Auf der weltgrößten Spielemesse in Köln zeigte sich, wie stark Künstliche Intelligenz das Gaming revolutioniert – mit realistischeren Gegnern, dynamischen Welten und selbstoptimierender Hardware. Doch die Entwicklungen gehen weit über Spiele hinaus: Auch Bundeswehr, BND und Verfassungsschutz setzen auf der Gamescom auf Hightech, um Nachwuchs zu gewinnen und neue Einsatzfelder zu erschließen.
Vergangene Woche ging in Köln mit der Gamescom 2025 die weltgrößte Spielemesse zu Ende. Neben neuen Spielen war auch dort vor allem das Thema Künstliche Intelligenz (KI) präsent und wie KI das Gaming-Erlebnis revolutioniert. Die Gamescom 2025 in Köln macht deutlich: KI ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern prägt das Gaming von heute, so wie viele andere Bereiche auch. Die Gamescom 2025 zeigt aber auch, Künstliche Intelligenz (KI) macht das Spielerlebnis realistischer, dynamischer und individueller denn je. Das betrifft sowohl das Verhalten virtueller Figuren oder die Hardware selbst.
Schon seit Jahren nutzen Entwickler KI, um das Verhalten von sogenannten NPCs, also Non-Playable-Characters, natürlicher wirken zu lassen. NPCs lassen sich nicht vom Spieler steuern, sondern werden vom Computer simuliert und authentisch ins Gameplay integriert. Also der Gegner. Doch die Technologie kann längst mehr: Schwierigkeitsgrade passen sich automatisch an, Storylines entwickeln sich individuell, und ganze Welten entstehen prozedural in Echtzeit. Im Grunde ist so ein Spiel nicht viel anders als die Gefechtssimulation, wie es auch die Bundeswehr am Gefechtssimulationszentrum Heer (GefSimZH) in Wildflecken seit Jahren betreibt.
Auch hier könnte und wird sicherlich in Zukunft KI Gegner besser und realistischer simulieren können, als dies heute der Fall ist. In der Gaming-Szene greift KI auch in die Hardware ein, diese denkt nun ebenfalls mit. KI wird zum unsichtbaren Co-Piloten: Bild und Sound werden in Echtzeit analysiert und automatisch optimiert, so wie Tageszeit oder Wetter. KI könnte im militärischen Bereich auch automatisch erkennen, welcher Sensor angeschlossen ist bzw. simuliert werden soll und die grafische Darstellung, die Latenzzeit und andere Parameter automatisch anpassen. Ohne Eingriff der Leitung. Helligkeit, Kontrast und Schärfe einer Waffenoptik werden dynamisch an die Realität angepasst.
Die neusten Anpassungen in der Gaming-Szene versprechen klarere, schärfere und echtere Bilder, einfach lebensecht. Das Ergebnis sind Szenen, die plastischer wirken, mit klareren Details, realistischeren Farben und einer Tiefe, die fast schon an 3D erinnert. Dank einem sogenannten AI ClarityMaster wird die Bildoptimierung noch weiter vorangetrieben und störendes Rauschen weiter reduziert, kleine Details herausgearbeitet, sodass Texturen oder Landschaften deutlich lebendiger wirken.
Dank des Zusammenspiels von KI in Spielmechanik und Hardware werden die Simulationen immer stärker personalisiert und immersiv. Keine Einstellungen müssen mehr manuell anpassen – die Technik reagiert automatisch auf sie und ihre Umgebung.
Gamer auch für BND & Bundeswehr von Interesse
Einige werden es in den letzten Tagen schon in den Medien gelesen oder gesehen haben, vor allem die Kritik daran, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) sowie die Bundeswehr auf der Gamescom um Nachwuchs um die Gamer dort werben. Gerade junge Gamer sollen für die Sicherheitsbehörden und die Bundeswehr besonders von Interesse sein. Beide Dienste waren auf der Messe in Köln mit großen Ständen vertreten. Das Ziel: Gamer für sich gewinnen.
Der BND hat für die Messe sogar ein eigenes Computerspiel entwickelt. Im „BND-Legenden: Operation Blackbox“ Spiel arbeitet der Spieler für den Geheimdienst als Spionin auf virtueller Mission in einen Unrechtsstaat. Der Titel „Legenden“ ist eine Anspielung auf die Arbeit „unter Legende“, also mit falschem Namen und erfundenem Lebenslauf im Verborgenen. BND und Bundeswehr müssen sich dem harten Kampf um die besten Köpfe im Land annehmen.
