Laser in Serienproduktion: FiberBridge Photonics skaliert in Hannover

Nur einen Tag nach dem Drohnenalarm am Flughafen Leipzig/Halle hat gestern in Hannover das niedersächsische Unternehmen FiberBridge Photonics die Serienfertigung von Hochleistungslasern zur Drohnenabwehr eröffnet. Auf Einladung von Gründer Dr. Thomas Theeg kamen Ministerpräsident Olaf Lies und der Leiter der WTD 91, Frank Dosquet, zur Eröffnung. Letzterer verriet: Die Bundeswehr plant ab 2028 mit der flächendeckenden Einführung von Counter-UAS-Lasersystemen – es wird also Zeit für die Serienproduktion.

Eröffnung der neuen Produktionsstätte von FiberBridge Photonics in Hannover (v.l.n.r.): Armin Sternberg, Technischer Regierungsdirektor WTD-91, Frank Dosquet, Direktor WTD-91, Olaf Lies, Ministerpräsident Niederdsachsen, Dr.Ing. Thomas Theeg, CEO FiberBridge Photonics, Oberst Frank Wachter, Kommandeur Landeskommando Niedersachsen, und Christoph Stein, Technischer Regierungsdirektor WTD-91.
Eröffnung der neuen Produktionsstätte von FiberBridge Photonics in Hannover (v.l.n.r.): Armin Sternberg, Technischer Regierungsdirektor WTD 91, Frank Dosquet, Direktor WTD 91, Olaf Lies, Ministerpräsident Niedersachsen, Dr.Ing. Thomas Theeg, CEO FiberBridge Photonics, Oberst Frank Wachter, Kommandeur Landeskommando Niedersachsen, und Christoph Stein, Technischer Regierungsdirektor WTD 91.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Der Fall liegt gerade einmal einen Tag zurück: eine mit Sprengstoff bestückte Drohne am Flughafen Leipzig/Halle, ein zeitweise komplett lahmgelegter Flugverkehr, ein zweites Objekt kollidiert in der Luft mit einer Frachtmaschine. Genau in diese Debatte um Deutschlands fehlende Drohnenabwehrfähigkeit fiel der gestrige Termin im Technologiepark Hannover.

Das 2017 als Spin-off des Laser Zentrums Hannover (LZH) gegründete Unternehmen FiberBridge Photonics eröffnete dort seine Serienproduktion für Hochleistungslasersysteme., mit Fokus auf Drohnenabwehr. Technologie, die genau in jenem Bereich zum Einsatz kommen soll, in dem es am Vortag in Leipzig an wirksamer Gegenwehr fehlte.

FiberBridge Photonics: von der Einzelfertigung zur Serie

FiberBridge Photonics wurde 2017 von Dr. Thomas Theeg mit drei Mitarbeitenden gegründet und belieferte in den ersten Jahren vor allem internationale Partner in Singapur, Israel und den USA mit Hochleistungslasertechnologie.

Mit der Zeitenwende stieg die Nachfrage nach Lasersystemen zur Drohnenabwehr auch in Deutschland und Europa deutlich. Ebenso die Notwendigkeit, von der Manufaktur einzelner Systeme auf eine echte Serienfertigung umzustellen. Perspektivisch will das Unternehmen dazu von derzeit rund 50 auf 200 bis 300 Mitarbeitende. anwachsen

Anders als in vielen Bereichen der Industrie üblich, setzt FiberBridge Photonics nicht auf eine komplexe internationale Lieferkette, sondern auf vertikale Serienfertigung am eigenen Standort. Ein Ansatz, der laut Theeg entscheidend ist, um in Krisenzeiten und bei Exportbeschränkungen einzelner Länder die Verfügbarkeit von Bauteilen sicherzustellen.

Wie weit diese Fertigungstiefe bereits reicht, machte Theeg am Beispiel der zentralen Laser-Baugruppe deutlich: „In diesem Teil sind ungefähr 100 Einzelbauteile. Und wir können heute schon einen Großteil hier inhouse fertigen. […] Damit sind erstmals in Deutschland und Europa diese Grundelemente in Serie verfügbar.“

Repräsentant präsentiert eine optische Komponente von Fiberbridge Photonics vor einer Informationswand zu Laser- und Drohnenabwehr
Dr.Ing. Thomas Theeg, Gründer und CEO von FiberBridge Photonics, zeigt eine Komponente für einen Hochenergielaser.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Man sei stolz darauf, so viel in eigene Fertigungsstraßen und Entwicklung investiert zu haben, um diese Technologie nun für Systemhäuser und Endnutzer bereitstellen zu können.

Was in Hannover gefertigt wird – und wo es zum Einsatz kommt

Kernstück der Produktion ist eine kompakte Laser-Grundeinheit, die Theeg mit einer Batteriezelle verglich: Erst durch das Zusammenschalten vieler dieser Einheiten mit je zwei bis drei Kilowatt Leistung entsteht ein Hochenergie-Laserstrahl, der Drohnen über mehrere Kilometer Entfernung bekämpfen kann.

Hier liegt auch die Kunst von FiberBridge Photonics. Die Kerntechnologie des Unternehmens besteht darin, viele einzelne Faserlaser-Kanäle zu einem einzigen Hochenergie-Laserstrahl zu kombinieren, ohne dabei an Strahlqualität zu verlieren.

