Streitkräftebasis: Abschied von einem großen Inspekteur

Heute übergab Generalleutnant Martin Schelleis die Führung über die Streitkräftebasis an Generalmajor Stefan Lüth. Damit fand heute in Anwesenheit des Generalinspekteurs der Bundeswehr, General Carsten Breuer, ein wichtiger Wendepunkt für die Bundeswehr statt. Zukünftig werden – gemäß der neuen Struktur der Bundeswehr – die Streitkräftebasis mit dem Sanitätsdienst und weiteren Organisationselementen das neu zu schaffende Kommando Unterstützung bilden (wir berichteten).

Heute übergab General Carsten Breuer (Mitte) die Führung der Streitkräftebasis von Generalleutnant Martin Schelleis (links) an Generalmajor Stefan Lüth (rechts im Bild).
Heute übergab Generalleutnant General Carsten Breuer (Mitte) die Führung der Streitkräftebasis von Generalleutnant Martin Schelleis (links) an Generalmajor Stefan Lüth (rechts im Bild).
Foto: Dorothee Frank/cpm Defence Network

Seit dem 3. Mai existiert hierfür ein Aufstellungsstab, der paritätisch besetzt – zehn aus der Streitkräftebasis (SKB), zehn aus dem Sanitätsdienst der Bundeswehr – an der Feinausplanung der neuen Struktur des Kommandos Unterstützung arbeitet. Bis Oktober sollen alle Planungen aus den verschiedenen Stäben, die zum Aufbau der neuen Struktur überall in der Bundeswehr gebildet wurden, dem BMVg vorliegen. Die neue Struktur soll dann vollumfänglich bis zum 1. April 2025 eingenommen werden.

Generalmajor Lüth übernimmt die Führung der Streitkräftebasis

Noch wächst also nichts zusammen, sondern vielmehr befindet sich auch die SKB in der Planungsphase zu der ebenfalls gehört, wo welche Elemente verortet werden könnten.

Eine Besonderheit dieser Gegebenheiten, die es so bisher in der Geschichte der Bundeswehr noch nicht gab, ist die Position von Generalmajor Lüth. Dieser wurde heute nicht zum neuen Inspekteur der Streitkräftebasis ernannt, sondern erhielt durch General Breuer nur die Führungsverantwortung über die SKB. Er bleibt also offiziell der Stellvertreter des Inspekteurs der Streitkräftebasis, allerdings ohne dass ein Inspekteur existiert.

Generalleutnant Schelleis führte in bewegten Zeiten

Der scheidende Inspekteur, Generalleutnant Martin Schelleis, hatte die Streitkräftebasis über acht Jahre lang geleitet. Es waren bewegte Jahre, in denen er die Unterstützungsleistung für die Bundeswehr sicherstellen musste – oft genug mit knappen Kassen und fehlender politischer und gesellschaftlicher Akzeptanz für die Streitkräfte.

Doch mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine änderte sich alles und auch hier stellte die SKB unter Generalleutnant Schelleis trotz aller Probleme und Shortcuts die Unterstützung nicht nur für die Bundeswehr sicher, sondern auch für die vielen Verbündeten in den unzähligen Großübungen, welche seit 2022 die Drehscheibe Deutschland belasten und besonders die Fähigkeiten der Streitkräftebasis forderten.

„Solange wie Sie, hat kein Inspekteur in der gesamten Bundeswehrgeschichte jemals als Inspekteur geführt“, lobte General Breuer heute den scheidenden Inspekteur und zählte als weitere Verdienste auf: „Sie bestimmten die Fort- und Weiterentwicklung der Luftwaffe in den Zeiten der Transformation maßgeblich. Damit nicht genug. Sie prägten die gesamte Bundeswehr. Als Leiter Arbeitsstab Struktur Bundeswehr und auch als Leiter Organisationen und Revisionen im BMVg, waren Sie mit Ihren Ideen und Impulsen entscheiden für Veränderungen innerhalb der Bundeswehr.“

Leistungen über das Limit hinaus

Schelleis hat sich während seiner gesamten Dienstzeit durch seine Zuverlässigkeit, seine ruhige und besonnene Arbeitsweise ausgezeichnet, die ihn bzw. die ihm unterstellten Bereiche auch schwierigste Aufgaben mit Bravour meistern ließen. So fielen in seine Zeit als Inspekteur SKB nicht nur der russische Angriff auf die Ukraine – mit anschließender starker Strapazierung der Drehscheibe Deutschland – sondern auch militärische Evakuierungsoperationen, die Flutkatastrophe im Ahrtal und die Corona-Pandemie, um nur die größten Herausforderungen für die SKB zu nennen. In all diesen schwierigen Situationen hat die Streitkräftebasis immer wieder zuverlässig Leistung geliefert, die angesichts des Notstands an Material und Personal eigentlich nicht mehr möglich war. Doch für Generalleutnant Schelleis gab es kein „Geht nicht“. Mit seiner menschlichen Art holte er bei jeder neuen Herausforderung wieder scheinbar unmögliche Leistung aus seinem militärischen Organisationsbereich.