Immer und überall daher ist es nur richtig, auch hier nach geeignetem Personal zu suchen. Der BND sagt zudem, dass es Gemeinsamkeiten zwischen den Leuten gibt, die sie gern in ihren Reihen hätten, und den Besucherinnen und Besuchern der Gamescom: Beide sind technikaffin, sie schlüpfen gern in verschiedene Rollen, nehmen andere Identitäten an, begeben sich auf Missionen und decken Zusammenhänge auf.
Besucher können das BND-Game in circa 20 Minuten bis zum Ende durchspielen. In dem BND-eigenen Spiel – „BND Legenden, Operation Blackbox“ –treten u. a. die Operateurin AJ, der CNE-Spezialist Ruby oder der Geo-Spezialist Atlas zur Rettung an. Das zeigt die Bandbreite, die der Nachrichtendienst für seine Reihen sucht. Auch wenn der größte Anteil der Mitarbeiter eher Sachbearbeiter und Analysten am Schreibtisch sind und nicht Geheimagenten in gefährlichen Außendienstmissionen.
Neben dem BND hat auch die Bundeswehr groß aufgefahren. Hier können die Besucher einen Simulator zum Fahren eines Panzers oder zum Fliegen eines Hubschraubers nutzen. Auch das Thema
Elektronischen Kampfführung (EloKa) stellt sich in Köln mit Material und Personal vor. Die Bundeswehr ist bereits seit 2009 mit eigenem Stand auf der Gamescom beteiligt. Gerade mit Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine hat das Thema Technologie noch einmal an Bedeutung gewonnen. Russland setzt breit auf Störer, Fake News und EloKa.
Daher gewinnt das Thema auch bei der Bundeswehr an noch größerer Relevanz, als dies ohnehin schon der Fall war. In Zukunft wird alles Anteil der sogenannten Software Defined Defence (SDD) sein. Dazu benötigt es technickaffines Personal, die neue Wege denken und gehen. Und genau das können die Sicherheitsdienste und Streitkräfte auf der Gamescom finden.
Auch der Digitalverband Bitkom misst dem Gaming seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine „eine ganz neue Bedeutung“ bei. Dies zeigt sich gerade in der Ukraine. Gamer übernehme die Weiterentwicklung und Steuerung der Drohnen. Der Umgang mit Joystick und Controller, Reaktionsschnelligkeit und Multitasking sind plötzlich von besonderer Bedeutung. Und genau das bringen die oft belächelten Gamer mit.
Neben der Abteilung „Software-Attacke“ und den Simulatoren gibt es am Stand der Bundeswehr auch Hardware zu sehen. So können sich die Besucher in ein leichten luftlandefähigen Utility Terrain Vehicle (UTV) Polaris MRZR-4D setzen. Oder es gibt einen Fallschirmsprung-Simulator (Freifall) sowie die Ausrüstung der Fallschirmjäger zu sehen. Diese kann auch angelegt werden oder mit der ballistischen Schutzweste ein paar Liegestütze zur körperlichen Ertüchtigung gemacht werden. Truppe zum Anfassen.
Aber im Vordergrund steht das Thema Technik und Simulation. Neben dem Panzer- und Hubschrauber-Simulator können die Besucher an der Live-Hacking-Station einen Cyberangriff simulieren. Neben den beiden Behördenvertretern waren aber auch Firmen wie Thales Deutschland vor Ort und suchten nach ihrem Nachwuchs.
Mit Computerspiel Extremismus bekämpfen
Neben der Bundeswehr und dem BND ist auch der NRW-Verfassungsschutz vor Ort. Dieser sucht jedoch nicht primär nach Nachwuchs, sondern will ebenfalls mit zwei eigenen Spielen Extremismusprävention betreiben. „Wer ist Bilal“ soll Gamer für Islamismus sensibilisieren. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ist eigens angereist und hatte Mitte der Woche das Spiel auf der Gamescom vorgestellt. Das Spiel „Leons Identität“ klärt über Rechtsextremismus auf. Es wird durch den Verfassungsschutz bereits seit 2020 genutzt und hat bereits ca. 350.000 Downloads im Netz.
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