Der letzte Einsatz einer Atomwaffe in Kampfhandlungen fand im August 1945 in Japan statt. Ein erneuter Einsatz würde die schärfsten politischen Konsequenzen und weltweite Verurteilung nach sich ziehen. Was manche im MAGA-Umfeld als Machtdemonstration sehen mögen, würde vom Rest der Welt verabscheut. Die Sanktionen, die ein Einsatz von Atomwaffen nach sich ziehen würden, könnten sogar die Weltwirtschaft zum Einsturz bringen. Man muss sich fragen: Lohnt es sich für die Trump-Regierung tatsächlich, eine kleine Atomwaffe einzusetzen, um elf Panzer oder eine einzelne Brücke zu zerstören?
Doch abgesehen von der politischen Dimension: Lohnt sich ihr Einsatz überhaupt? Gibt es Anwendungsfälle, in denen sie gegenüber konventionellen Waffen einen so deutlichen Vorteil hätten? Zunächst können wir einige absurde oder überholte Szenarien ausschließen. Selbst wenn die USA noch über nukleare Artilleriegranaten verfügten, gäbe es im Iran-Konflikt keine Bodentruppen. Die USA verfügen in diesem Szenario über keine Artillerie, da keine Bodentruppen im Kampf gegen den Feind stehen. In einem Szenario auf der koreanischen Halbinsel mag dies anders sein, doch wie wir in Teil IV erörtern werden, würde die Wiedereinführung nuklearer Artillerie jahrelange Arbeit erfordern, um sie praktisch umsetzbar zu machen.
Beginnen wir also mit der Frage: „Welche praktischen Szenarien gibt es, in denen Atomwaffen auf dem Schlachtfeld nützlich sind?“ und gehen davon ausgehend weiter.
Aufstieg und Fall der taktischen Nukleardoktrin
Das klassische Szenario, in dem das US-Militär in den 1950er Jahren taktische Atomwaffen entwickelte, beinhaltet mehrere Faktoren.
Zunächst gab es die Idee der konventionellen Parität. Man ging grundsätzlich davon aus, dass ein Infanterist ein Infanterist, ein Panzer ein Panzer und ein Artilleriegeschütz ein Artilleriegeschütz war und dass diese im Wesentlichen gleichwertig waren. Da die Sowjetunion während des größten Teils des Kalten Krieges eine deutliche zahlenmäßige Überlegenheit besaß, führte dies zu der logischen Schlussfolgerung, dass unkonventionelle Mittel wie Atomwaffen notwendig seien, um eine Art militärische Parität zu erreichen.
Zweitens basierte die Vorstellung einer Truppenkonzentration auf dem Zweiten Weltkrieg und nicht auf modernen Konzepten der mobilen Kriegsführung. Diejenigen, die in den 1950er- und 1960er-Jahren die taktische Nukleardoktrin entwickelten, kämpften im vorangegangenen Krieg. Die Anzahl der Panzerfahrzeuge oder Infanterietruppen pro Quadratkilometer in Mitteleuropa in den Jahren 1944/45 war in den 1990er-Jahren nicht mehr zu erreichen.
Das ist teilweise ein Henne-Ei-Problem. Wenn Streitkräfte durch einen Atomangriff verwundbar sind, muss man sie verteilen. Eine solche Aussage stammt aus der NATO-Doktrin der 1970er-Jahre, nicht aus einem neuen Dogma der 2020er-Jahre. In modernen Konflikten konzentrieren sich Panzer, Artillerie und Infanterie selten in klar definierten Zielzonen wie im Wettlauf nach Berlin 1945. Ein taktischer Atomangriff hätte 1955 ein sowjetisches Panzerbataillon problemlos ausgeschaltet. Heute würde er sechs Panzer zerstören. Weltweite Ächtung ist sechs Panzer nicht wert.
Drittens entstand die taktische Nukleardoktrin der USA in einer Zeit, in der die Sowjetunion weder hinsichtlich Produktionsrate noch Qualität von Atomwaffen mithalten konnte. Die taktische Nukleardoktrin der USA und die darauf aufbauende technische und industrielle Infrastruktur, die Tausende von nuklearen Artilleriegranaten ermöglichte, basierten auf der festen und bis in die 1980er-Jahre begründeten Überzeugung, dem Gegner überlegen zu sein. Das Wettrüsten bei taktischen Atomwaffen begann in der Annahme, die Gegenseite könne nicht mithalten.
Viertens revolutionierte sich ab den 1960er Jahren die Letalität und Präzision konventioneller Waffen, wodurch taktische Atomwaffen sowie chemische Waffen praktisch überflüssig wurden. Die Panzerabwehrlenkrakete BGM-71 TOW trug maßgeblich dazu bei, den Einsatz von Gefechtsfeldnuklearwaffen zu verdrängen. Um 1980 erreichte die konventionelle Waffentechnologie einen Punkt, an dem ein mechanisiertes Infanteriebataillon der USA mit TOW- und M47-Dragon-Panzerabwehrlenkraketen deutlich mehr sowjetische Panzer und Schützenpanzer zerstören oder kampfunfähig machen konnte als sechs oder acht taktische Nuklearartilleriegranaten.
TOW und Dragon repräsentierten jedoch den neuesten Stand der konventionellen Waffentechnologie im Jahr 1980, und die Präzision und Tödlichkeit konventioneller Systeme, einschließlich improvisierter, kostengünstiger Drohnen, hat sich seither kontinuierlich verbessert. Wenn man ein russisches Panzerregiment (vielleicht 90-95 Panzer und eine ähnliche Anzahl an Schützenpanzern und Infanterie-Kampffahrzeugen) im Vormarsch abfangen will, ist es doch sicherlich sinnvoller, sechs Stunden lang stündlich 100 billige Drohnen einzusetzen, als sechs Atomwaffen zu verwenden?
Fünftens müssen wir untersuchen, was die Hypothese widerlegt. Was ist nötig, um sich vor taktischen Atomwaffen zu schützen? Die Gegenmaßnahmen sind heutzutage so kostengünstig, dass sie praktisch kostenlos sind. Der Zerstörungsradius einer kleinen Atomwaffe für Panzer beträgt etwa 200 Meter. Daher ist ein Abstand von 100 Metern zwischen den Panzern eine kostengünstige Methode, um den Verlust möglichst geringer Einheiten zu minimieren. Der Drohnenkrieg in der Ukraine hat Soldaten bereits in Kampfstellungen mit Luftdeckung gezwungen. Erde und Sandsäcke sind in einem Kriegsgebiet praktisch kostenlos.

Bleiben Sie auf dem Laufenden.
Die wichtigsten Nachrichten aus Verteidigung und Wehrtechnik — auf Ihrem Kanal.


Neuigkeiten direkt auf Ihr Handy: Scannen Sie den QR-Code — oder öffnen Sie den Kanal direkt.
Kanal öffnenKostenlos · jederzeit verlassen · Ihre Nummer bleibt für uns anonym.












