Im Juni ist es erneut so weit, der alle zwei Jahre stattfindende europäische Wettbewerb für Militärroboter, die ELROB, wird ihre Tore öffnen. Austragungsort ist in diesem Jahr der Waffenplatz Thun, den das Schweizer Bundesamt für Rüstung armasuisse als Gastgeber gemeinsam mit der Schweizer Armee zur Verfügung stellt. An vier Tagen müssen dann Teams die tatsächliche Tauglichkeit ihrer Systeme im direkten Vergleich mit den Robotern anderer Hersteller und Entwickler unter Beweis stellen.
Im Rahmen der ELROB 2026 wird auf dem Waffenplatz Thun eine eigene Zeltstadt entstehen, in der die Unternehmen, Ingenieure, Entwickler und Wissenschaftler ihre Roboter auf die schwierigen Szenarien vorbereiten. Der Gewinn eines der Szenarios der ELROB ist dabei ein Gütesiegel, das in ganz Europa Anerkennung findet. Entwickelt wurden die Szenarien durch ein Team um Dr. Frank E. Schneider vom Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE.
„Die Teilnehmerplätze waren höchst begehrt und bereits Ende Januar restlos vergeben: 20 internationale Teams – und damit so viele wie noch nie – stellen sich Mitte Juni beim European Land Robot Trial (ELROB) einem der weltweit anspruchsvollsten Leistungsvergleiche militärischer Robotik“, berichtet das FKIE zum aktuellen Anmeldestatus.
Der viertägige Wettbewerb orientiert sich an den Hauptdisziplinen Aufklärung, Maulesel sowie Search & Rescue (SAR), wobei rund ein Dutzend Teams in diesem Jahr alleine in der Kategorie „Maulesel/Transport“ an den Start gehen. Dieses große Interesse erklärt Dr. Schneider mit dem hohen Realitätsanspruch und der engen Orientierung am aktuellen Bedarf der Streitkräfte. Dr. Schneider betont: „Der Transport von Personal und Material ist ein essenzieller Bestandteil militärischer Operationen. In feindlichen Umgebungen ist das jedoch eine gefährliche und anspruchsvolle Aufgabe, sodass hier vermehrt UGV zum Einsatz kommen.“
Im vergangenen Wettbewerb in Trier konnte 2024 das UGV Ziesel von Diehl Defence den ersten Platz in der Disziplin Maulesel (Mule) für sich gewinnen, während Rheinmetall mit seinem Vorhaben „Interoperable Robotic Convoy“ (InterRoC) den ersten Platz in der Kategorie „Automatisierter Konvoi“ gewann.
Internationale Militärroboter bei der ELROB
„Es ist in diesem Jahr ein besonders spannendes Teilnehmerfeld“, führt Dr. Schneider mit Blick auf die Anmeldeliste aus. „Eine interessante Mischung aus etablierten Teams, die wir bereits von vorherigen Veranstaltungen kennen, und solchen, die zum allerersten Mal bei der ELROB dabei sind.“ Zu letzteren zählt er beispielsweise Team Łukasiewicz-PIAP aus Polen oder die beiden deutschen Teams GAP und FENRIDE. Aus den Niederlanden, Tschechien, Österreich und der Schweiz reisen weitere Teilnehmer nach Thun, gleich zwei Teams kommen in diesem Jahr sogar eigens aus Kanada zur ELROB.
Der Veranstalter betont, dass der Platz in Thun für diese Tests der Militärroboter besonders prädestiniert sei. „Der Waffenplatz ist nicht nur der älteste, sondern mit rund 6,5 Quadratkilometern auch der größte seiner Art in der Schweiz“, so das FKIE. „In seiner Mitte entsteht für die Teilnehmer eine große Zeltstadt, in der sie an ihren Robotern und Drohnen rund um die Uhr programmieren, schrauben und nachjustieren können.“
Die letzte ELROB hatte vor zwei Jahren in Trier stattgefunden, da das Gastgeberland dank einer trilateralen F&T-Kooperation zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz für jede ELROB wechselt. Auch in Belgien (2011 und 2018) sowie Polen (2014) fand der Wettbewerb für Militärroboter bereits statt.
Für den diesjährigen ELROB-Gastgeber Dr. Thomas Rothacher, Leiter von armasuisse Wissenschaft und Technologie sowie stellvertretender Rüstungschef der Schweiz, ermöglicht die grenzüberschreitende Zusammenarbeit „einen wertvollen Erfahrungs- und Wissensaustausch“. Gleichzeitig biete die Veranstaltung „eine einzigartige Möglichkeit, Robotiktechnologien in militärischen Einsätzen zu testen und damit die sicherheitsrelevante Robotikforschung zwischen Industrie, Hochschulen und nationalen sowie internationalen Partnern zu stärken“.
Ständig neu gestaltete Szenarien
Details zu den Szenarien verrät das Team der ELROB nicht noch nicht. Nur so viel wurde bekannt gegeben: Es fehle dieses Mal das urbane Umfeld. Gebäude oder sonstige Bauwerke gebe es nicht zu erkunden. Für die Aufgaben brauche es andere Ansätze und Lösungen, die dann von einer international besetzten Jury unter Leitung des renommierten Robotikexperten Prof. Dr. Henrik I. Christensen bewertet werden.
„Die Anforderungen an die Robotik steigen zusehends“, so ELROB-Initiator Dr. Schneider. „Und wir tragen dem mit ständig neu gestalteten Szenarien Rechnung.“ Ihn freue besonders das heterogene Teilnehmerfeld aus Forschung, Universitäten und Industrie. Dr. Schneider betont: „Das zeigt einmal mehr, dass die ELROB ihrem Anspruch, Anwender, Forschende und Auftraggeber zusammenzubringen, mehr als gerecht wird.“
Gespannt bleiben also die Szenarien und dann Gewinner der kommenden ELROB abzuwarten, die 15. bis 19. Juni 2026 auf dem Waffenplatz Thun in der Schweiz stattfinden wird. Weitere Informationen gibt es auf der Page des Veranstalters.
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