Panzerbrigade 45 „Litauen“ testet erstmals Loitering Munition

Navid LinnemannNavid Linnemann

Erstmals setzt die Panzerbrigade 45 „Litauen“ Loitering Munition bei einer Übung ein. Ab dem 17. November üben rund 3.800 Soldatinnen und Soldaten aus acht NATO-Staaten in Litauen, mit 700 Drohnen, elektronischer Kampfführung und einer Flussüberquerung. Doch damit nicht genug: Auch die Panzergrenadierbrigade 37 verlegt für ihre Übung „Grand Eagle 26“ an die NATO-Ostflanke.

Kampfpanzer Leopard 2 der Bundeswehr mit Tarnnetz-Rahmenkonstruktion auf dem Turm bei einer Übung in offenem Gelände
Ein Kampfpanzer Leopard 2 des Panzerbataillons 203 aus Augustdorf bei der Freedom Shield-Übung im Juni 2026 auf dem Truppenübungsplatz Pabradė.
Foto: Bundeswehr / Mario Bähr

Im Interview mit dem Defence Network hatte der Kommandeur der Brigade 45 „Litauen“, Brigadegeneral Christoph Huber, es bereits erwähnt: Erstmals wird seine Brigade neue Loitering Munition bei einer Übung testen. Erst vor zwei Jahren hatte sich die Bundeswehr überhaupt entschieden, Waffensysteme dieses Typs zu beschaffen. Dabei handelt es sich um Einwegdrohnen, die über einem Zielgebiet „lauern“ und erst bei Aufklärung eines Ziels angreifen.

Mit der anschließenden Beschaffung ging die Bundeswehr zudem einen neuen Weg: Sie beauftragte mit Helsing, Stark und Rheinmetall gleich drei verschiedene Unternehmen, ihre Systeme zu liefern: die Virtus von Stark, die HX-2 von Helsing und die FV-014 Raider von Rheinmetall. Stark verkündete zudem erst gestern, dass man in Litauen einen neuen Standort eröffnet habe, um mit dem eigenen System näher an der Bundeswehr und den litauischen Streitkräften zu sein (Defence Network berichtete). Doch die Brigade 45 wird bei der anstehenden Übung mehr leisten, als nur den Test eines neuen Waffensystems.

Brigade 45: Freedom Shield 26-II

„Die Übung Freedom Shield ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einer voll ausgestatteten, einsatzbereiten und damit kriegstüchtigen Brigade Litauen“, erklärte der Kommandeur der Panzerbrigade 45 „Litauen“, Brigadegeneral Huber. „Sie soll verdeutlichen, dass wir ohne jeden Zweifel unseren Auftrag im Rahmen der 10. Panzerdivision an der NATO-Ostflanke erfüllen werden. Wir üben, um besser zu werden. Innovativ bereiten wir uns konsequent auf die Erfordernisse eines möglichen Kriegsbildes vor.“

Es ist bereits die zweite Übung „Freedom Shield“ in diesem Jahr, bei der sich ab dem 17. November 2026 insgesamt rund 3.800 Soldatinnen und Soldaten beteiligen werden – die bislang größte Gefechtsübung der Bundeswehr in Litauen. Neben dem Einsatz von Loitering Munition geht es in den zehn Tage auch um Gewässerüberquerung mit Schwimmbrücken. Geplant ist, gemeinsam mit niederländischen Pionierkräften über den Fluss Nemunas zu setzen.

Bundeswehr-Soldat steuert im Wald vor einem Leopard 2 einen Quadrokopter per Handbedienteil, im Hintergrund ein getarnter Gefechtsstand
Ein Soldat des Panzerbataillons 203 aus Augustdorf startet in einem Waldstück eine Aufklärungsdrohne während der ersten Freedom Shield-Übung im Juni 2026 der Panzerbrigade 45 „Litauen“ auf dem Truppenübungsplatz Pabradė in Litauen.
Foto: Bundeswehr / Marco Dorow

Auch soll bei Freedom Shield 26-II an sechs Tagen das Gefecht der verbundenen Waffen auf dem Truppenübungsplatz Rūdninkai geübt werden. Neben 700 Drohnen diverser Typen geht es verstärkt auch um den Einsatz elektronsicher Kampfführung.

Unterstützung auch aus Deutschland

Noch hat die Brigade 45 ihre volle Einsatzstärke nicht erreicht. Doch jene Teile, die ab dem kommenden Jahr dauerhaft im litauischen Rūdninkai stationiert sein werden, verlegen schon jetzt für die Übung per Bahn und Schiff ins Baltikum. Namentlich: das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach und Kräfte des Panzerbataillons 203 aus Augustdorf.

An der Übung nehmen zudem die in Rukla stationierte Multinational Battlegroup Lithuania sowie eine litauische Kompanie teil. Laut Aussage der Brigade 45 werden insgesamt acht NATO-Staaten an Freedom Shield beteiligt sein: Deutschland, die Niederlande, Norwegen, die Tschechien, Kroatien, Belgien, Luxemburg und Litauen. Hinzu kommen weitere Verbände und Einheiten der Bundeswehr.

NATO-Ostflanke in Bewegung

Freedom Shield wird in diesem Monat nicht die einzige Bundeswehrübung im Baltikum sein. Während die Brigade 45 übt, macht sich auch die Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ auf den Weg nach Litauen. Ihr Auftrag bei der Gefechtsübung „Grand Eagle 26“ besteht nicht nur darin, das Kämpfen zu trainieren, sondern auch das schnelle Verlegen an die NATO-Ostflanke.

„Wir wollen unter Beweis stellen“, so Oberst Hagen Ruppelt, der Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 37, „dass wir innerhalb weniger Tage in der Lage sind, Truppe mit Gefechtsfahrzeugen aus Deutschland heraus auf dem Luft- und Landweg an die NATO-Ostflanke zu verlegen.“ Neben dem Panzergrenadierbataillons 391 aus Bad Salzungen sind dies vor allem Pioniere aus Gera, Artilleristen aus Weiden in der Oberpfalz sowie Stabs- und Führungskräfte aus Frankenberg/Sachsen.

Die Brigade 37 steht derzeit der NATO als schnell einsatzbereite Brigade zur Verfügung, bis die Panzerbrigade 45 „Litauen“ Ende 2027 voll aufgestellt ist. Beide Übungen werden vor Ort durch die übergeordnete Panzerdivision 10 koordiniert. Insgesamt üben dann rund 6.000 Soldatinnen und Soldaten gleichzeitig in Litauen.

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