Ein Satellit von Rheinmetall und Argotec, der Bedrohungen aus der Luft erkennt, bevor sie gefährlich werden. Ein zweiter, der als Experimentallabor 22 Zukunftstechnologien im Orbit testet. Beide wurden gestern mit einer Falcon 9 des US-Unternehmens SpaceX ins All gebracht. Sie zeigen, wie ernst Deutschland und Europa den Wettlauf um sichere Weltraumfähigkeiten nehmen.
Am 1. Oktober 2026 hob von der Vandenberg Space Force Base in Kalifornien eine Falcon-9-Rakete von SpaceX ab. An Bord der Transporter-18 Mission waren insgesamt 130 Nutzlasten, neben mehreren Satelliten von ICEYE waren auch zwei Satelliten darunter, die den Weltraum stärker für Sicherheit und Verteidigung nutzbar machen sollen. Beide stammen aus deutschen Projekten und haben doch ganz unterschiedliche Aufgaben.
Rheinmetall und Argotec: Frühwarnung aus dem Orbit
Rheinmetall hat gemeinsam mit dem italienischen Raumfahrtunternehmen Argotec den ersten Satelliten seiner neuen strategischen Partnerschaft in die Umlaufbahn gebracht. Über die Tochtergesellschaft Rheinmetall Italia S.p.A. baut das Düsseldorfer damit in enger Abstimmung mit institutionellen Akteuren eine eigenständige, satellitengestützte Fähigkeit für die nationale Sicherheit auf.
Der Satellit solle nicht etwar Bodenobjekte kartieren, sondern nach Indikatoren am Boden suchen, die auf aufkommende Bedrohungen aus der Luft hindeuten. So sollen Frühwarnhinweise für die Luftverteidigung gewonnen werden. Diese Lage- und Bilddaten werden dann nach Angaben Rheinmetalls via KI aufbereitet und in nationale Verteidigungssysteme eingebunden. Das Gesamtsystem verbindet weltraumgestützte Beobachtung, bodengestützte Knotenpunkte und taktische Netzwerke, die über eine Kommando- und Kontrollzentrale gesteuert werden.
„Die Integration weltraumgestützter Daten in bestehende Verteidigungsarchitekturen ist ein entscheidender Schritt, um dem veränderten Sicherheitsumfeld gerecht zu werden“, erklärte Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG. Argotec-Gründer und CEO David Avino betonte, man verwandle Daten in nahezu Echtzeit in Informationen, die Entscheidungsträger unterstützen.
Das Programm ist modular angelegt. Der gestern erfolgte Start liefert die Grundlage, um die Funktionsfähigkeit im Orbit nachzuweisen und die nächsten Finanzierungsphasen abzusichern. Daraus soll schrittweise eine größere Satellitenkonstellation entstehen. Ein weiterer Start ist für 2028 fest eingeplant.
ATHENE-1: Ein Labor im Orbit
Der zweite Satellit mit deutscher Beteiligung verfolgt eine andere Mission. Die Universität der Bundeswehr München (UniBw M) brachte mit ATHENE-1 das Herzstück ihres Forschungsprogramms SeRANIS (Seamless Radio Access Networks for Internet of Space) in den niedrigen Erdorbit. Der knapp 300 Kilogramm schwere Kleinsatellit wurde gemeinsam mit der OHB-Tochter LuxSpace entwickelt und startete um 20.32 Uhr MESZ im Rahmen der Transporter-18-Mission.
ATHENE-1 dient als Erprobungsplattform für 22 wissenschaftliche Experimente. Im Mittelpunkt stehen Kommunikation und Vernetzung, Aufklärung und Sensorik, Navigation und KI-gestützte Datenverarbeitung direkt im Orbit. Der Satellit soll auch Verfahren testen, die Störungen von Navigations- und Kommunikationssystemen erkennen, lokalisieren und abwehren. Außerdem steht er für softwaredefinierte, rekonfigurierbare Satelliten, deren Funktionen sich auch nach dem Start an neue Anforderungen anpassen lassen.
Das Programm SeRANIS läuft seit 2020 am Forschungszentrum SPACE der UniBw M. Mehr als 70 Forschende sind beteiligt, das Volumen liegt bei über 77 Millionen Euro, gefördert wird es von dtec.bw. „Wir wollten einen eigenen Innovationspfad schaffen, mit dem Ziel, neue Schlüsseltechnologien möglichst früh unter realen Bedingungen im Weltraum zu erproben“, erklärte Projektleiter Prof. Andreas Knopp. ATHENE-1 versteht sich dabei als Experimentierfeld neben den Großprogrammen und bindet gezielt Start-ups und junge Unternehmen ein.
Gebaut wurde der Satellit auf der Plattform Triton-X Heavy von LuxSpace, kombiniert mit einer an der UniBw M entwickelten Experimentalnutzlast. Integriert wurde er am OHB-Standort Oberpfaffenhofen. OHB-Chef Marco Fuchs nannte den Start ein starkes Beispiel für die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie. Die Bodeninfrastruktur stellt das Nationale Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) des DLR in Oberpfaffenhofen bereit. In den kommenden Tagen folgen die ersten Betriebsphasen, danach gehen schrittweise die Experimente in Betrieb. Die Mission ist auf mehrere Jahre angelegt.
Souveränität als gemeinsamer Nenner
Die Satelliten verfolgen unterschiedliche Aufgaben im All. Der eine ist ein operativer Baustein für Luftverteidigung und Lageerfassung, der andere eine Forschungsplattform für künftige Technologien. Beiden gemein ist, dass sie auf technologische Souveränität und widerstandsfähige Weltraumsysteme für Deutschland abzielen.
Die militärische und zivile Space-Aktivitäten nehmen derzeit stark zu. Mit Isar Aerospace wird auch eine eigene Trägerrakete entwickelt (Defence Network berichtete). So können zukünftige Satelliten aus Deutschland bei ihrem Start ins All auf US-Unternehmen verzichten.
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