Ukraine: EDGE Group darf sich nicht bei Fire Point einkaufen

Das ukrainische Kartellamt AMCU (Antimonopoly Committee of Ukraine) hat einen der größten Anteilsdeals im Rüstungssektor des Landes vorerst verhindert. Die EDGE Group aus den Vereinigten Arabischen Emiraten darf Anteile am ukrainischen Unternehmen Fire Point in Höhe von 30 Prozent vorerst nicht erwerben. Der geplante Deal mit dem Hersteller des Flamingos war für 760 Millionen US-Dollar angesetzt.

Das international bekannteste Produkt aus dem Hause Fire Point: Der FP-5 Flamingo.
Das international bekannteste Produkt aus dem Hause Fire Point: Der FP-5 Flamingo.
Foto: Fire Point

In einer Antwort gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters teilte das AMCU mit, die eingereichten Unterlagen würden nicht den etablierten Kriterien entsprechen. Die arabische EDGE Group hatte den Anteilskauf offiziell am 30. Dezember 2025 beantragt (Defence Network berichtete).

Laut eines ebenfalls von Reuters geführten Interviews mit Fire Point-Mitgründer Denys Shtilierman hätte die Behörde offiziell sogar bis Oktober 2026 Zeit für ihre Überprüfung gehabt. Die schnelle Zurückweisung dürfte beide Unternehmen überrascht haben. Die AMCU konkretisierte nicht, welche Bestimmungen genau verletzt worden waren, erwähnte aber, dass bisher keine erneuten Anträge der VAE-Investoren eingegangen seien.

Fire Point – Hoffnungsträger der ukrainischen Rüstungsindustrie

Fire Point gilt als ein großer Hoffnungsträger der ukrainischen Verteidigungsindustrie. Das Unternehmen wurde erst mit Beginn der russischen Vollinvasion 2022 gegründet. Nach eigenen Angaben produziere man heute einen Großteil der Langstreckendrohnen, die tief in das russische Hinterland eindringen und dort erhebliche Schäden beispielsweise an Energieinfrastruktur anrichten.

Darüber hinaus ist Fire Point der Entwickler der Flamingo-Marschflugkörper, eines der wichtigsten strategischen Waffensysteme der Ukraine. In seiner aktuellen Version soll er eine Reichweite von 3.000 Kilometern haben und einen Sprengkopf von einer Tonne mitführen können.

Drohnen-Systeme von Fire Point:

  • FP-1: Langstrecken-Drohne mit 1.400 km Reichweite und 60 kg Gefechtskopf, die für Angriffe auf russische Raffinerien und strategische Ziele verantwortlich ist.
  • FP-2: Mittelstrecken-Drohne mit 200 km Reichweite und 105 kg schwerem Sprengkopf.

Marschflugkörper von Fire Point:

  • FP-5 (Flamingo): Marschflugkörper mit 3.000 km Reichweite

Zukünftige Systeme:

  • FP-7: Ballistische Rakete mit bis zu 300 km Reichweite und 150 kg maximaler Nutzlast soll vergleichbar mit US-ATACMS-Raketen sein.
  • FP-9: Fortgeschrittene Variante mit noch größerer Reichweite.

Zudem arbeitet Fire Point derzeit laut Shtilierman an einem neuen Luftabwehrsystem, welches mit dem US-System Patriot konkurrieren soll. Das Ziel läge darin, die Kosten für das Abfangen einer ballistischen Rakete auf unter eine Million Dollar zu senken und bereits 2027 einsatzbereit zu sein.

Strategische Kontrolle bleibt in ukrainischer Hand

Die Blockade des Deals mit der EDGE Group durch die AMCU deute darauf hin, dass die Ukraine auf volle Kontrolle über die kritischen Technologien besteht, vermutet das ukrainische Portal ANTIKOR. Angesichts des laufenden Krieges mit Russland wolle sich die Regierung womöglich nicht in die strategisch bedeutsame Produktion von Langstreckenwaffen hineinreden lassen.

Zwar hätte die geplante Transaktion vorteilhafte Investitionen bedeutet, doch nationale Sicherheitsinteressen haben klar Vorrang vor finanziellen Gewinnen. Fraglich ist, ob eine solche Entscheidung auch getroffen worden wäre, käme der Investor nicht aus einem akut an iranischen Angriffe bedrohten Land.

Fire Point bleibt jedenfalls in ukrainischer Hand. Das Unternehmen wird seine Produktionskapazitäten weiter ausbauen und die kritische Versorgung der ukrainischen Streitkräfte mit Drohnen und Raketensystemen sicherstellen.

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