Electronic Warfare – zentrale Lehre aus der Ukraine

Wer den elektromagnetischen Raum nicht beherrscht, verliert Führungsfähigkeit. Gestörte Kommunikation, lahmgelegte Drohnen, manipulierte Navigation – Electronic Warfare ist längst keine Unterstützungsfunktion mehr, sondern eine Grundvoraussetzung moderner Gefechtswirksamkeit. Auf Einladung von Dr. Christian Hübenthal, Lagebild Sicherheit, fand genau dazu jüngst ein intensives Gespräch Statt, an dem Nico Lange, Senior Fellow der Münchener Sicherheitskonferenz und Gründer des Think Tanks IRIS und Sven Heursch, Chief Digital Officer der HENSOLDT AG mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Bundeswehr und Medien diskutierten.

Electronic Warfare – zentrale Lehre aus der Ukraine.
Electronic Warfare eine abstrakte, KI-generierte Grafik.

Die Bedeutung elektronischer Kampfführung (Electronic Warfare) wurde im Gespräch explizit als direkte Lehre aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine herausgestellt.

Einige beobachtete Entwicklungen, welche aus der Diskussion abgeleitet wurden, können zusammenfassend als intensive Nutzung von Störmaßnahmen gegen Kommunikation und Drohnen, als gezielte Beeinflussung von Navigation (z. B. GPS-Störung) und enge Verzahnung von Aufklärung, Wirkung und elektronischer Kampfführung benannt werden.

Diese Punkte entsprechen verbreiteten Analysen westlicher Militärbeobachter und Think Tanks zur Kriegsführung in der Ukraine (u. a. zur Rolle von EW im Drohnenkrieg und bei der Störung von Führungsnetzen).

Electronic Warfare – Operative Schlussfolgerung für NATO und Deutschland

Electronic Warfare ist nicht mehr unterstützend, sondern eine zentrale Voraussetzung für Führungsfähigkeit und Gefechtswirksamkeit.

Ohne Schutz eigener Kommunikation ist keine stabile Führung zu erwarten, ohne Störung gegnerischer Systeme keine Informationsüberlegenheit und ohne EW keine wirksame Drohnenabwehr. Damit wird EW zu einem querschnittlichen Schlüsselfaktor moderner Kriegführung.

Der Ukraine-Krieg zeigt nach Einschätzung der Diskussion ebenfalls einen hohen Munitionsverbrauch, einen kontinuierlichen Bedarf an Ersatzsystemen und die Notwendigkeit schneller industrieller Skalierung. Eine leistungsfähige Streitkraft ist ohne dauerhaft verfügbare industrielle Kapazitäten nicht durchhaltefähig.

Für Deutschland bedeutet das den notwendigen Ausbau industrieller Kapazitäten, eine langfristige Produktionsplanung und eine deutlich engere Verzahnung zwischen Staat und Industrie, wobei es hier schon Fortschritte zu verzeichnen gibt.

Ein weiterer „Lesson Learned“-Aspekt der Electronic Warfare betrifft die Bedeutung digitaler Vernetzung. Es zeigt sich, dass eine schnelle Verfügbarkeit von Lageinformationen über Erfolg entscheidet. Ferner ist die Integration von Sensoren, Drohnen und Wirkungsmitteln entscheidend. Defizite bei der NATO und in Deutschland sind nach wie vor fragmentierte Systeme und eine eingeschränkte Interoperabilität.

Beschaffung im Rechtsstaat – strukturelles Spannungsfeld

Neben den operativen Erkenntnissen wurde ein zusätzlicher Engpass identifiziert: Der deutsche Rechts- und Beschaffungsrahmen, der geprägt ist durch vergaberechtliche Verfahren, einer vor allem parlamentarischen Kontrolle und langwierigen, umfangreichen Dokumentations- und Prüfpflichten.

Diese Elemente erfüllen zentrale rechtsstaatliche Funktionen und sind nicht grundsätzlich infrage gestellt. Jedoch kosten sie Zeit. Nach Darstellung der Diskussionsteilnehmer führen diese Rahmenbedingungen daher zu langen Beschaffungszyklen. Dies geht einher mit einer eingeschränkten Reaktionsfähigkeit und Verzögerungen bei der Einführung neuer Technologien.

Diskussion zeigt: mehrere Faktoren wirken zusammen

Electronic Warfare als Lehre aus der Ukraine bestimmt die Gefechtsfähigkeit, digitale Führungsfähigkeit entscheidet über die Reaktionsgeschwindigkeit, verlässliche und breit aufgestellte Rüstungsproduktion sichert die Durchhaltefähigkeit und Beschaffungsprozesse bestimmen die Geschwindigkeit des Fähigkeitsaufbaus.

Firmen wie die HENSOLDT AG bieten bereits praktikable Lösungen im Bereich EW an und weisen auf pragmatische Lösungen hin. Diese Faktoren sind eng miteinander verknüpft und verstärken sich gegenseitig.

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