Mit dem DefenseTech-Inkubator.NRW in Düsseldorf will 1stMOVER junge Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen auf dem Weg in den deutschen Verteidigungsmarkt unterstützen. Der Inkubator – ein strukturiertes Förderprogramm, das Startups mit Knowhow, Netzwerken und Kapitalzugang beim Markteintritt unterstützt – soll gezielt neue DefenceTech-Unternehmen aufbauen und skalieren. Im Interview erläutert Dr.-Ing. Klemens Gaida, Gründer und Geschäftsführer von 1stMOVER, was mit dem Inkubator erreicht werden soll und weshalb Deutschland langfristig mehr eigenständige Defence-Unternehmen braucht, statt sie frühzeitig von etablierten Primes aufkaufen zu lassen.
1stMOVER ist eine Unternehmensberatung aus dem Raum Düsseldorf mit Fokus auf Startups. Können Sie Ihre Arbeit ein wenig ausführen?
Wir haben vor 15 Jahren als Inkubator losgelegt. Seither haben wir viele Startups finanziert, sie selbst gegründet und aufgebaut, teilweise auch verkauft. In dieser Zeit haben wir immer schon sehr eng mit Unternehmen zusammengearbeitet. Die fanden es spannend, dass wir so nah an den Startups waren. Als 1stMOVER haben wir dementsprechend auch Beratungsprojekte für Unternehmen im Umgang mit Startups durchgeführt.
Außerdem fokussieren wir uns auf Spezialberatung zum Thema Open Innovation. Das bedeutet, dass wir Unternehmen befähigen, nicht aus sich heraus Neues zu entwickeln, sondern mit Partnern – mit Startups, mit Hochschul-Spin-offs, mit F&E-Einheiten. Das sind völlig unterschiedliche Welten, die wir in unterschiedlichen sogenannten Open Innovation Formaten miteinander verbinden. Das Ziel ist dabei stets, Innovationen zu beschleunigen.
Gibt es Unterschiede im Umgang zwischen herkömmlichen und Defence-Startups?
Ja, da gibt es riesige Unterschiede. Einerseits ist Defence für uns ein Thema, wie es auch andere Spezialthemen sind. Wir haben beispielsweise auch für den Wasserstoffmarkt ein Startup-Hub aufgebaut. Als 2016 die große Digitalwelle losging, haben wir den Digital Innovation Hub Düsseldorf/Rheinland aufgebaut – also auch ein riesiges Innovationszentrum rund um Düsseldorf.
Vor anderthalb Jahren haben wir uns dann angeschaut, was unser nächstes Thema sein könnte, und sind so auf Defence gekommen. Ich habe zwar beim Bund gedient, bin aber kein Defence-Experte. Startups aus dem Defence-Bereich ticken allerdings anders. In unserem Inkubator-Team haben wir daher zwei Ex-Offiziere mit an Bord und haben dann dieses Kompetenz-Netzwerk drum herum aufgebaut. So verbinden wir Startup-Knowhow, was wir einbringen, mit dem Defence-Knowhow, was die neuen Kollegen und was die Partner einbringen.
Was wollen Sie mit dem jetzt angelaufenen DefenseTech-Inkubator.NRW ganz konkret erreichen?
Ganz konkret wollen wir 50 Startups erfolgreich im Defence-Markt etablieren, mit Finanzierungen versorgen aus der VC-Welt und dazu beitragen, dass wir die nächsten großen eigenständigen Startups sehen, die vielleicht nicht von den Primes – den Rheinmetalls dieser Welt – weggekauft werden, sondern die wirklich neue Mittelständler werden, oder vielleicht sogar irgendwann mal große Neoprimes wie Helsing. Die Firma Infinteq ist auf einem ganz guten Weg, so ein Neoprime zu werden.
In Düsseldorf sprachen Sie davon, den Markt aufzubrechen. Wo ist denn das Problem beim Markt, weswegen er aufgebrochen werden müsste?
Einmal ist der Markt ansich durch Regulierungen und Sicherheitsanforderungen sehr komplex und schwierig. Beschaffungsrecht, Vergaberecht, Zertifizierung, Sicherheitseinstufungen, Exportrecht – das sind alles besondere, regulatorischen Hürden. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille, warum der Markt schwierig ist. Wir haben auch die Primes, die wollen de Markt natürlich für sich aufteilen. Die sind nicht unbedingt interessiert an neuen Akteuren, und wenn doch, dann kaufen sie sich die geschickt wieder weg. Die wollen aber jetzt nicht ganz neue Akteure, die dann auch Marktanteile erringen.
Wir wollen das aber, weil wir glauben: Vielfalt steht für Innovation, Innovation steht für Wachstum. Wenn jetzt die Rheinmetalls dieser Welt alles schnell wegkaufen, tun wir uns als Volkswirtschaft keinen Gefallen. Das ist vielleicht für die Unternehmen kurzfristig interessant – den Markt abzuschotten und Gatekeeper zu sein – aber für eine Volkswirtschaft ist es langfristig viel besser, einen offenen Markt zu haben, der neue Akteure, neue Vielfalt erlaubt.
Wie geht es mit dem DefenseTech-Inkubator.NRW weiter?
Der Inkubator ist operativ am 1.10. scharf geschaltet worden und auf drei Jahre angelegt. Wir bringen sechs bis acht Startups pro Halbjahr durch den Inkubator – mit den ganzen Unterstützern, unseren Partnern und dem Fachbeirat. In drei Jahren sollen es somit rund 50 Startups sein, die von uns begleitet werden.
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