Bewerbungen aus ihrem Land als Beleg dafür, dass die Ukraine einzigartige Technologien und Erfahrungen biete, die ein tragfähiges Geschäftsmodell darstellten.

Sine Engineering – Kommunikation und Navigation für Drohnen

Das jetzt ausgewählte Startup Sine Engineering entwickelt satellitenunabhängige Kommunikations- und Navigationslösungen, die es Drohnen ermöglicht, auch ohne GPS und Co zu fliegen – eine Schlüsseltechnologie in modernen Konflikten, in denen elektronische Kriegsführung allgegenwärtig ist.

Das kompakte Sine.Link-Gerät ist das Geheimnis hinter den sicheren Kommunikations- und Navigationsfunktionen von Sine Engineering.
Das kompakte Sine.Link-Gerät ist das Geheimnis hinter den sicheren Kommunikations- und Navigationsfunktionen von Sine Engineering.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Die Technologie wird bereits von mehr als 150 ukrainischen Drohnenherstellern eingesetzt, darunter auch für Abfangdrohnen. Branchenexperten erklärten gegenüber der Zeitung Kyiv Independent, dass die Produkten von Sine Engineering ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und hohe Beliebtheit bei ukrainischen Drohnenteams hätten.

Von fünf auf 200 in vier Jahren

Das 2022 gegründete Unternehmen hat sich in kürzester Zeit vom damaligen Fünf-Mann-Team zu einer 200-köpfigen Belegschaft mit europäischem Büro in Finnland entwickelt. Sine Engineering plant derzeit die weitere Skalierung seiner Produktion sowie den Aufbau von Forschungs- und Entwicklungszentren außerhalb der Ukraine – unter anderem, um den Mangel an Funktechnikern in der Ukraine auszugleichen, wie die Gründer dem Magazin Defender Media erklärten.

Auf der XPONENTIAL Europe in Düsseldorf zeigte sich das Sine Engineering in dieser Woche als Teil des ukrainischen Brave1-Verteidigungstech-Clusters, der neun Firmen aus den Bereichen elektronische Kriegsführung, KI, Schwarmkoordination und UAV-Plattformen unter einem Dach vereinte.

Die Software des Startups ermöglicht es Drohnenpiloten, mehrere UAVs gleichzeitig zu befehligen. Bei Bedarf lassen sich die Kamerabilder der einzelnen Drohnen anzeigen und auch die Steuerung der Drohnen übernehmen.
Die Software des Startups ermöglicht es Drohnenpiloten, mehrere UAVs gleichzeitig zu befehligen. Bei Bedarf lassen sich die Kamerabilder der einzelnen Drohnen anzeigen und auch die Steuerung der Drohnen übernehmen.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Sine Engineering entwickelt und produziert sowohl Hardware- und Softwarelösungen für den Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge in elektronisch stark umkämpften Umgebungen. Das Kernangebot des Unternehmens umfasst vier Leistungsfelder:

  1. resiliente Kommunikationssysteme (C2- und Telemetriedatenlinks sowie digitale Videodatenlinks),
  2. GPS-unabhängige Navigation,
  3. Schwarmsteuerung
  4. Autonomiefunktionen

Die satellitenunabhängige Navigation basiert auf Lichtlaufzeitmessung (Time-of-Flight) und ermöglicht zuverlässige Positionsbestimmung auch unter intensivem GNSS-Jamming. Die Technik ist bereits seit Langem bekannt und wird von Sine Engineering in möglichst kleine und leichte Hardware verpackt.

Der im April 2025 gegründeten U.S.-Ukraine Reconstruction Investment Fund (URIF).
Der im April 2025 gegründeten U.S.-Ukraine Reconstruction Investment Fund (URIF).
Foto: Telegram / Swrydenko

In Düsseldorf gezeigt wurde ebenfalls die modulare Software- und Kommunikationsplattform Pasika, die eine koordinierte Drohnenoperation im gestörten Frequenzspektrum ermöglicht, Over-the-Air-Updates unterstützt und auf gängiger Onboard-Hardware lauffähig ist.

Ein Drohnenpilot soll mit der Lösung mehrere Drohnen befehligen können. Im Bedarfsfall übernimmt der Pilot dann die Steuerung einer einzelnen Drohne. Das Vorgehen sei noch keine Schwarmfähigkeit, wie eine Mitarbeiterin von Sine Engineering gegenüber Defence Network erklärte, wohl aber eine kollaborative Missionsautonomie.

Zwei weitere Deals sollen in 2026 folgen

Die Investition in Sine Engineering ist erst der Auftakt: Insgesamt drei Projekte plant der URIF für das Jahr 2026. Die beiden weiteren Investitionen befinden sich noch in der Abstimmung, wobei die US-Seite neben Dual-Use-Technologien insbesondere den Abbau von Mineralien und Energieprojekte im Blick hat.

Eine hochrangige US-Delegation – darunter Vertreter der DFC und des Finanzministeriums – befand sich in dieser Woche in Kiew, traf sich mit ukrainischen Unternehmen und ermutigte zu neuen Bewerbungen für den Fonds. Damit sendet Washington auch ein klares Signal: Das (ökonomische) Engagement in der Ukraine ist trotz geopolitischer Ablenkungen durch den Iran-Konflikt nicht vom Kurs abgekommen.

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