Schon lange werden Plattformen von Volkswagen (VW) in verschiedenen Streitkräften genutzt. Bisher wurden allerdings VW-Plattformen von Aus- und Umrüstern bestellt und nach Kundenanforderungen angepasst. Es entstanden sogenannte “handelsüblich mit militärischer Sonderausstattung” (hümS) bzw. hümS gl (geländegängig). Ein sehr geschätztes und weitverbreitetes ist der T5/T6 Transporter von Volkswagen („Widder“).
Über die hümS-Flotte soll die Wirtschaftlichkeit mit Geländegängigkeit bzw. militärischen Fähigkeitsforderungen verbindet. Die Fahrzeuge erhalten ihre Ausstattung dann durch Spezialfirmen, z. B. Freytag Karosseriebau oder INTAX, etc., Modifikationen wie Funkgeräte, Tarnbeleuchtung, spezielle Sitze und Außenlackierung in Militärgrün. Dabei wird die Karosserie bzw. das Chassis kaum angepasst. Ein zentrales Konzept ist die hundertprozentige Rückrüstbarkeit der Fahrzeuge, was ein kostengünstiges Leasing über die BwFuhrparkService GmbH ermöglicht.
Volkswagen bietet Military Vehicle an
Anlässlich der Enforce Tac bietet VW jetzt die beiden Fahrzeuge Military Vehicle (MV) MV.1 und MV.2 an. Laut Volkswagen soll es in Zukunft noch einen MV.3 geben, auf Basis des VW Transporters vermutlich.
Das MV.1 ist praktisch der AMAROK 2.0 und das MV.2 ein militärischer Crafter. Aber anderes als die bisherigen Modelle handelt es sich hier nicht mehr um hümS-Fahrzeuge, sondern militärisch angepasste Fahrzeuge. Diese haben mit den Zivilfahrzeugen am Ende kaum noch etwas zu tun, außer dem äußeren Erscheinungsbild. Sie werden auch eine eigene (militärische) Zulassung benötigen, gegebenenfalls mit entsprechenden Ausnahmegenehmigungen. Das fängt bei der Motorisierung – mit Multifuel-Fähigkeit und EURO 3 – an und hört bei anderen Merkmalen auf.
Dreh- und Angelpunkt für Volkswagen wird hier das Werk in Osnabrück sein. Dabei handelt es sich bisher um ein spezialisierter Mehrmarken-Standort der Volkswagen AG, der als Kompetenzzentrum für Cabriolets, Roadster sowie Klein- und Kleinstserien fungiert. Rund 2.300 Beschäftigte produzieren dort komplexe Fahrzeuge für Marken wie Porsche, VW, Skoda und Bentley. Das Werk von Volkswagen ist auf Nischenmodelle und geringe Stückzahlen spezialisiert, die eine hohe Flexibilität erfordern, inklusive Entwicklung, Simulation und Bau von Erprobungsträgern. Die Spezialisierung auf Klein- und Kleinstserien mit der damit verbundenen Flexibilität spielen den angedachten Fahrzeugen in die Karten. Das von Volkswagen auf der Enforce Tac gezeigte MV.1 wurde als konzeptfahrzeuge dort in nur vier Monaten aufgebaut.
Der MV.1 (AMAROK 2.0) ist das erste „Military Vehicle“, von Volkswagen spezifisch für den militärischen Einsatz entwickelt. Der MV.1 folgt dem Prinzip, ein robustes Grundfahrzeug mit klar definierten Schnittstellen bereitzustellen, das sich flexibel an unterschiedliche Missionsprofile anpassen lässt, so VW bei der Vorstellung. Der modulare Ansatz soll zugleich eine Steigerung von Diskretion, Schutz und operativer Kontrolle bieten.
Beim MV.1 wurde die Struktur, die Elektronik (unabhängige 12V & 24 V-Anlagen, inklusive Kontrolle), mehrere Batterien, neue Mittelkonsole (aus Alu, nicht mehr aus Plastik), etc. nach militärischen Vorgaben angepasst. So wird die Mittelkonsole zur Anbindung der Funkausstattung sowie der geforderten Laptops (z.B. für Battele Management System).
