Rekordduell in der Ukraine: Leopard 2A6 schlägt T-72

Den Streitkräften der Ukraine ist ein neuer Rekord gelungen. Ein Kampfpanzer Leopard 2A6 hat demnach einen russischen T-72 B3 zerstört – auf eine Kampfdistanz von 5,5 km. Noch nie war ein Panzerduell über eine so große Distanz erfolgreich. Dies zeigt nicht nur die herausragenden Fähigkeiten des deutschen Leopard, sondern auch die erfolgreiche Nutzung von Kampfpanzern in der Ukraine auf größere Distanzen. Einige Leopard 1 sind dabei sogar fast bis zur Artillerie umgerüstet worden.

Der Panzerturm trägt das Hauptwaffensystem des Leopard 2A6 (im Bild ein entsprechender Kampfpanzer der Bundeswehr). Mit der 120mm Glattrohrkanone können gepanzerte Ziele auch auf weite Entfernung bekämpft werden.
Der Panzerturm trägt das Hauptwaffensystem des Leopard 2A6 (im Bild ein entsprechender Kampfpanzer der Bundeswehr). Mit der 120mm Glattrohrkanone können gepanzerte Ziele auch auf weite Entfernung bekämpft werden.
Foto: Bundeswehr/Stefan Gierke

Der Experte der belgischen Streitkräfte, Tim de Zitter, schreibt auf LinkedIn: „Es kursieren Berichte, wonach ein ukrainischer Leopard 2A6 einen russischen T-72B3 aus einer Entfernung von etwa 5,5 km an der Front zerstört hat. Sollte sich dies bestätigen, würde dies den bislang meistzitierten Rekord für die weiteste Panzer-gegen-Panzer-Bekämpfung übertreffen.“

Der aktuelle Rekord stammt demnach von 1991, als während des Golfkrieges ein britischer Challenger 1 der Royal Scots Dragoon Guards einen irakischen T-55 aus einer Entfernung von rund 5,1 km mit einem einzigen Geschoss erfolgreich zerstörte, wobei die genutzte Munition angereichertes Uran enthielt.

Sollten sich nun allerdings die aktuell kursierenden Berichte zum jüngsten Panzer-Duell zwischen der Ukraine und Russland bestätigen, würde dieser Rekord auf einen Leopard 2 übergehen. „Bislang sind weder Fotos noch Videos oder ballistische Nachweise öffentlich erschienen“, schränkt de Zitter ein. Der erfolgreiche Rekordschuss ist somit aktuell noch als gemeldet, aber nicht als bestätigt anzusehen. Allerdings betont de Zitter ebenfalls: „Dennoch ist die Aussage unter den heutigen Bedingungen auf dem Schlachtfeld technisch plausibel.“

Zum Erfolg tragen demnach vor allem die extrem präzise Laserentfernungsmessung, fortschrittliche Wärmebildvisiere, leistungsstarke 120mm-APFSDS-Munition sowie die digitale ballistische Berechnung des Leopard 2A6 bei.

Gleichzeitig benennt de Zitter aber auch die weiteren Fähigkeiten der Streitkräfte der Ukraine und den Grund, warum etwa die deutschen Leopard-Kampfpanzer dieses Potential aktuell gar nicht entfalten könnten. Denn die Ukraine verfügt über eine umfassende Sensor-to-Shooter-Kette, in der vor allem Drohnen Ziele identifizieren, genaue Daten wie etwa die Entfernung liefern und sogar in Echtzeit über Erfolg oder notwendige Richtkorrektur berichten. „Mit anderen Worten: Beim Schießen auf extreme Entfernungen geht es nicht mehr nur um die Panzerkanone“, betont de Zitter. „Es geht um die Kill Chain.“

Genau diese Kill Chain ist allerdings in der Bundeswehr aktuell noch nicht vorhanden, das System Sensor-to-Shooter weiterhin eine Vision, nicht die gelebte Realität. Während die Kampfpanzer in der Ukraine also ihr volles Potential entfalten können, liegen die deutschen Leopard in der Bundeswehr weiterhin an der Kette – dank mangelnder Vernetzung.

Leopard-Kampfpanzer in der Ukraine

Dabei muss man nicht einmal nur auf den aktuellen Rekordschuss beim Panzer-Duell blicken. Es reicht die Weiterentwicklungen an den Leopard-Kampfpanzern in der Ukraine zu betrachten, die teilweise umgerüstet werden, um immer weiter schießen zu können. Das ukrainische Newsportal Defense Express berichtet: „Die Ukraine setzt den Leopard 1A5 als provisorische Artillerie mit einer Reichweite von 12 km ein, mit einem neuen Turm könnte die Reichweite auf 18 km steigen.“

Demnach nutzen die ukrainischen Streitkräfte die Leopard 1 Kampfpanzer unter anderem, um aus Stellungen heraus gegnerische Ziele auf Distanz zu bekämpfen. Eine Nutzung, die ursprünglich eher den noch aus Sowjetzeiten stammenden russischen Kampfpanzern entsprach, nun aber auf die deutschen Systeme adaptiert wurde. Und die Leopard-Kampfpanzer sollen hierbei deutlich leistungsfähiger sein als ihre sowjetischen Pendants und nur etwa die Hälfte an Schüssen zur erfolgreichen Bekämpfung der Ziele benötigen, zitiert Defense Express die Aussagen von Soldaten der 5th Heavy Mechanized Brigade der Ukraine.

Defense Express und führt zu den aktuellen Planungen der ukrainischen Streitkräfte zudem weiter aus: „Das Militär wartet derzeit auf die Ergebnisse der Tests des Turms vom Typ John Cockerill C3105, der auf einem Leopard-1A5-Panzer montiert wurde. Der Turm soll die Schussreichweite auf bis zu 18 km erhöhen.“

Wobei sich die 18 km, zumindest laut den Angaben von John Cockerill, nur auf die Erkennung beziehen. Die effektive Schussreichweite für Indirektes Feuer liegt laut Hersteller bei 10 km.

Erkenntnisse des Krieges nutzen

KNDS hatte im Herbst 2024 eine Repräsentanz in der Ukraine eröffnet, um Wartung und auch Teile der Entwicklung direkt vor Ort durchführen zu können (wir berichteten). Dank des engen Austausches mit den ukrainischen Streitkräften können zudem neue Notwendigkeiten auf dem Gefechtsfeld erkannt und in die flexiblen Systeme implementiert werden – wie jetzt etwa die größere Reichweite der Hauptwaffe der Kampfpanzer.

Doch wie bereits ausgeführt darf der Kampfpanzer nicht alleine betrachtet werden. Das Potential ergibt sich erst aus einer wirksamen Sensor-to-Shooter-Kette, aus der durchgehenden Kill Chain. Der Kampfpanzer besitzt zwar weiterhin seinen Wert auf dem Gefechtsfeld, dieser hängt allerdings zunehmend von der Vernetzung ab. Und hier ist der Leopard bereit, endlich auch für Deutschland seine gesamten Fähigkeiten einzubringen, die er in der Ukraine bereits täglich unter Beweis stellt.

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