Es scheint ein kleiner Vorfall: Gestern fing die deutsche Luftwaffe ein russisches Aufklärungsflugzeug ab. Es war unangemeldet in den Luftraum eingedrungen. Diese Aktion durch Russland ist allerdings nicht isoliert zu betrachten, sondern eine Fortführung der Prüfung der deutschen Verteidigungsfähigkeit. Russland folgt einem Plan, der zudem bereits kommuniziert wurde und den deutschen Streitkräften bekannt ist.
„Heute wurde die Quick Reaction Altert (QRA) aus Laage aktiviert“, berichtete gestern Abend die deutsche Luftwaffe. „Grund dafür war ein unbekanntes Flugzeug über der Ostsee, das ohne Flugplan und Transpondersignal unterwegs war. Unsere deutschen Eurofighter stiegen auf, um das Luftfahrzeug zu identifizieren. Es handelte sich um ein russisches Aufklärungsflugzeug vom Typ IL-20. Die Maschine wurde daraufhin eskortiert.“
Die Iljuschin Il-20 ist ein russisches Aufklärungsflugzeug, das noch aus Sowjetzeiten stammt und erstmals 1978 von der NATO registriert wurde. Es ist mit Radar, Kamera und Fernmeldeaufklärungsmitteln ausgestattet.
Der 5 Punkte-Plan von Russland
Dieses unangemeldete Eindringen in NATO-Luftraum mag an sich wenig aufsehenerregend erscheinen, als Test der Verteidigungsfähigkeiten Deutschlands und der NATO passt es allerdings in die Fortführung der Eskalation, deren wahrscheinlichen Fortgang Brigadegeneral Thomas Hambach, Kommandeur Landeskommando Bayern, erst diese Woche bei der Security Conference zum Operationsplan Deutschland beschrieb.
„Russland betreibt aktiv das ganze Spektrum hybrider Kriegsführung“, erläuterte Brigadegeneral Hambach. „Es folgt einem Plan, einer Doktrin, der sogenannten Gerassimow-Doktrin.“ Diese Doktrin beschreibe in fünf Schritten bzw. Maßnahmen eine mögliche Vorgehensweise, um Gegner in der modernen Welt zu besiegen.
Der erste Schritt ist die Spaltung und teilweise Radikalisierung der Gesellschaft. Desinformationskampagnen sollen das Vertrauen in die Regierung zerstören, Teile der Gesellschaft abspalten und radikalisieren. Dass solche Desinformationskampagnen bereits stattfinden, zeige sich vor allem in den sozialen Medien. Die Kampagnen zielen teilweise besonders auf die Jugendlichen und jüngeren Generationen.
Der zweite Schritt innerhalb dieses Plans zur hybriden Kriegführung besteht in Sabotage und Spionage. Nichts anderes seien die mittlerweile zahlreichen Sichtungen von Drohnen in der Nähe von Kritischer Infrastruktur in Deutschland. Neben der tatsächlichen Sabotage ist auch die Verunsicherung der Ziel-Bevölkerung ein wichtiges Element.
Schritt Drei besteht aus der Subversion, wo die bis dahin schlummernden Innentäter zum Einsatz kommen. Dies kann eine deutliche Destabilisierung des angegriffenen Staates bedeuten.
Punkt vier der Gerassimow-Doktrin besteht aus Probeangriffen. Und diese finden bereits statt, betonte General Hambach. „Nichts anderes ist es ja, wenn russische Flugzeuge in europäischen Luftraum eindringen. Wenn Unterseekabel durchtrennt werden.“ All dies müsse bereits als Probeangriff gewertet werden, wo Russland gezielt ausprobiert, wie man reagiere – aber auch, ob und wie man sich schützen könne.
Der fünfte Schritt des Planes, den Russland aktuell abarbeite, sei der Beginn des konventionellen Krieges.
Russland testet also im Augenblick aktiv die NATO und besonders Europa, um zu ermitteln, ob es bei einem konventionellen Krieg seine Ziele erreichen könne. Das russische Spionageflugzeug ist somit nur ein weiterer Stein im Mosaik der hybriden russischen Kriegführung.
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