Das Flatbed, Volkswagen bezeichnet dieses als Modulare Missions Platform (MMP), ist modular aufgebaut und kann auf diese Weise schnell und einfach entsprechende Rüstsätze bzw. den Modularen Missions Baukasten (MMB) aufnehmen. Diese können vor Ort – im Feldlager – durch die Nutzer selbst getauscht werden. Eine schnelle und flexible Anpassung für verschiedenen Missionen ist damit möglich. Die MMP ist die Grundlage für die unterschiedlichen Pritschen- und Aufbaulösungen und kann bei Bedarf auch verlängert und/oder verbreitert werden, um noch mehr Nutzlast bzw. größere Rüstsätze aufnehmen zu können. Das MMP verfügt über ein Schienensystem für eine individuelle Ladungssicherung. Auf der Messe war das MMB zum Transport eines Quads für den Spezialkräfteeinsatz ausgelegt. Unter dem Flatbed sind zudem Transportschubladen für die Mitnahme weiteren Materials angebracht.
Die hintere Stauraumschublade lässt sich sehr lange ausziehen und kann damit auch größere/längere Gegenstände mitführen. Es handelt sich um einen Schwerstlastauszug für bis zu 250 kg. Seitlich können bei Bedarf Taschen und Rücksäcke angehängt werden. Auch gibt es einen 24 V-Stromaußenanschluss zur Versorgung von Nutzlasten, Fahrzeugen (Nachladen) und Sensoren. Eine 230 V-Versorgung ist in Planung. Das Energiemanagement ist flexibel nutzbar. Mit der zusätzlichen Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) steht eine zuverlässige Energieversorgung mit 24 V und 230 V zur Verfügung. Das ermöglicht den Betrieb der Missionsmodule mit bis zu 6 kW.
Damit wird das Fahrzeug auch für Polizei- und Feuerwehrkräfte geöffnet, da entsprechende Rüstsätze ebenfalls genutzt werden können.
Das Fahrzeug verfügt über zwei unabhängige Stromsysteme in 12 V und 24 V sowie eine Komplettausstattung mit Tarnlicht der modernsten Generation des Anbieters D.E.S. Defense (Diederich Engineering Systems). Die neu entwickelte Mittelkonsole beinhaltet die notwendige Technik, um Funksysteme und Laptops anzuschließen und zu versorgen. Zudem kann sie zum Anschluss weiterer Peripheriegeräte genutzt werden. Das Fahrzeug besitzt entsprechende Not- und Blackout-Schalter sowie einen Kill Switch für die Elektrik, aber auch für die Übersteuerung von Assistenzsystemen und des Antriebes. Der Blackout-Schalter ermöglicht den Betrieb ohne sichtbaren Lichtemissionen und unterstützt die visuelle Tarnung durch ein vollständiges taktisches Infrarot-Tarnlicht.
Ergänzt wird diese Option durch den sogenannten Stealth-Modus. Dieser erweitert die Fähigkeiten um eine Reduzierung der elektromagnetischen, akustischen und thermischen Signatur. Dieses soll ein Agieren auch in besonders aufklärungsrelevanten Einsatzumgebungen ermöglichen.
Für spezialisierte Einsatzszenarien erlaubt das Fahrzeug zudem die situationsabhängige Deaktivierung von Fahrassistenzsystemen und Airbags. So wird die uneingeschränkte Fahrzeugkontrolle auch außerhalb standardisierter Betriebszustände sichergestellt.
Auch hat das Fahrzeug militärische Sitze erhalten. Die hintere Bank mit drei Sitzen ist zwei Einzelsitzen gewichen. Vorne und hinten sind jeweils Winden von W-ARN mit 3,6-Tonnen-Zugkraft verbaut, wobei die hintere noch angepasst und anders positioniert werden soll. Das Fahrzeug verfügt auch über eine Anhängerkupplung, um weitere Nutzlasten per Anhänger mitzuführen. Mit der Winde können unter Umständen diese Nutzlasten auch auf den Anhänger gezogen werden. Ein weiteres Ausstattungsmerkmale sind die Notlaufreifen, ein Dachträger sowie ein massiver und kompletter Unterbodenschutz – für Motor, Getriebe, Tank und Differentiale. Hinzu kommen Verzurrmöglichkeiten auf der Motorhaube (Tarnnetzt, etc.), Außenluftansaugung, vier Luftverlastösen, vier Bergeösen, ein Performance-Fahrwerk (40 mm und mit verstärkten Querlenkern), Mud-Terrain-Bereifung, Fremdstartpunkte außen (12 V), seitlicher Schwellschutz sowie ein zusätzlicher Rammschutz/Metallstoßfänger vorne.
Angetrieben wird der Volkswagen MV.1 durch einen TDI V6 mit 3 Litern. Der Antrieb wird mit einer 10-Gang-Automatik kombiniert. Das Fahrzeug ist allradangetrieben und hat einen Radstand von 3.270 mm bei einer Länge von 5.700 mm (ohne Anhängerkupplung und Winde) und einer Breite von 1.950 mm. VW gibt die Wattiefe mit ≥ 800 mm an. Das zulässige Gesamtgewicht ist verwendungsspezifisch.
