In der modernen Kriegsführung hat der Einsatz unbemannter Systeme eine grundlegende Veränderung der operativen Abläufe bewirkt. Diese Systeme dienen nicht mehr allein der Durchführung koordinierter Angriffe, sondern sind zunehmend für die logistische Versorgung und Unterstützung der eingesetzten Truppen von entscheidender Bedeutung.
Einsatzspektrum unbemannter Systeme
Die Militärpolizei der Bundeswehr integriert diese Technologien systematisch in ihr eigenes Aufgabenspektrum und erweitert damit die Fähigkeiten zur Unterstützung der Streitkräfte. Unbemannte Systeme werden fortlaufend für die Erstellung eines Echtzeitlagebildes genutzt, das eine dislozierte und ressourcensparende Erkundung sowie eine Aufklärung in zuvor nicht realisierten Umfängen ermöglicht. Informationen können so gewonnen werden, ohne eigenes Personal einem unmittelbaren Risiko auszusetzen.
Neue Aufgabenschwerpunkte
Die Unterstützungsleistungen unbemannter Systeme für die Kampftruppe sind vielfältig. Mit der Schwerpunktsetzung auf die Landes- und Bündnisverteidigung entstehen neue Aufgaben, die über die Einsatzszenarien des internationalen Krisenmanagements der vergangenen Jahre hinausgehen. Für militärpolizeiliche Kräfte bedeutet dies, sämtliche Kernaufgaben skalierbar, vernetzt, interoperabel und durchhaltefähig zu planen. Dazu gehören die Erkundung von Marschstraßen unter Einbindung militärpolizeilicher Aspekte, der Aufbau eines Verkehrsleitnetzes, die Kontaktaufnahme mit Polizeien und medizinischen Einrichtungen sowie die Unterstützung multinationaler Streitkräfte bei der Drehscheibenfunktion Deutschlands. In der praktischen Umsetzung zeigt sich deutlich, wie moderner technologischer Fortschritt die Effizienz steigern kann.
Erkundungsaufgaben unbemannter Systeme
Die Erkundung eines Verkehrsleitnetzes war früher mit erheblichem Personalaufwand verbunden. Feldjägerstreifen mussten die Marschstrecken abfahren, bewerten und ihre Erkenntnisse in eine Gesamtlage einordnen. Mit der Einführung digitaler Führungs- und Informationssysteme wurde die Aufzeichnung zwar erleichtert, die Militärpolizei blieb jedoch weiterhin personell stark in die Erkundung gebunden. Heute stehen unbemannte Luftfahrzeuge zur Verfügung, die Erkundungsaufgaben über mehrere Dutzend Kilometer aus der Luft durchführen können. Umgehungsstrecken sind schneller und präziser erkennbar, und die Befahrbarkeit von Straßenabschnitten lässt sich ebenso aus der Luft beurteilen, wie Größe, Lage und Beschaffenheit möglicher Verfügungsräume. Fragen nach Geländedeckung, Tarnmöglichkeiten und Raumausnutzung können innerhalb kürzester Zeit beantwortet werden. Die Effizienzsteigerung durch die Nutzung dieser Systeme ist erheblich.
Drohneneinsatz: Zeit- sowie Ressourceneinsparung
In einer kriegerischen Auseinandersetzung steigt der Wert unbemannter Systeme deutlich an. Während des Betriebs eines Verkehrsleitnetzes kann ein unbemanntes Luftfahrzeug gefährdete Punkte überwachen, Veränderungen an der Marschstraße unmittelbar erfassen und die gewonnenen Daten softwaregestützt auswerten. Auf diese Weise lässt sich Personal schützen und gleichzeitig einsparen, ohne dabei Effektivität einzubüßen. Aus diesem Grund wurde die Drohnentechnologie seit Anfang 2025 schrittweise in das Aufgabenfeld der Militärpolizei integriert. Die Anforderungen an die Systeme sind ebenso hoch wie jene an das Bedienpersonal: Sie müssen robust und flexibel sein sowie jederzeit und an jedem Ort zuverlässig eingesetzt werden können. Insgesamt stehen drei Systeme zur Verfügung, die für Aufklärung und Erkundung genutzt werden und den aktuellen Anforderungen entsprechen.
Aufklärungssysteme RABE und BLACK HORNET
Für die bodengebundene Aufklärung in urbanem Umfeld wird ein unbemanntes Bodenfahrzeug namens RABE eingesetzt, das ein Echtzeitlagebild im Nächstbereich erzeugt. Dieses System wird bei Durchsuchungs- und Zugriffsoperationen genutzt und ermöglicht es, Objekte nach Straftätern und Beweismitteln zu durchsuchen, bevor eigene Kräfte in ein Gebäude eindringen. Es kann durch Fensteröffnungen verbracht werden, verfügt über eine ausgeprägte Steigfähigkeit und ist mit mehreren Kameras ausgerüstet, sodass auch Treppen und kleinere Hindernisse keine Einsatzbeschränkung darstellen. Für den unmittelbaren Nahbereich aus der Luft eignet sich die Miniaturdrohne BLACK HORNET, die durch ihre sehr geringe Größe und Geräuschentwicklung nahezu unbemerkt operieren kann. Mit einer Flugzeit von etwa dreißig Minuten und einer Echtzeitübertragung der gewonnenen Bilder an ein mobiles Endgerät ist sie besonders wertvoll für den Personenschutz im Gebäudeinneren. Sie erlaubt es, Räume zu erkunden, Gefahren zu erkennen und Beobachtungslücken zu schließen, ohne Aufmerksamkeit zu erregen.
