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Das Mörsersystem Alakran

Eine Besonderheit zeigt das spanische Unternehmen NTGS bei der Milipol: Den Alakran, ein Mörsersystem für Fahrzeuge. In den USA auch als Scorpion bezeichnet, bietet das System vor allem Schnelligkeit und Unabhängigkeit von Umgebungsbedingungen. Alakran besteht aus dem Rohr, dessen Haltevorrichtung, den Munitionspaketen und dem Feuerleitsystem, das sich mit einem Tablet oder ähnlicher Hardware nutzen lässt.
Mit Alakran präsentiert NTGS auf der Milipol ein adaptierbares Mörsersystem, das auch von leichten 4x4 Fahrzeugen aus genutzt werden kann.
Foto: Dorothee Frank

Das leichte Spezialkräftefahrzeug fährt durch eine steinige Steppe. Es kommt zum Halten, der Fahrer steigt aus. Er zieht das Rohr, das sich auf einer Schiene auf der Ladefläche befindet, nach unten. Dort rastet es dank der Abstellkonstruktion in einen sicheren Stand.

Nun entnimmt der Fahrer eine Patrone aus einem Munitions-Lagerbehälter, bringt sie in das Mörserrohr ein. Ein Mörser ist eine Vorderlader-Steilfeuerwaffe und unterstützt hauptsächlich den Kampf der Infanterie gegen Flächenziele. Dann gibt er auf seinem Tablet die Zielkoordinaten ein und feuert. Da der Mörser nur mittels eines Halte- und Zielarms mit dem Fahrzeug verbunden ist, wird die Wucht des Schusses nicht auf das Fahrzeug, sondern über die Bodenplatte auf den Boden übertragen.

Bei dem Fahrzeug handelt es sich um das leichte Spezialkräftefahrzeug Polaris MRZR-D4. Dieses ist unter der Bezeichnung Leichtes luftlandefähiges Utility Terrain Vehicle (LL UTV) auch bei den Spezialkräften und den Luftlandekräften der Bundeswehr in Nutzung. Die Standard-Konfiguration hat ein Leergewicht von ca. 953 kg und kann je nach Konfiguration zwischen vier und sechs Soldaten aufnehmen. Die Nutzlast des D-4 beträgt 680 kg. Optional kann auch ein Anhänger mit einer Anhängelast von 680 kg angekoppelt werden. Die hintere Stauraumbox (82 x 124,5 x 51,8 cm) kann Gepäck oder Ausrüstung mit einem Gesamtgewicht von 227 kg aufnehmen.

Nach dem Schuss hebt der Fahrer/Schütze das Rohr an und schiebt es wieder zurück auf die Ladefläche. Der ganze Vorgang dauert nur wenig mehr als eine Minute und schon kann sich der Fahrer mit dem Mörsersystem vom Abschussort entfernen. Denn die gegnerische Antwort würde dank moderner Sensoren nicht lange auf sich warten lassen.

Das beschriebene Szenario ist keine Powerpoint-Überlegung, sondern erprobte Realität. Alakran ist in der Ukraine im Einsatz, dort allerdings auf geschützten Fahrzeugen. Ebenfalls nutzen Australien, Indien und Saudi-Arabien das leicht-bedienbare System aus Spanien. Andere Nationen erproben den Mörser, wie etwa die U.S. Marines. Wobei sich jedes einzelne Element nationalisieren lässt. „Sie können jedes Rohr verwenden“, sagte ein Repräsentant von NTGS gegenüber cpm Defence Network. Möglich sind die Kaliber 81mm und 120mm. „In der Ukraine nutzen sie die sowjetische Munition und die sowjetischen Läufe, die sie noch in ihren Beständen hatten.“

Ein weiterer großer Vorteil liegt in der integrierten Haltevorrichtung des Mörserrohrs, wodurch es sich auch auf Straßen nutzen lässt. Es ist mit Alakran nicht notwendig, ein Loch in die Erde zu graben, eine Bodenplatte unterzulegen oder den Untergrund gezielt auszuwählen, um den Mörser einsetzen zu können. Was je nach Jahreszeit in der Ukraine – und vielen anderen Staaten – die Möglichkeiten zur Nutzung auch zu stark einschränken würde.

Mit dem integrierten Kühlmechanismus erlaubt das Mörsersystem bis zu zehn Schuss pro Minute. Und es wurde bereits auf einer Vielzahl von Fahrzeugen integriert. Der einzige Nachteil bei leichten Fahrzeugen ist dabei die Beschränkung in der mitführbaren Munition.

Das wirklich Besondere ist allerdings die Geschwindigkeit. Von der Einnahme der Position – also dem Halt des Fahrzeugs – bis zur Feuerbereitschaft dauert es nur etwa 30 Sekunden. Nachladen oder die Einweisung eines Zieles liegen bei jeweils nur etwa 10 Sekunden. Und das Zusammenpacken für den Stellungswechsel dauert auch nur rund 20 Sekunden. Laut Hersteller ist ein Wirken auf maximal 8.250 Meter möglich. Mit diesem Tempo läuft die Reaktion des Gegners zwangsläufig ins Leere. Geschwindigkeit wird zum neuen Schutz, auch für die Mörsereinheiten.

Dorothee Frank
Das Feuerleitsystem ALK auf einem Tablet.
Foto: Dorothee Frank

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Verwendete Schlagwörter

MilipolMörserPolarisSpezialkräfteUkraine

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