Geran-5 K5 – Navigiert Russlands Jet-Drohne jetzt optisch?

Navid LinnemannNavid Linnemann

Ukrainische Beobachter berichteten in den vergangenen Tagen über eine neue Version der Geran-5. Nach ihren Angaben könnte die durch den Einsatz von Jet-Antrieben erhöhte Geschwindigkeit nicht mehr die größte Herausforderung sein: Die Geran-5 K5 soll über optische Navigation verfügen, bei der Kameras einen periodischen Geländeabgleich mit in der Drohne gespeicherten Referenzdaten durchführen. Eine Technik, die auch von Marschflugkörpern wie dem Taurus bekannt ist. Offen ist allerdings, wie zuverlässig das russische System mit dem mutmaßlichen Namen ‚Susanin‘ arbeitet.

Strahlgetriebene Drohne vom Typ Geran mit oben montiertem Triebwerk auf einer stählernen Startrampe im Freien
Ein mit der kyrillischen Aufschrift „Geran-5“ versehene, strahlgetriebene Kamikazedrohne. auf einer Startrampe. Das Bild stammt aus einem Propagandavideo vom Frühjahr 2026.
Screenshot: Russisches Propagandavideo

Der ukrainische Telegram-Kanal „Polkovnyk GSh“ (Oberst des Generalstabs) meldete am 27. September, Russland setze eine veränderte Variante der strahlgetriebenen Einwegdrohne Geran-5 ein, die als ‚Geran-5 K5‘ bezeichnet wurde. Nach dieser Darstellung trägt sie ein elektrooptisches Korrekturmodul nach dem Prinzip DSMAC (Digital Scene Matching Area Correlator) mit sich. Das System vergleicht Kamerabilder des Geländes unter sich mit gespeicherten Referenzbildern. Somit kann die Flugbahn korrigiert werden, ohne sich allein auf Satellitennavigation stützen zu müssen. Die Geran-5 K5 soll außerdem einen veränderten Rumpf besitzen und schneller fliegen als das bisher bekannte Modell.

Offiziell bestätigt ist diese Meldung nicht. Das ukrainische Portal Militarnyi hält fest, dass ukrainische Stellen weder die Bezeichnung K5 noch den Einbau eines Systems zur optischen Navigation bestätigt hätten. Die öffentliche einsehbare Komponentenliste des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR für die Geran-5 nennt lediglich ein störfestere Satellitennavigationssystem (Kometa-M12), eine Trägheitsnavigation, einen Tracker mit Mobilfunkmodems und ein Mesh-Modem. Ein separates DSMAC-System ist dort nicht aufgeführt – seit dem 5. Oktober allerdings als Komponente der Geran-4.

Zwei russische Soldaten programmieren eine Kamikaze-Drohne des Typs Geran-2 für den Start.
Zwei russische Soldaten programmieren eine Kamikaze-Drohne des Typs Geran-2 für den Start.
Foto: Russisches Propagandavideo

Geran-5 K5 – Hinweise aus Russland

Einen indirekten Hinweis auf diese neue Fähigkeit der Geran-5 K5 lieferte bereits einige Tage vor der ukrainischen Telegram-Meldung eine russische Aussage. Der RT-Korrespondent Andrei Filatov sagte am 23. September 2026 gegenüber Gazeta.Ru, es gebe ein System zur Navigation nach der „unterliegenden Oberfläche“ mit dem Namen „Susanin“. Es ermögliche den Geran-Drohnen die Orientierung an der Landschaft unter ihnen. Allerdings nannte Filatov weder die spezifische Geran-Variante noch kategorisierte er das System als DSMAC. Ob „Susanin“ und das gemeldete Modul der K5 dieselbe Konfiguration sind, ist damit nicht belegt.

Optisch Navigieren am Gelände

Das Prinzip des Geländeabgleichs ist beispielsweise von Marschflugkörpern wie dem deutsch-schwedischen Taurus KEPD 350 bekannt. Beim Taurus wird das bildverarbeitende Navigationssystem (Image Based Navigation, IBN) mit Geländereferenznavigation (Terrain Reference Navigation, TRN), Trägheitsnavigation und GPS kombiniert. Diese Kombination macht den Taurus störungsresistenter, eine Eigenschaft, die – sollten sich die Hinweise bestätigen – bald in Teilen auch auf Geran-5-Drohnen zutreffen könnte.

Grafische Illustration einer zylindrischen Geran-Drohne mit geraden Tragflächen, H-Leitwerk und externen Treibstoffbehältern
Schematische Rekonstruktion der Geran-5.
Foto: Verteidigungministerium Ukraine

In Kombination mit dem Jetantrieb der Geran-5 K5 dürfte diese Bedrohung für die Ukraine eine weitere Hiobsbotschaft darstellen. Nach HUR-Angaben erreicht die Geran-5 eine Reisegeschwindigkeit von derzeit 550 bis 600 Stundenkilometern, trägt einen Gefechtskopf von etwa 90 Kilogramm und hat eine Reichweite von rund 950 Kilometern. Dazu kamen störfestere Satellitennavigationsmodule, Mobilfunk- und Mesh-Modems. Ein optisches Navigationssystem würde diese Fähigkeiten der Geran-5 um eine Navigationsebene ergänzen, die nicht von Funksignalen abhängt. Jamming und Spoofing verlören dadurch an Wirkung, soweit die Drohne ihre Position aus dem Gelände korrigieren kann.

Wie leistungsfähig ein solches System ist, hängt jedoch von mehreren Parametern ab. Der Bildabgleich benötigt ausreichende Sicht und Kontrast. Tageszeit, Wolken und Wetter können das Ergebnis stark beeinflussen. Jahreszeit und Geländeart spielen ebenfalls eine Rolle, etwa Schneebedeckung, Laubwechsel oder kontrastarme Flächen wie Felder und Wälder. Hinzu kommen Flughöhe, Auflösung und Sensortyp, also sichtbares Licht oder Infrarot. Entscheidend ist außerdem, wie aktuell die Referenzbilder sind. Rechenleistung und Algorithmen bestimmen, wie schnell und robust der Abgleich läuft.

Ob die Geran-5 K5 tatsächlich ein zusätzliches und robustes Navigationsverfahren erhalten hat oder bisherige Funde lediglich ein frühes Entwicklungsstadium darstellen kann nicht abschließend beurteilt werden. Die auch auf russischer Seite kürzer werdenden Innovationszyklen dürften allerdings dafür sorgen, dass Russland seine Geran-Flotte weiterhin verbessern wird. Optische Navigation als Back-up ist hier eine naheliegende Option.

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