Aufklärungssystem FALKE
Für großflächige Operationen nutzt die Militärpolizei zukünftig das System FALKE, das die weiträumige Aufklärung ermöglicht. Es verfügt über eine Flugzeit von bis zu drei Stunden, kann Strecken autonom abfliegen und liefert auch bei widrigen Bedingungen umfassende Echtzeitdaten. Diese eignen sich insbesondere für die Bewertung von Marschstraßen, die Beurteilung kritischer Infrastruktur und die Lagefeststellung in ausgedehnten Einsatzräumen. Durch die direkte Einspeisung der Informationen in digitale Führungs- und Informationssysteme entsteht ein gemeinsames Lagebild, das die Koordination militärischer Maßnahmen erleichtert.
Drohnenausbildung in Hannover
Mit der Einführung neuer Technologien geht die Entwicklung angepasster Taktiken, Techniken und Verfahren sowie ein entsprechender Ausbildungsbedarf einher. Die Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr (SFJg/StDstBw) in Hannover folgt hierzu einem Modell aus drei Säulen. Die erste Säule bildet die Befähigung zur Ausbildung von Piloten und Multiplikatoren. Dies wurde erreicht durch die Zertifizierung als hierfür befähigte Ausbildungseinrichtung. Mit dem Schritt der Zertifizierung ist die SFJg/StDstBw in der Lage, eigenverantwortlich Lehrgänge für Drohnenpiloten anzulegen, durchzuführen und Drohnenflüge unter den gesetzlichen Rahmenbedingungen eigenverantwortlich zu steuern. Die zweite Säule bildet die Entwicklung der Befähigung zum Drohneneinsatz zu einer querschnittlichen „Jedermannfähigkeit“. Die Verwendung von unbemannten Systemen soll der Normalzustand werden, um die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten unkompliziert und effektiv nutzen zu können. Dazu ist die Integration von Drohnen in jede geeignete Ausbildung erforderlich. Ziel ist es, dass jede Soldatin und jeder Soldat der Feldjäger befähigt ist, ein entsprechendes System zu bedienen, was durch eine Abbildung der Befähigung in der Laufbahnausbildung erreicht werden soll. Die dritte Säule ist die Entwicklung von Taktiken, Techniken und Verfahren. Hierzu wurde mit dem Übungszentrum Feldjäger der Bundeswehr ein „Kompetenzzentrum Drohne“ eingerichtet. Dieses wirkt gemeinsam mit allen Dienststellen des Aufgabenbereiches, um die vielfältigen Erfahrungen und Innovationen zu standardisieren und so für alle nutzbar sowie kompatibel zu machen.
Bedeutung von Multiplikatoren
Die Qualifikation von Multiplikatoren spielt dabei eine besondere Rolle, denn diese bilden die erforderliche Kompetenz im Realeinsatz, in der Truppenausbildung und in Übungen ab. Die bereits beschriebenen drei Säulen führen insgesamt zu einer stetigen Anpassung und Weiterentwicklung der Einsatzgrundsätze sowie -optionen für moderne Systeme, zu einer praxiserprobten Stanadisierung und damit einhergehend zu Kompatibilität im nationalen sowie internationalen Umfeld.
Zusammenarbeit mit BOS
Neben militärischen Anforderungen sind auch zivile Aspekte zu berücksichtigen. Die Militärpolizei ist der Ansprechpartner für zivile Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Deshalb müssen Verfahren entwickelt werden, um gemeinsame Lagebilder zu erstellen und die Zusammenarbeit vor Ort zu koordinieren. Mit den technischen Möglichkeiten gehen rechtliche Herausforderungen einher. Die Gesetzgebung zum Betrieb unbemannter Luftfahrzeuge ist komplex und wurde durch europäische Regelungen weiter verschärft. Genehmigungsverfahren für Flüge außerhalb der Sichtweite sind zeitaufwendig und erfordern eine enge Abstimmung mit Luftfahrtbehörden, die Beachtung von Datenschutzbestimmungen und die Berücksichtigung von Flugbeschränkungszonen. Der Umgang mit sensiblen Daten über Zivilpersonen und zivile Infrastruktur muss klar geregelt und durch entsprechende Verfahrensanweisungen sowie eine sorgfältige Ausbildung des Personals abgesichert werden.
Zukünftige Ansätze
Die Feldjäger arbeiten eng mit den zuständigen Genehmigungsstellen zusammen, um einen rechtskonformen Betrieb sicherzustellen und die vollständige Integration unbemannter Systeme in ihr Aufgabengebiet weiter voranzutreiben. Die Weiterentwicklung endet jedoch nicht mit der Bewältigung bestehender Herausforderungen. Zukünftige Ansätze umfassen die verbesserte Einbindung in moderne Führungs- und Informationssysteme, um längere Meldewege zu vermeiden und in Echtzeit ein gemeinsames Lagebild zu erhalten. Zudem eröffnet die Nutzung künstlicher Intelligenz neue Möglichkeiten, da automatisierte Mustererkennung die Identifikation von Gefahrenstellen, Hindernissen oder verdächtigen Objekten beschleunigen könnte. Trotz der zahlreichen technischen Chancen bleibt es jedoch entscheidend, Verfahren so abzustimmen, dass die Unterstützung der Truppe im Mittelpunkt steht.
Text: Autorenteam des Kommando Feldjäger der Bundeswehr
Mit WhatsApp immer auf dem neuesten Stand bleiben!
Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal, um die Neuigkeiten direkt auf Ihr Handy zu erhalten. Einfach den QR-Code auf Ihrem Smartphone einscannen oder – sollten Sie hier bereits mit Ihrem Mobile lesen – diesem Link folgen:












