Dragon 24: Brücke nach Kaliningrad

NATO-Truppen führten gestern im Zuge der Übung Dragon 24 ein Wide Wet Gap Crossing (WWGC) über die Weichsel in Polen durch. Dragon 24 ist Teil der Steadfast Defender-Übungsreihe und trainiert das Queren von Gewässern durch Kampfpanzer, Transportfahrzeuge und anderes Gerät mit amphibischen Brücken- bzw. Übersetzfahrzeugen. Auch die Bundeswehr nimmt an der Übung Dragon 24 Teil.

Querung der Weichsel im Rahmen der Dragon 24
Querung der Weichsel im Rahmen der Dragon 24
Foto: U.S. European Command / Jackie Faye Burton

„Polen spielt als Land an der NATO-Ostflanke eine Schlüsselrolle bei der Abschreckung und Verteidigung des gesamten Bündnisses“, erklärte Generalleutnant Piotr Blazeusz, Erster Stellvertretender Chef des Generalstabs der polnischen Streitkräfte. „Wir sind Host Nation, ein Transitland, aber auch ein Truppen stellendes Land. Polen ist ein verlässlicher Verbündeter und nimmt seine Verantwortung ernst.“

Nach Angaben der NATO sind 15.000 Angehörige der polnischen Streitkräfte sowie 5.000 Soldaten aus neun weiteren NATO-Ländern an der Übung Dragon 24 als einer von 14 Übungen in der ersten Jahreshälfte 2024 beteiligt. Dazu kämen nach Angaben von Generalleutnant Blazeusz rund 2.500 zivile Beteiligte.

Neben der zentralen Fähigkeit zur Flussüberwindung stellt die Übung auch einen Test für die Zusammenarbeit der Streitkräfte zu Land, zu Wasser, in der Luft und im Cyberraum dar. Geübt wurde die Überquerung der Weichsel rund 100 km südlich der Mündung in die Ostsee bei Kwidzyn und weiter südlich über den kleineren Fluss San.

Dragon 24 logischer Schluss aus russischer Aggression

Der Kommandeur des Allied Joint Force Command Brunsum (JFCBS), General Guglielmo Luigi Miglietta, wies auf die sicherheitspolitischen Entwicklungen der letzten zehn Jahre hin. Die aktuelle Übung sei eine wichtige Reaktion darauf und eine Möglichkeit, „um Russland ein klares Signal zu senden, dass das Bündnis entschlossen ist, jeden Zentimeter seines Territoriums zu verteidigen.“

Die Wahl der Weichsel für die Übung Dragon 24 erfolgte wohl auch aufgrund ihrer Nähe zur Suwałki-Lücke, jenem nur rund 60 km breitem Korridor zwischen dem russischen Kaliningrad und Belarus, der die einzige Landverbindung der drei baltischen Staaten zum Rest der NATO bzw. EU darstellt. Es wird allgemein angenommen, dass im Falle eines russischen Angriffs hier ein primäres Ziel läge.

„Es ist wichtig, sich daran zu erinnern“, betonte General Miglietta, „dass wir ein Verteidigungsbündnis sind, das sich auf die Verhinderung von Konflikten und die Wahrung des Friedens konzentriert. Aber ohne Zweifel ist die NATO jederzeit bereit, sich jeder Bedrohung und jedem Gegner zu stellen.“ Das schließe eben die Verteidigung der Suwałki-Lücke mit ein.

Bundeswehr-Beteiligung an Dragon 24

Das Jägerbataillon 91 nimmt ebenfalls an der Übung in Polen teil. Gegenwärtig marschieren rund 700 Soldatinnen und Soldaten mit 200 Fahrzeugen eine 1.600 km lange Strecke bis ins litauische Pabrade. Mit anderen Teilen wie Sanitätern, Pionieren und Aufklären zusammen sollen die Jäger dabei zu einem Gefechtsverband der Mittleren Kräfte aufwachsen und die Verlegung an die NATO-Ostflanke über Straße üben.

Im Rahmen der Übung Dragon 24 verlegt das Jägerbataillon 91 über Land von Deutschland über Polen bis nach Litauen Bundeswehr:Marco Dorow
Im Rahmen der Übung Dragon 24 verlegt das Jägerbataillon 91 über Land von Deutschland über Polen bis nach Litauen Bundeswehr:Marco Dorow
Foto: Bundeswehr / Marco Dorow

Nach der Übung Dragon 24 folgen unter dem Dach von Steadfast Defender 2024 weitere Übungen in Rumänien, Ungarn, Deutschland, Estland, Lettland und der Slowakei, bei denen 90.000 Soldatinnen und Soldaten der NATO gemeinsam üben sollen.

Mit Blick auf dieses effektive transatlantische Vorgehen stellte General Miglietta fest: „Die Zusammenarbeit zwischen den Bündnismitgliedern, ihren Streitkräften und der unglaubliche zivile Beitrag, der zu ihrer Verwirklichung geleistet wurde, sind das wahre Markenzeichen der NATO. Die einzelnen NATO-Länder sind stark. Gemeinsam sind wir stärker und bilden das größte Militärbündnis der Menschheitsgeschichte.“

Navid Linnemann

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