„General Schelleis, durch Ihre Schaffenskraft, durch Ihre Führung und vor allem durch Ihr Vertrauen in Ihre Truppen, haben Sie die Streitkräftebasis auf ein neues Level gehoben. Die Leistungsfähigkeit der SKB, so wie sie heute hier vor Ihnen steht, das ist Ihr Verdienst. Für Sie stand dabei immer das streitkräftegemeinsame Denken und das streitkräftegemeinsame Handeln im Vordergrund. Immer fokussiert auf die Sache, immer nüchtern, immer hochprofessionell“, lobte General Breuer. „Beeindruckend war dabei für mich, dass Sie immer wieder den Blick nach vorne gehabt haben.“

Die Leistungen von Generalleutnant Schelleis prägten alle Bereich der Bundeswehr, auch weil sie sich immer auf die Leistung der Streitkräftebasis habe verlassen können. General Breuer hob besonders hervor: „Ihre Art, immer an und für die Sache, mit festen Gespür für Ihre Truppe mit deren Feuerkraft, haben Sie den Staat und die gesamte SKB geprägt. Dafür haben Sie sich allerhöchste Anerkennung und Dank verdient. Ihre Handschrift findet sich in der gesamten Bundeswehr, im BMVg, der Luftwaffe und der Streitkräftebasis wieder.“

Die Kriegstüchtigkeit der Bundeswehr

Dieses Denken an seine Soldatinnen und Soldaten, an die zivilen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zeigten sich auch in den Schlussworten von Generalleutnant Schelleis an seine SKB: „Ich bin überzeugt davon, dass die Streitkräftebasis die Bundeswehr des 21. Jahrhunderts stärker geprägt hat, als es viele wahrhaben wollen. Um es auf eine griffige Formel zu bringen: Andere mögen mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen – wir konzentrieren uns auf die Substanz.“

Dabei sehe er eine einsatzbereite und kriegstüchtige Bundeswehr, trotz des immer noch fehlenden Materials und Personals. „Die Bundeswehr ist eine der Organisationen in Deutschland, auf die es in den nächsten Jahren entscheidend ankommen wird. Denn wir sind trotz des großen personellen, materiellen und infrastrukturellen Nachholbedarfs – den es zweifellos gibt – immer noch eine auf Krisen vorbereitete und darin gefestigte Institution. Sie alle haben immer wieder Kaltstartfähigkeit bewiesen, trotz aller Defizite. Das darf uns durchaus Stolz machen!“

Jeder und jede Soldatin und Soldat brauche jetzt einen Plan B

Generalleutnant Schelleis mahnte allerdings auch an, dass der Angriff auf die Ukraine und die Bedrohung der Sicherheit Europas durch den russischen Aggressor ein Umdenken erfordere. „Ich möchte es auf einige simple Fragen herunterbrechen, die jeder und jede von uns für sich selbst beantworten muss: Bin ich körperlich und mental in der Lage, eine kriegsähnliche Situation über Tage, Wochen oder Monate auszuhalten? Wie kann ich das Päckchen reduzieren, das ich schon ohne äußeres Zutun zu tragen habe und das mir bei der Erfüllung meines Auftrags entgegensteht? Sind meine privaten Angelegenheiten so stabil geregelt, dass ich mich für Tage, Wochen oder gar Monate auf meine systemrelevante Tätigkeit konzentrieren kann? Oder komme ich schon im Grundbetrieb an die Belastungsgrenze und auf der letzten Rille zum Dienst?“

Wer bereits im normalen Alltag bis zur Belastungsgrenze ginge, weil der Beruf oder das private Umfeld zu sehr forderten, der müsse jetzt bereits anfangen umzudenken. „Es ist gut, dass die Bundeswehr viel Wert auf attraktive, familienfreundliche Arbeitsbedingungen legt. Wir sollten sie auch nutzen, so lange es geht“, sprach Generalleutnant Schelleis mit seiner Erfahrung aus über 40 Jahren Dienstzeit. „Aber wir alle brauchen einen Plan B für den Fall, dass die 40-Stunden-Woche und das Homeoffice nicht mehr gehen. Und wir alle müssen diesen Plan spätestens jetzt entwickeln!“

Mit der folgenden Übergabe des Kommandos verabschiedete sich Generalleutnant Schelleis aus der Bundeswehr. Einen Zapfenstreich will der um Deutschland so verdiente General nicht erhalten.

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