KSK-Kommandeur: Siegfähig mit der notwendigen Nasenlänge Vorsprung

„Das KSK ist in die aktuelle Auftragslage voll eingebunden“, bekräftigt Brigadegeneral Andreas Kühne, Kommandeur Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr (KSK), mit Blick auf den neuen Fokus Landes- und Bündnisverteidigung. Im Interview mit dem Defence Network spricht General Kühne über innovative Technik für die Elite und Nasenspitzen Vorsprung für die Siegfähigkeit. „Das KSK“, so sein Fazit, „ist jederzeit weltweit unter allen Klimazonen und tatsächlich zur Auftragswahrnehmung einsatzbereit.“

Der Kommandeur des KSK, Brigadegeneral Andreas Kühne, vor der Statue des Kommandotrupps – dem Hauptwaffensystem im Kommando Spezialkräfte.
Der Kommandeur des KSK, Brigadegeneral Andreas Kühne, vor der Statue des Kommandotrupps – dem Hauptwaffensystem im Kommando Spezialkräfte.
Foto: Bundeswehr / Marco Dorow
Stichworte „Vollinvasion Ukraine“, „Zeitenwende“ und „Rückbesinnung auf Landes- und Bündnisverteidigung“ – Was hat sich für das KSK seither geändert? Oder hat sich überhaupt etwas geändert?

Es hat sich in der Tat einiges geändert. Wir sind auf einem Entwicklungsweg vom Internationalen Krisenmanagement (IKM) in Richtung Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV). Das heißt nicht, dass wir IKM komplett aufgeben und sozusagen in die andere Extremlage fallen. Wir werden auch weiterhin in der Lage sein, Stabilisierungseinsätze im Rahmen des Internationalen Krisenmanagements wahrzunehmen.

Einsatzverfahren, TTPs und all das, was von uns erwartet wird im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung, ist anders gelagert; auch der Feind ist anders. Darauf müssen wir eingestellt sein.

Und das bedingt einfach, dass wir siegfähig uns auf das Gefechtsfeld begeben können. Ich sage immer: Wir brauchen die berühmte Nasenspitze Vorsprung, um zu siegen; und dann auch siegreich wieder zurückzukommen, um für Folgeaufträge zur Verfügung zu stehen.

Ein deutscher Kommandosoldat.
Ein deutscher Kommandosoldat.
Foto: Bundeswehr / Marco Dorow
In anderen Truppenteilen der Bundeswehr höre ich oft, dass man den Krieg in der Ukraine nicht als Blaupause nehmen, aber dennoch viel daraus lernen könne. Gibt es auch beim KSK Austausch mit ukrainischen Spezialkräften?

Wir haben einen Austausch an unterschiedlicher Stelle und nutzen jede Gelegenheit für das Gespräch, wo immer wir mit Ukrainern zusammenkommen. Zeitgleich verfolgen wir einen systematischen Ansatz bei der Auswertung. Über einen Lessons-Identified/Lessons-Learned-Prozess versuchen wir gewisse Aspekte – die wir validieren können – dann möglicherweise auch für unsere eigene Ausbildung und Übung zu nutzen.

Wo gibt es momentan Projekte, bei denen Sie sagen: Das KSK braucht noch diese und jene Ausrüstung. Beschaffungsprojekte, die entweder gerade angestoßen werden oder die dringend angestoßen werden müssen?

Es sind insbesondere in den letzten Jahren – auch mit den neuen Möglichkeiten, die wir über Sondervermögen bekommen haben – viele, viele Rüstungsprojekte angestoßen worden. Diese waren auch dringend notwendig. Jetzt sind diese Beschaffungen im Zulauf. Sie sind in der Realisierung, in der Umsetzung.

Der Bundesminister für Verteidigung, Poris Pistorius, besucht das Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw.
Der Bundesminister für Verteidigung, Poris Pistorius, besucht das Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw.
Foto: Bundeswehr / Marco Dorow

Darüber hinaus haben wir immer wieder weiteren Bedarf, insbesondere im Bereich der Nutzung moderner Technologien. Egal, ob das jetzt eine künstliche Intelligenz ist oder die Weiterentwicklung von Satellitentechniken. Da kann man sehr quer denken: Alles das, was in den Innovationszentren momentan auf der Tagesordnung steht, ist für uns auch relevant und interessant. Die Nutzung moderner Technologien trägt am Ende auch dazu bei, die von mir eben angesprochene Nasenspitze Vorsprung herzustellen.

Nachfrage dazu: Haben Sie das Gefühl, dass das KSK bei neuen Beschaffungen ausreichend gut berücksichtigt wird?

Also ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass wir – wie das auch schon an unterschiedlicher Stelle angeklungen ist – durchaus Vorreiter sind; Innovationstreiber. Das kann ich auch für diesen Bereich sagen. Wir haben durchaus einige Fähigkeiten. Aber aufgrund der Tatsache, dass die Innovationszyklen tatsächlich sehr gering sind und sich immer wieder neue Technologien ergeben, die rasch in die Nutzung gebracht werden, müssen wir natürlich auch schauen, dass wir auf Ballhöhe bleiben. Wir müssen uns mit Neuem schnell anfreunden und es in die Nutzung bringen.

Wenn man an unbemannte Luftfahrzeuge denkt, die Wirkung ins Ziel bringen, dann wird da beim KSK derzeit noch viel selbst gebastelt, oder?

Wir haben die Fähigkeit zum Selbstbauen. Die ist, glaube ich, auch mittlerweile sehr verbreitet und in einem sehr fortgeschrittenen Stadium. Wir nutzen übrigens alle Einsatzmöglichkeiten von Drohnen – in der Luft, aber auch bodengebunden.

Herr General, vielen Dank für das Gespräch!
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