London und Kiew intensivieren ihre Verteidigungskooperation – nicht nur durch die bereits im vergangenen Jahr verkündete Entwicklung von neuen ballistischen Raketen für die Ukraine. Auch der Ausbau einer 100-jährigen Partnerschaft zwischen der Ukraine und Großbritannien nahm jüngst konkrete Züge an. Durch diese enge Bindung sollen auch längerfristige Rüstungsentwicklungen wie das Projekt Nightfall möglich sein.
„Auf unserer Reise nach Kiew waren wir nah genug, um die Luftschutzsirenen rund um Lwiw zu hören“, schilderte der britische Verteidigungsminister John Healey die Erlebnisse seiner jüngsten Reise in das von Russland angegriffene Land. Der Krieg, der für Russland heute bereits einen Tag länger dauert als der Zweiten Weltkrieg, bringt seit Beginn zahlreiche neue (oder als neu deklarierte) Waffen hervor.
Darunter auch die Hyperschallrakete Oreschnik, die vergangene Woche zum mindestens zweiten Mal von Russland eingesetzt wurde – auf den äußersten Westen der Ukraine; in Hörweite des britischen Ministers. „Das werden wir nicht hinnehmen, deshalb sind wir entschlossen“, so Healy weiter, „den Ukrainern modernste Waffen in die Hände zu geben, damit sie sich zur Wehr setzen können.“
Projekt Nightfall – 500 km Reichweite
Eine dieser Waffen soll mit dem Projekt Nightfall entwickelt werden. Großbritannien will bodengestützte ballistische Raketen für die Ukraine entwickeln. Die Systeme sollen eine Reichweite von über 500 Kilometern haben und mit einem Sprengkopf von rund 200 Kilogramm ausgestattet werden – vergleichbar mit der russischen Iskander-M. Im vergangenen Jahr war allerdings noch von 100 Kilometer mehr Reichweite und 100 Kilogramm mehr Nutzlast die Rede.
Ziel des Projekts ist es, den ukrainischen Streitkräften moderne „Deep-Strike“-Fähigkeiten zu geben, mit denen strategisch wichtige Ziele im russisch kontrollierten Gebiet getroffen werden können. Zwar ist die Reichweite einer ballistischen Rakete nicht so groß wie beispielsweise die von Drohnen oder Marschflugkörpern, doch sind ballistische Raketen deutlich schwerer abzuwehren.
Neben dem militärischen Nutzen für die Ukraine betont Großbritannien auch die Bedeutung des Projekts für die heimische Verteidigungsindustrie, die durch Innovationen gestärkt und mit neuen Arbeitsplätzen gefördert werden soll. Man wolle die Entwicklung im Projekt Nightfall später auch selbst nutzen.
Meilensteine für Nightfall
Laut britischer Regierung kommt es bei Nightfall besonders auf Schnelligkeit an. Die detaillierten Anforderungen für das Projekt wurden noch im Dezember 2025 den Industriepartnern mitgeteilt. Bis zum 9. Februar haben diese Zeit, Entwicklungsvorschläge für Nightfall einzureichen.
Entwicklungsverträge über je neun Millionen Pfund sollen dann im März an drei Industrieteams vergeben werden. Innerhalb von 12 Monaten sollen dann drei ballistische Raketen für Testabschüsse entworfen, entwickelt und geliefert werden.
Zu den Vorgaben gehören eine spätere Produktionsrate von zehn Systemen pro Monat zu einem Höchstpreis von 800.000 Pfund pro Stück.
100 Jahre Partnerschaft und neue Roadmap
Parallel zum Projekt Nightfall unterzeichnete Healey mit seinem ukrainischen Amtskollegen Denys Schmyhal eine Roadmap zur Vertiefung der vor einem Jahr hundertjährigen Partnerschaft. Konkret definiert das vergangenen Freitag unterzeichnete Dokument bestimmte Kooperationsfelder für 2026.
Neben Rüstungsentwicklungen wie der ballistischen Rakete zählt dazu auch die Stärkung der ukrainischen Luftabwehr durch bis zu 1.000 in UK produzierte Abfangdrohnen monatlich und eine Unterstützung Großbritanniens bei der möglichen Produktion schwedischer Kampfjets Gripen in der Ukraine.
Die Roadmap für das zweite der 100 Jahre soll die bisherigen Hilfsleistungen in einen langfristigen Rahmen überführen und systematische, nachhaltige Zusammenarbeit ermöglichen. Sie unterstreicht nach Angaben beider Minister das Engagement Großbritanniens für die Sicherheit der Ukraine und sendet ein deutliches Signal der Solidarität und strategischen Partnerschaft über Jahrzehnte hinaus.
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