Bildschirm mit schematischer Darstellung eines Rheinmetall-Hochenergielaser-Waffensystems auf Militär-LKW und in Containern
Ein Bildschirm zeigt die schematische Darstellung eines Hochenergielaser-Waffensystems welches aus mehreren, zusammengeschalteten Laser-Grundmodulen von FiberBridge Photonics besteht.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Je höher die auch auf größere Entfernung erreichbare Intensität am Ziel (kW/cm²), desto kürzer ist die Zeit, die man braucht, um beispielsweise eine Drohne zu bekämpfen. Genau diese kurzen Neutralisierungszeiten ermöglicht die von FiberBridge Photonics hergestellte Technologie.

Die Bandbreite der Einsatzmöglichen der einzelnen Module reicht dann von kleineren, mobilen Lösungen mit zwei oder drei Grundeinheiten bis zu containergestützten Hochleistungssystemen mit vielen Dutzend Modulen für den Einsatz gegen Drohnenschwärme in der Leistungsklasse des aus Israel bekannten Iron Beams.

Die Sicht der WTD 91: Fünf strategische Gründe

Mit drei Vertretern war die Wehrtechnische Dienststelle für Waffen und Munition der Bundeswehr (WTD 91) aus Meppen vor Ort. Dienststellenleiter Frank Dosquet erläuterte seine Rolle als Bindeglied zwischen Industrie und Truppe: „Wir bündeln bei uns das entsprechende Wissen. […] Wir koordinieren die wehrtechnischen Aktivitäten übergreifend. Wir bewerten technologische Entwicklungen und wir fördern vielversprechende Innovationen.“

Redner an einem Stehpult bei der Produktionseröffnung von Fiberbridge Photonics vor einem Banner zur Hochenergielaser-Drohnenabwehr
Frank Dosquet, Direktor WTD 91, spricht an einem Stehpult während der feierlichen Produktionseröffnung des Herstellers Fiberbridge Photonics.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Die WTD 91 stelle sicher, dass Material geprüft und einsatztauglich sei, bevor es zur Truppe komme. Damit versteht sich die Dienststelle als Brücke zwischen Forschung, Innovation und Industrie auf der einen und der militärischen Realität auf der anderen Seite.

Dass gerade Hochenergielaser für die Bundeswehr an Bedeutung gewinnen, begründete Dosquet auch ökonomisch: Klassische Abwehrsysteme mit teurer Munition gerieten angesichts massenhaft auftretender, billig herzustellender Drohnen in ein nicht mehr vertretbares Kosten-Nutzen-Verhältnis. Laser dagegen wirkten mit Lichtgeschwindigkeit, benötigten „Munition“ nur in Form von elektrischer Energie für wenige Euro und senkten zugleich das Risiko herabfallender Trümmerteile.

Die Bedeutung der Skalierung bei FiberBridge Phontonics fasste Dosquet in fünf Punkten zusammen:

  1. Verfügbarkeit von Hochleistungslasersystemen: insbesondere in höheren Leistungsklassen mit hoher Leistungsdichte am Ziel, etwa zur Abwehr von Drohnenschwärmen auch unter widrigen Witterungsbedingungen.
  2. Technologische Souveränität: bei einsatzkritischen Schlüsseltechnologien dürfe sich Deutschland nicht in Abhängigkeit von externen Akteuren wie China oder den USA begeben.
  3. Vertikale Integration im eigenen Land: von der optischen Schlüsselkomponente bis zum fertigen System, gefertigt aus einer Hand in Deutschland.
  4. Resiliente Lieferketten: technologische Überlegenheit „auf dem Papier“ nütze im Ernstfall nichts, wenn Material im Krisenfall nicht verfügbar sei.
  5. Timing der Skalierung: die Bundeswehr rechnet ab den Jahren 2028/2029 mit einem verlässlichen Serienbedarf an Counter-UAS-Lasersystemen; die heutige Eröffnung lege dafür rechtzeitig das industrielle Fundament.

Der Fall Leipzig: Drohnenabwehr als gemeinsame Aufgabe

Den direkten Bezug zum Vorfall vom Vortag stellte Ministerpräsident Olaf Lies her. Er verwies auf das gute Lagebild der Sicherheitsbehörden zu hybriden Bedrohungen und beschrieb ein Muster, das sich immer wieder zeige: Angriffe konzentrierten sich auf besonders sensible Einrichtungen, mit dem Ziel, die Gesellschaft zu verunsichern.

Redner spricht an einem Stehtisch vor einem Fiberbridge-Photonics-Banner bei einer Standorteröffnung vor Fachpublikum
Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies spricht bei der Eröffnung einer Produktionsstätte des Unternehmens FiberBridge Photonics.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Sicherheit lasse sich deshalb nicht mehr getrennt nach innerer und äußerer Zuständigkeit denken: „Da geht es nicht um die Frage nur der inneren und äußeren Sicherheit, da geht es um Sicherheit. Und es muss gemeinsam funktionieren.“

Lies verwies dabei auf den vor knapp zwei Jahren gestarteten sicherheitspolitischen Dialog in Niedersachsen, in dem Land, Bundeswehr, Landes- und Bundespolizei sowie Organisationen wie THW, Feuerwehr, DRK und Johanniter ihre Lagebilder zusammenführen. Nur wenn diese Ebenen nicht mehr nebeneinander, sondern gemeinsam dächten, werde man der Bedrohungslage gerecht.

Genau diese Verzahnung von Landespolitik, Bundeswehr und Polizei, wie sie beim Termin in Hannover mit den Vertretern von WTD 91, Landeskommando Niedersachsen und der Polizei Hannover sichtbar wurde, ist nach Ansicht aller Redner die Voraussetzung dafür, dass neue Technologien wie die Laser von FiberBridge Photonics aus Hannover am Ende dort ankommen, wo sie im Ernstfall gebraucht werden; zum Beispiel am Flughafen Leipzig/Halle.

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