Es mag für Deutschland keine sonderlich bedeutsame Fähigkeit sein, welche die TEKEVER-Drohne AR5 heute unter Beweis gestellt hat — doch andere Nationen könnten an operativer Flexibilität gewinnen und ihre Reichweite vergrößern. Das unbemannte Starrflügelflugzeug aus Portugal konnte zeigen, dass es im maritimen Umfeld auch von Flugzeugträgern aus operieren kann.

„Heavy Lift Challenge 3 und Rapid Eagle haben gezeigt, welches große Potenzial autonome Starrflügelsysteme für künftige maritime Operationen bieten können“, berichtete Lieutenant Commander David Burton, Trials Sponsor für Navy Capability bei der Royal Navy. Der erfolgreiche Einsatz eines AR5 auf der HMS Queen Elizabeth wärend der beiden genannten Übungen habe dabei wertvolle Erkenntnisse darüber geliefert, wie unbemannte Systeme Logistik, Versorgung und weitere operative Aufgaben in einem anspruchsvollen maritimen Umfeld unterstützen könnten.
AR5 landet auf britischem Flugzeugträger
Die AR5 hob zunächst im Flugbetriebs- und Ausbildungszentrum von TEKEVER in Atouguia da Baleia (Portugal) ab und erreichte den Träger nach etwa 90 Minuten Flugzeit. Dort angekommen führte das unbemannte Flugzeug gleich zwei Landungen und zwei Starts durch. Anschließend kehrte die AR5 laut TEKEVER nach rund 120 Minuten Flugzeit zurück nach Atouguia da Baleia zurück.

Die Demonstration machte deutlich, dass ein unbemannter Starrflügler auf See starten und wieder an Bord landen kann. Das portugiesische System ist jedoch nicht das erste, welches diese Fähigkeit unter Beweis stellt. Vor zwei Jahren startete und landete bereots die türkische Drohne TB3 von Baykar Technologies auf dem Drohnenträger TCG Anadolu (Defence Network berichtete). Die erste Drohnenlandung auf einem Flugzeugträger überhaupt wird dem Experimentalsystem X-47 von Northrop Grumman aus den USA im Jahr 2013 zugeschrieben.
Mehr Fähigkeiten auf See
TEKEVER nennt jedoch einen Fähigkeitsgewinn für Seestreitkräfte als Ergebnis der aktuellen Tests. So würden diese neue Optionen in den Bereichen Logistik und Versorgung sowie bei Informationsgewinnung, Überwachung, Zielerfassung und Aufklärung erlangen. Darüber hinaus wurde untersucht, wie sich das AR5 zusammen mit anderen Systemen in einem Trägerverband einsetzen lässt. Die Erprobungen fanden in enger Abstimmung zwischen der Royal Navy, der British Army, der Royal Air Force (RAF) und Industriepartnern statt.
„Der erste Einsatz eines AR5 von einem Flugzeugträger ist ein wichtiger Schritt, um bewährte Fähigkeiten verstärkt in maritime Operationen einzubringen“, erklärte Tiago Nunes, Director of Platforms bei TEKEVER. Das Unternhemen ermögliche es Seestreitkräften, Einsätze flexibler durchzuführen, ihre operative Reichweite zu vergrößern und auf neue Anforderungen auf See zu reagieren. Numes sprach zudem von einem „echtem operativem Mehrwert“.
TEKEVER im Vereinigten Königreich
Das AR5 zeichnet sich laut Hersteller durch eine lange Flugdauer aus und ist bei vergleichsweise niedrigen Betriebskosten für zahlreiche Missionen an Land und auf See konzipiert, etwa Such- und Rettungseinsätze, Grenzüberwachung und Seefernaufklärung. Das unter härtesten Bedingungen bewährte System basiert auf einer flexiblen Systemarchitektur und arbeitet beim Start und bei der Landung vollständig autonom, auch auf kurzen oder unbefestigten Pisten.
Mit OVERMATCH, einem auf fünf Jahre angelegten Investitionsprogramm über 400 Mio. Pfund, stärkt TEKEVER seine industrielle Basis im Vereinigten Königreich. Schwerpunkte sind Forschung, Infrastruktur und Verteidigungstechnologien, unter anderem KI und Autonomie.
Erst kürzlich hat das britische Verteidigungsministerium TEKEVER mit Project CORVUS beauftragt. Im Rahmen des Programms liefert das Unternehmen sein unbemanntes Langstrecken-Luftfahrzeugsystem AR5 an die British Army, um eine dauerhafte Fähigkeit zur Informationsgewinnung, Überwachung und Aufklärung (Intelligence, Surveillance and Reconnaissance, ISR) bereitzustellen.
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