Russland hat eine Täuschungsdrohne entwickelt, die unter der Bezeichnung Gerbera bekannt ist. Sie ähnelt in Form und Signatur der Geran-Drohne, ist jedoch deutlich günstiger herzustellen. Darauf weist Dr. Uzi Rubin hin, der Gründer und frühere Leiter des israelischen Arrow-Raketenabwehrprojekts im israelischen Verteidigungsministerium war und als Experte für Raketenabwehrsysteme gilt.
In einer Analyse für das Jerusalem Institute for Strategy and Security schreibt Rubin, dass Russland in Jelabuga, rund 1.000 Kilometer östlich von Moskau, ein eigenes Werk zur Produktion unbemannter Luftfahrzeuge errichtet hat.
Medienberichten zufolge liegt die russische Produktion der ursprünglich iranischen Shahed-136, die in Russland unter der Bezeichnung Geran gefertigt werden, inzwischen bei mehr als 5.000 Einheiten pro Monat.
Laut Rubin hat Russland darüber hinaus die Täuschungsdrohne Gerbera entwickelt, deren Erscheinungsbild und Signaturen denen der Geran ähneln, die jedoch wesentlich kostengünstiger ist. Russische Angriffe auf Ziele im ukrainischen Hinterland erfolgen inzwischen in Wellen von Hunderten solcher Täuschkörper. Eine typische Angriffswelle besteht aus etwa 60 Prozent Angriffsdrohnen und 40 Prozent Täuschungsdrohnen.
Ziel dieser Angriffe ist nicht nur die Zerstörung ukrainischer Infrastruktur, sondern auch – und möglicherweise vor allem – die Erschöpfung der ukrainischen Bestände an Abfangraketen. Die Angriffe verursachen erhebliche Schäden an der Infrastruktur und führen zu zivilen Opfern. Bislang scheinen sie jedoch weder die militärischen Fähigkeiten der Ukraine noch ihren Widerstandswillen entscheidend geschwächt zu haben.
Ukraine fängt rund 80 Prozent der Drohnen vor Einschlag ab
Dennoch setzt Russland seine großangelegten Angriffe fort, obwohl die Ukraine nach wie vor rund 80 Prozent der eingesetzten Drohnen vor dem Einschlag abschießen kann.
Nach Ansicht Rubins verdeutlichen diese Angriffe die Entwicklung moderner Kriegsführung: „Moskau ersetzt teure Marschflugkörper und bemannte Bomber durch kostengünstige unbemannte Waffensysteme und setzt diese in großer Zahl ein. Dadurch wird die Wirtschaft nicht übermäßig belastet, und zugleich werden keine Einsatzkräfte unmittelbar gefährdet.“
Rubin zufolge reagiert die Ukraine auf die russische Drohnenbedrohung mit einer mehrschichtigen Verteidigung, die von elektronischen Kampfführungssystemen zur Störung der Navigation bis hin zu boden- und luftgestützten Abfangmaßnahmen reicht.
Im Bereich der elektronischen Kampfführung findet ein ständiger Wettlauf statt: Die eine Seite versucht, ihre Drohnensysteme widerstandsfähiger gegen Störungen zu machen, während die andere immer leistungsfähigere Methoden zur elektronischen Beeinflussung entwickelt.
Das eigentliche Abfangen erwies sich jedoch als deutlich schwieriger.
„Die Ukraine versuchte zunächst, russische Drohnen mit Kampfflugzeugen und Luft-Luft-Raketen abzuschießen. Die wirtschaftliche Bilanz erwies sich jedoch schnell als ungünstig. Eine Luft-Luft-Rakete kann mehrere Hunderttausend US-Dollar kosten, während eine russische Drohne lediglich einige Zehntausend Dollar kostet“, so Rubin.
Zudem stellte sich das Problem der begrenzten Munitionsvorräte. Die Produktion moderner Luft-Luft-Raketen erfolgt zu langsam, um Nacht für Nacht den Abschuss von Hunderten russischer Drohnen zu ermöglichen. Die Bestände werden dadurch zwangsläufig aufgebraucht.
Hinzu kommt, dass diese Methode die eingesetzten Kampfflugzeuge den Trümmern der abgeschossenen Drohnen aussetzt. In mindestens einem bekannten Fall gelang es einem ukrainischen Jagdflugzeug zwar ein erfolgreicher Abschuss, doch Trümmerteile trafen anschließend das Flugzeug und führten zum Tod des Piloten.
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