LoyalEye an Bord – MQ-9B erfasst Luftziele im Flugtest

Navid LinnemannNavid Linnemann

Laut einer gestern veröffentlichten Meldung haben Saab und General Atomics Aeronautical Systems (GA-ASI) bereits im Sommer 2025 vorgestelltes Konzept der unbemannten Frühwarnfähigkeit (Airborne Early Warning, AEW) in der Luft erprobt. Dabei wurde das bewährte Frühwarnradar EriEye von Saabe als LoyalEye in die MQ-9B integriert.

Saab und General Atomics testen erfolgreich Frühwarnfähigkeit LoyalEye auf der MQ-9B.
Saab und General Atomics testen erfolgreich Frühwarnfähigkeit LoyalEye auf der MQ-9B.
Foto: Saab

Vorgestellt hatten die beiden Unternehmen ihr Konzept bereits auf der Paris AirShow 2025 (Defence Network berichtete). Radar und Drohne flogen erstmals im Mai 2026 zusammen, jetzt wurde der Einsatz des Radars in der Luft getestet. Der Flug fand laut Saab in der Desert Horizon Flight Operations Facility von GA-ASI in Südkalifornien statt. Dabei soll die Leistungsfähigkeit des Gesamtsystems unter Beweis gestellt worden sein. Dazu gehört die Fähigkeit, Luftziele von einer unbemannten Plattform aus zu erfassen, zu verfolgen und zu klassifizieren.

„Dieser Flugtest ist ein wichtiger Meilenstein bei der Entwicklung unbemannter Frühwarnfähigkeiten. LoyalEye soll bestehende AEW&C-Lösungen durch zusätzliche Flexibilität und Ausdauer ergänzen, und der heutige Flug bestätigt die Fähigkeit in einem repräsentativen Einsatzszenario“, erklärte Carl-Johan Bergholm, Leiter des Geschäftsbereichs Surveillance bei Saab.

„Das war einer der meistersehnten Flugtests, die wir bisher durchgeführt haben“, stimmte auch GA-ASI-Präsident David R. Alexander zu. „Das Kundeninteresse an einer AEW-Fähigkeit auf der MQ-9B ist weltweit extrem hoch. Es ist einfach naheliegend.“ Das jetzt genutzte LoyaEye basiert auf Saabs bewährten Radarfamilie Erieye, dem Herzstück des Frühwarnsystems GlobalEye auf einem bemannten Bombardier-Flugzeug.

Auf der Paris Air Show zeigte General Atomics ein Modell der MQ-9B mit zwei kleinen EriEye-Radaren von Saab.
Auf der Paris Air Show zeigte General Atomics ein Modell der MQ-9B mit zwei kleinen EriEye-Radaren von Saab.
Foto: CPM / Navid Linnemann

LoyalEye auf der MQ-9B kann eigenständig oder gemeinsam mit bemannten AEW&C-Plattformen eingesetzt werden. Eine unbemannte Frühwarnfähigkeit soll große Gebiete dauerhaft überwachen können, und zwar dort, wo Flugdauer, geografische Reichweite und ein geringeres Risiko für Besatzungen entscheidend sind.

Aus Erieye wird Loyaleye

Das 1996 eingeführte Erieye-Radar ist ein aktives elektronisch gescanntes Radar (AESA), das Luft-, See- und Bodenziele erfassen kann und bei einer maximalen Einsatzhöhe von 20.000 Metern eine Reichweite von über 450 Kilometern hat.

Das Loyal-Radar im S-Band wird bei der GA-Drohne in drei Pods unter den Tragflächen mitgeführt – anders als bei der bemannten Version, wo ein Radar auf der Oberseite des Flugzeugs montiert ist. Unklar ist bisher, wie stark sich LoyalEye – außer in seiner geringeren Größe – von Erieye unterscheidet.

Die MQ-9B als Trägerplattform

Die MQ-9B ist die neueste Generation der Reaper-Drohne, sie absolvierte im März 2020 ihren Erstflug und wird als SkyGuardian und SeaGuardian gebaut. Letztere befinden sich beispielsweise bei der Deutschen Marine in der Beschaffung. Je nach Version kann die MQ-0B über 30 bzw. über 40 Stunden in der Luft bleiben und erreicht eine Flughöhe von bis zu 14.000 Metern.

Als Alternative zu klassischen AWACS-Flugzeugen wäre die unbemannte Lösung deutlich günstiger in Anschaffung, Betrieb und Personalaufwand und damit auch für kleinere Streitkräfte interessant. Nachteile dürfte der durch die geringere Größe bedingte Reichweitenverlust sein. Zudem sind Drohnen ohne Selbstschutzsysteme verwundbarer als bemannte Systeme. Mehrere Plattformen im Verbund könnten das System allerdings leicht skalierbar machen und den Verlust einer einzelnen Drohne besser verkraftbar machen als den eines großen, seltenen AWACS-Flugzeugs.

Laut Saab soll die unbemannte Version keinesfalls ein Ersatz für die bestehenden Fähigkeiten der GlobalEye-Flugzeuge darstellen, sondern allenfalls eine Ergänzung. Das gilt jedoch nur dann, wenn Staaten überhaupt die Möglichkeit zur Beschaffung und Betrieb der bemannten Version haben. Für viele Nationen könnte das Loyaleye auf der MQ-9B eine luftgestützte Frühwarnung überhaupt erst ermöglichen.

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