MV.2 von Volkswagen
Der MV.2 ist laut Volkswagen der mobile Einsatzraum für militärische und taktische Spezialanforderungen. Er basiert auf dem VW Crafter. Mit seinem großen und flexiblen Innenraumvolumen bietet er ideale Voraussetzungen für vollwertige mobile Arbeitsbereiche, von der Führungs- und Leitstelle über medizinische bis hin zu logistischen Lösungen, oder einen flexiblen Truppentransport. Und das für Militär und Polizei. Und wenn das Fahrzeug nicht grün oder blau angestrichen ist, dann fällt es im täglichen Straßenverkehr von außen kaum auf.
Der MV.2 wird angetrieben durch einen kraftvollen 2.0 TDI (130 kW, geeignet für F34 Jet-Fuel-Betrieb) mit Allradantrieb und 6-Gang-Automatik. Das Fahrzeug hat einen Radstand von 3.640 mm, eine Länge von 5.986 mm (ohne Anhängerkupplung und Winde), eine Breite von 2.040 mm sowie eine Höhe von 2.400 mm (ohne Dachaufbauten). Dank Vierradantrieb und erhöhter Wattiefe erlaubt es eine dynamische Offroad-Mobilität.
Der Innenraum des Volkswagen ist modular aufgebaut und nimmt die MMBs auf. Ansonsten ist die Auslegung sehr ähnlich dem des MV1, mit Stealth-Modus, Blackout-Schalter, Abschaltung Assistenzsystem und Airbags, Kill-Switch, taktischem Tarnlicht, Seilwinden, Fremdstartpunkten, Außenluftansaugung, vier Bergeösen, Mud-Terrain-Bereifung, kompletter Unterfahrschutz, Anhängerkupplung sowie ein Elektrisches System mit 12 V, 24 V sowie 230 V. Hinzu kommen zusätzliche Abdeckungen für die Scheiben und Scheinwerfer und das Verdunkelungspaket zu ergänzen. Optional sind laut VW Tablet-Arbeitsplätze, modulares Sitzkonzept, etc. Die Elektro-Motorräder oder -Quads können über das MBB bei der Mitnahme geladen werden.
MMP & MMB
Die Modulare Missions Plattform (MMP) von Volkswagen dient der schnellen Anpassung des Grundfahrzeuges an wechselnde Einsätze, und steigert damit die Flexibilität und Effizienz – nicht nur im Bereich Logistik und Transporte. Das MMP ist die Verbindung zwischen dem Grundfahrzeug und dem Modularen Missions Baukasten (MMB).
VW hat bereits schon eine ganze Reihe an Varianten des MMB entwickelt bzw. angedacht. Auf der Enforce Tac bzw. im VW-Prospekt werden alleine fünf Versionen vorgestellt.
So können MV.1 und MV.2 das Rescuemodule (RSQ), das Trooptransportmodule (TTM), Drone Operations Module (DOM) das Logisticmodule 1 & 2 (LOG) aufnehmen.
Das RSQ ermöglicht den schnellen und sicheren Patiententransport. Je nach Auslegung können ein, zwei oder bis zu vier liegend Verletzte aufgenommen werden. Zudem werden Sitze für medizinisches Begleitpersonal vorgesehen.
Das TTM bietet vier Sitzplätze auf dem Flatbed. Bei einer Verlängerung der MMP sind auch sechs Plätze denkbar. In der Standardvariante hat das MV.1 damit eine Kapazität von 4 + 4 Trooper. Das Module bietet eine strukturierte und sichere Sitz- und Stauraumlösung für den Transport kleiner Einsatzteams.
Das DOM ermöglicht die Steuerung und Überwachung von Drohneneinsätzen.
Vom LOG gibt es zwei Varianten. Das Modul ermöglicht entweder die sichere Fixierung und Transport von zwei Motorrädern auf dem oder im (MV.2) Einsatzfahrzeug. So können Aufklärungs- oder Spezialkräfte mit dem Basisfahrzeug nah an den Einsatzort heranfahren und dort dann die Zweiräder für den taktischen Einsatz abladen und nutzen. Variante 2 ermöglicht die stabile Erweiterung für das Verladen und Sichern eines Quads im mobilen Einsatz. Diese Variante wurde auf der Enforce Tac gezeigt.
Kundenspezifische Erweiterungen sind laut Volkswagen jederzeit möglich. Die MMBs für MV.1 und MV.2 sind identisch.
Text: Redaktion / af
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