Was nützt das modernste Kampfflugzeug, wenn der Gegner die Verbindung stören kann? Mit NEMACS zeigte Rohde & Schwarz auf der ILA Berlin eine gerichtete Kommunikationsarchitektur, die genau dieses Problem lösen soll.
Noch vor der Feuerkraft entscheidet die Verfügbarkeit von Daten das moderne Gefecht. Mit dem Networked Multipoint Array Communications System – kurz NEMACS – stellte Rohde und Schwarz auf der ILA 2026 erstmalig eine Lösung vor, die genau diese Datenüberlegenheit ermöglichen soll: ein vollständig vernetztes Kommunikationssystem für die Zusammenarbeit zwischen bemannten und unbemannten Plattformen über alle Domänen hinweg.
NEMACS – gerichtet und schwer zu finden
Die Einführung solle ein Kommunikationsbackbone zur Verfügung zu stellen, welches „ebenso agil und widerstandsfähig ist wie die Plattformen, die es verbindet“ erklärte Andreas Domann, Vice President of Multi-Domain Communications bei Rohde & Schwarz.
Das Grundprinzip von NEMACS erklärt Domann gegenüber Defence Network am Messestand mit dem Prinzip Scheuklappen bei Pferden: Wer seinem Gesprächspartner direkt gegenübersteht, hört das Gespräch; von der Seite ist es kaum noch möglich.
Genau so funktioniert gerichtete Kommunikation. Der Funkstrahl ist schmal gebündelt, trifft nur das gewünschte Ziel und bietet gegnerischen Aufklärungssystemen kaum eine verwertbare Signatur – LPD und LPI, Low Probability of Detection und Interception, sind die Schlüsselbegriffe.
Um dies an einem Einsatzbeispiel zu verdeutlichen, schlägt R&S ein Marineschiff vor, das ein hochrangiges Ziel in einem stark gestörten Korridor entdeckt. NEMACS überträgt sofort hochauflösendes Radarmaterial an einen nahe gelegenen Kampfflieger, der das Bild dann mit Daten von mehreren UAVs kombiniert, das Ziel erfasst und einen Angriff mit einem UCAV koordiniert – alles über dieselbe getarnte Verbindung.
Mehr als nur eine Antenne
„Im Einsatzumfeld ist die Zusammenarbeit zwischen bemannten und unbemannten Systemen nicht mehr optional, sondern unverzichtbar“, so Domann weiter. „Die Lösung von Rohde & Schwarz gibt die Gewissheit, dass Datenverbindungen selbst in den aggressivsten Umgebungen mit elektromagnetischen Angriffen bestehen bleiben.“
Technisch basiert NEMACS auf einem Phased-Array-Ansatz: Viele kleine Antennenelemente werden elektronisch zusammengeschaltet und können den Funkstrahl ohne mechanische Bewegung blitzschnell schwenken. Die genutzten Trägerfrequenzen spannen einen weiten Bogen – von C-Band über KuBand bis SATCOM, also von rund 5 bis über 30 Gigahertz – womit sich Reichweite, Datendurchsatz und Störresistenz je nach Anforderung austarieren lassen.
Eine Produktfamilie für alle Plattformen
NEMACS ist keine einzelne Box, sondern eine Systemfamilie: von kompakten, stromoptimierten Varianten für Remote Carrier und kleine unbemannte Systeme bis hin zu größeren Einheiten für Marineschiffe.
Ein dediziertes Netzwerkmanagementsystem koordiniert die Kommunikation, erfüllt militärische Sicherheitsanforderungen und unterstützt NATO- wie nationale Verschlüsselungsstandards.
Rohde & Schwarz positioniert NEMACS als Bindeglied für die Kampfflugzeuge der nächsten Generartion, unbemannte Plattformen und alle weiteren Teilnehmer des vernetzten Gefechts.
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