Auf der EUDEX teilt sich Scania seinen Stand mit dem ebenfalls aus Schweden stammenden Hersteller Hammar Maskin AB. Hier dreht sich alles um eine Fahrzeugkombination, deren wahre Bedeutung erst auf den zweiten Blick sichtbar wird: ein Scania-Lkw mit einem massiven Ladearm – dem HAMMAR XXL36. Doch was dieser Seitenlader kann, soll weit über das hinausgehen, was Militärs bislang mit klassischen Hakenladern (Hooklift) gewohnt sind. Der folgende Beitrag erschien zuerst im Show Daily des dritten Messetages.

Hammar entwickelt seit 50 Jahren Seitenlader und liefere sie nach Angaben von Sales Director Lars Gylling Olesen in 126 Länder – Weltmarktführer in diesem Segment. Vor drei Jahren wagte das Unternehmen den Schritt vom rein zivilen Geschäft in den Militärbereich.
„Wir haben schon vorher an rund 20 Militärs verkauft, aber erst jetzt konzentrieren wir uns gezielt auf militärische Anwendungen“, erklärte Olesen am Messestand. Vor zwei Wochen gab es dafür auf der polnischen MSPO einen DEFENDER Award.
Das System: Mehr als Heben und Senken
Der zentrale Unterschied zum herkömmlichen Hakenlader liegt in der Beweglichkeit. Während klassische Systeme Container nur hinter sich auf- und absetzen können, hebt der Hammar-Seitenlader bis zu 36 Tonnen und schwenkt die Last bis zu sechs Meter zur Seite aus. Auf einer schmalen Landstraße lässt sich ein Container so auch über den Straßengraben heben, ohne den Konvoi zu blockieren.

In Feldlagern erlaubt das System zudem das Stapeln von Containern in engen Reihen – ähnlich wie in einem klassischen Logistiklager. Besonders betont der Hersteller die Transferfähigkeit: „Wir können direkt von jedem Anhänger, jedem Lkw oder sogar von Eisenbahnwaggons umladen“, so der Hammar-Vertriebler. Da auch militärische Güter – ob Munition, Treibstoff, Verpflegung oder medizinisches Gerät – zunächst über zivile Speditionen transportiert wird, ist genau diese Schnittstelle zwischen ziviler und militärischer Logistik entscheidend.
Ein verschiebbarer Hilfsrahmen macht das System darüber hinaus zum Bergefahrzeug: Gepanzerte Fahrzeuge bis 30 Tonnen lassen sich mit dem Seitenlader von Hammar anheben und abtransportieren. Zusätzlich kann ein Überkopf-Kranträger montiert werden, mit dem Feldwerkstätten Motoren direkt vor Ort tauschen können, statt Fahrzeuge in den rückwärtigen Raum zu verlegen.

Vom Frontcontainer bis zum Feldlazarett
Ein weiteres Einsatzszenario, das Hammar für seinen Seitenlader hervorhebt, ist das mobile Lazarettkonzept: gepanzerte Sanitätscontainer, die direkt an der Front positioniert und im Bedarfsfall in Minuten ausgetauscht werden. „Wenn ein Verwundeter in den Container gebracht wird, kann sofort ein neuer, einsatzbereiter Container angefordert werden – das rettet Zeit und damit Leben“, so der Hammar-Vertreter.
Da schwer gepanzerte Container naturgemäß hohes Gewicht mitbringen, sei gerade die hohe Zuladung des Systems hierfür entscheidend – ein klassischer Hakenlader mit 16 Tonnen Kapazität stoße hier an seine Grenzen. Gezeigt wird auf der EUDEX ein Prototyp auf Scania-Fahrgestell, der samt Ladearm 28 Tonnen bewegen darf. Laut Hammar lässt sich das System grundsätzlich auch auf andere Trägerfahrzeuge integrieren.

Trotz jahrzehntelanger ziviler Erfahrung ist der militärische Markt für den Hammar Seitenlader noch junges Terrain. „Viele NATO-Staaten wissen noch gar nicht, was wir anbieten“, räumte Olesen ein.
Für kommendes Jahr plant das Unternehmen daher eine breitere Präsenz auf europäischen Messen, inklusive praktischer Vorführungen vor Ort – auch um militärischen Entscheidern die Vielseitigkeit des Systems im Realeinsatz zu demonstrieren. Aktuell kann der Seitenlader von Hammar am Scaniastand in Halle 3, Stand 3A81 begutachtet werden.
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