Starlink gedrosselt, Geheimdienstinfos bleiben aus – Bricht die US-Unterstützung für die Ukraine weg?

Navid LinnemannNavid Linnemann

In der vergangenen Nacht meldete Kyjiw gleich zwei Ausfälle von US-Unterstützung mit ernsthaften Folgen: Die Nutzung von Starlink fiel ebenso aus wie die Warnung vor russischen Raketen. In der Folge mussten laufende Angriffsoperationen abgebrochen werden und konnte die ukrainische Hauptstadt nicht gegen Angriffe geschützt werden. Grund dafür könnte ein Streit mit Washington über einen Diesel-Deal zwischen Donald Trump und Wladimir Putin.

Ukrainische Drohnen profitierten bis gestern von US-Unterstützung in Form von Starlink-Kommunikation. (Symbolbild)
Ukrainische Drohnen profitierten bis gestern von US-Unterstützung in Form von Starlink-Kommunikation. (Symbolbild)
Foto: 127. Schwere Mechanisierte Brigade der Ukraine

Zuerst gemeldet hatte es de Berater des ukrainischen Präsidenten, Serhij Beskrestnow: Das militärische StarShield-Paket, das ukrainischen Angriffsdrohnen, die beispielsweise Angriffe auf russische Logistik ermöglichte, wurde vergangene Nacht ohne Vorwarnung eingeschränkt. Für Systeme, die sich mit einer Geschwindigkeit von mehr als 160 Stundenkilometern bewegen, bricht die Verbindung ab. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters bestätigten ukrainische Militärs den Ausfall der US-Unterstützung. Andere Quellen sprachen auch von Abbrüchen bereits bei 60 bis 70 Stundenkilometern.

Starlink: Geschwindigkeitsgrenze mit Folgen

Betroffen ist daher nicht die Kommunikation von Soldaten in Schützengräben, sondern vor allem schnelle Drohnen mit eingebautem Starlink-Terminal. Sie nutzen die Satellitenverbindung für Videoübertragung und Steuerung, etwa bei Angriffen auf russische Logistik im besetzten Gebiet der Ukraine oder auch zum Abfangen russischer Geran-Drohnen.

Neu ist das Vorgehen nicht: SpaceX – Die Starlink-Betreiberfirma von Elon Musk – hatte bereits im Februar Maßnahmen gegen die unautorisierte russische Nutzung ergriffen, wodurch zunächst alle Starlink-Nutzer in der Ukraine Einschränkungen bei der Nutzung erlitten. Durch die dann obligatorische Registrierung der Terminals konnte die Ukraine die Satellitenkommunikation nach einigen Tagen wieder nutzen. Schon damals zeigte der Fall, wie abhängig das Land von US-Unterstützung einerseits und den Entscheidungen einzelner Personen andererseits ist.

Geheimdienstinformationen: Das Frühwarnproblem

 Eine Abhängigkeit, die sich nicht nur bei satellitengestützter Kommunikation, sondern ebenso bei der Versorgung mit Geheimdienstinformationen zeigt. Die Ukraine besitzt selbst keine weltraumgestützte Raketenfrühwarnung. Das Land ist zur Früherkennung von Raketenstarts auf ausländische Geheimdienstinformationen angewiesen – und die kommen in erster Linie aus den USA.

Infrarotsatelliten erfassen die heiße Abgasfahne eines startenden Flugkörpers binnen Sekunden. Diese Daten wurden bisher an die ukrainische Luftverteidigung weitergegeben, die damit ihre Radare und Abfangsysteme auf die Bedrohung ausrichten konnte. Bei ballistischen Raketen vergehen bis zum Einschlag nur wenige Minuten, jede Minute Vorwarnung zählt.

Laut Präsident Wolodymyr Selenskyj habe sein Land bereits die zweite Nacht in Folge keine Warnung vor russischen Raketen erhalten. Nach Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte konnten daher nur vier von insgesamt 39 Raketen abgefangen werden.

Einsatzkräfte des ukrainischen Katastrophenschutzes DSNS untersuchen nachts mit einer Hubarbeitsbühne ein zerstörtes Wohnhaus in Charkiw
Einsatzkräfte des ukrainischen Katastrophenschutzes untersuchen bei einem nächtlichen Rettungseinsatz in der Region Charkiw ein durch einen Angriff schwer zerstörtes Mehrfamilienhaus.
Foto: Präsidialamt Ukraine

Die fehlenden Warnungen sind jedoch nur ein Teil des Problems. Die Abfangquote war zuletzt auch gesunken, da der Bestand an Patriot-Abfangraketen stark gesunken war. Die Systeme sind ebenfalls Bestandteil von westlicher bzw. US-Unterstützung. Eigene Fähigkeiten zum Abfangen ballistischer Raketen wie Freya befinden sich noch in der Entwicklung.

Zuletzt hatte die Regierung Trump Berichten zufolge davor gewarnt, die Zusammenarbeit der Geheimdienste könne eingeschränkt werden, falls Kyjiw die Raffinerieangriffe nicht stoppe. Trump macht diese für steigende Preise bei fossilen Kraftstoffen in den USA verantwortlich, obwohl deren Preisanstieg seine Ursache im US-Krieg mit dem Iran und der Blockade in der Straße von Hormus begründet ist.

Ein Druckmittel – oder beendet Trump die US-Unterstützung endgültig?

Beide Ausfälle der US-Unterstützung – sofern sie tatsächlich von den USA bewusst durchgeführt wurden – sind politischer Natur. Es brodelt einmal mehr zwischen Washington und Kyjiw: die Schuldzuweisung beim Kraftstoffpreis, Trumps Forderung nach einem neuen ukrainischen Präsidenten und die faktische Lockerung der Sanktionen durch den Diesel-Deal mit Russland.

„Es liegt auf der Hand“, schrieb Beskrestnow über die Starlink-Drosselung, „dass diese Maßnahme kein Zufall sein kann und mit der aktuellen politischen Lage zusammenhängt.“

Belege für eine Anweisung aus Washington fehlen jedoch: Weder die US-Regierung noch SpaceX haben sich bislang dazu geäußert. Noch gestern hieß es allerdings aus Washington, man habe zumindest die Geheimdienstzusammenarbeit nicht ausgesetzt, obwohl genau das behauptet wurde. Bisher spricht alles dafür, dass die USA punktuellen Druck auf die Ukraine ausüben möchte, die US-Unterstützung jedoch nicht vollständig begraben will.

Sichtbar wird jedoch einmal mehr die strukturelle Abhängigkeit von Trumps Regierung und den sogenannten „Tech-Bros“. Europäischer Ersatz, den die Ukraine als Alternative nutzen könnte, entsteht nur langsam: OneWeb ist zwar bereits nutzbar in der Ukraine, bisher jedoch nur für Regierungszwecke. Auch für Raketenfrühwarnung gibt es kurzfristig keinen Ersatz – auch wenn europäische Streitkräfte wie die Bundeswehr derzeit daran arbeiten, die eigenen Fähigkeiten im All deutlich auszubauen.

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