Deutsche Soldaten in Grönland – Rote Linie gegen die USA

Deutschland schickt die Bundeswehr nach Grönland. Die Verkündung gestern Abend, dass Deutschland Soldaten nach Nuuk entsendet, die Hauptstadt Grönlands im Südwesten des Landes, ist ein deutliches Umschwenken in der deutschen Sicherheitspolitik seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Auch wenn die Anzahl marginal ist, es ist eine Positionierung an die Seite Dänemarks und vor allem gegen die USA. Mit allen damit verbundenen Auswirkungen.

Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 trainieren unter extremen Witterungsbedingungen bei der Übung Eiskristall im Gebiet Bardufoss-Skjold/Norwegen im Jahr 2018. Diese Kälteübungen und deren Erkenntnisse helfen nun bei der Mission in Grönland.
Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 trainieren unter extremen Witterungsbedingungen bei der Übung Eiskristall im Gebiet Bardufoss-Skjold/Norwegen im Jahr 2018. Diese Kälteübungen und deren Erkenntnisse helfen nun bei der Mission in Grönland.
Foto: Bundeswehr/Mario Bähr

Insgesamt 13 Soldaten entsendet die Bundeswehr nach Grönland. In den Zeiten des Kalten Krieges wurden solche Kontingente als „Flaggenwedler“ bezeichnet. Sie konnten als Kleingruppen, wie auch im jetzigen Fall, in Länder geschickt werden, um ein Zeichen zu setzen ohne durch die Truppengröße zu provozieren. Und doch sollte man die Position der Flaggenwedler nicht unterschätzen – sie ziehen Grenzen. Sie zeigen, ab wann ein Land bereit ist zu verteidigen. Denn ein Angriff auf diese Soldaten – und seien es nur 13 – bedeutet einen Angriff auf deren Land.

Deutschland positioniert sich nun also offen gegen die USA, sollten die USA nicht die Souveränität Grönlands respektieren. Und doch ist es keine offene Provokation sondern vielmehr eine Operation ganz im Sinne der Flaggenwedler des Kalten Krieges.

Das deutsche Kontingent in Grönland

„Auf Einladung Dänemarks wird sich Deutschland vom 15. bis 17. Januar 2026 gemeinsam mit weiteren europäischen Nationen an einer Erkundung in Grönland beteiligen. Ziel ist, die Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks bei der Gewährleistung der Sicherheit in der Region zu erkunden, beispielsweise für Fähigkeiten zur Seeraumüberwachung“, verkündete das BMVg gestern Abend. „Die Bundeswehr wird dazu morgen früh mit einem Airbus A400M Transportflugzeug ein Erkundungsteam mit 13 Bundeswehrangehörigen nach Nuuk in Grönland entsenden. Die Erkundung vor Ort wird zusammen mit Vertretern weiterer Partnernationen stattfinden.“

Offiziell wird diese Positionierung, dieses Aufziehen der roten Linien gegenüber den USA, also als Erkundungsmission bezeichnet. Doch eines ist klar, jeder Angriff auf einen Bundeswehrsoldaten wäre ein Angriff auf Deutschland. Dänemark kann also auf seine europäischen Partner setzen, ein neuer Bruch ergibt sich innerhalb der NATO, bestehend aus Europa versus USA. Was wiederum die Führung der Operation erschwert, da alle NATO-Operationen im Nordatlantik eigentlich von Norfolk, also den USA, aus geführt werden. Die Bild berichtet, dass diese neue und europäische Grönland-Mission nun von Kopenhagen aus gesteuert werden soll.

Wobei die Bezeichnung für die Grönland-Mission selber auch noch Gegenstand der Diskussionen ist, die Namen reichen von „Erkundung“ (Deutschland) bis „Übung“ (Schweden), auch welche Nationen sich insgesamt beteiligen ist noch nicht final bekannt. Die nordischen Länder werden erwartungsgemäß an der Seite Dänemarks stehen, doch wie positioniert sich der Osten Europas, vor allem angesichts der zunehmenden Aggression Russlands? Und wo stehen die alten europäischen Schwergewichte: Großbritannien, Frankreich und Italien?

Alles Fragen, welche sich erst noch klären müssen. Ebenso bleibt die Antwort der USA abzuwarten. Allein die aktuelle Eskalation ist schließlich bereits ein historischer Bruch der transatlantischen Sicherheitsschiene, der vermutlich erst nach einem Wechsel im Weißen Haus geheilt werden könnte.

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