Laserwaffe für Fregatten: Rheinmetall und MBDA handeln

Deutschland war – industriell gesehen – im Bereich der Laserwaffen von Anfang an ganz vorne dabei, auf Augenhöhe mit den USA und anderen internationalen Playern. Doch die Beschaffung verspielte diesen Vorteil, fertige Systeme wurden zwar erprobt, doch keine Verträge vergeben. Der Grund: Laserwaffen gelten immer noch als problematisch, müssten – obwohl es sich um Waffen handelt – unter anderem „Augensicher“ sein, dürften also den Gegner nicht blenden. Doch nun schließt sich die deutsche Industrie zusammen, um wenigstens im Marine-Bereich für die Bundeswehr voranzuschreiten.

Nach der Integration des Laserwaffendemonstrators auf der Fregatte 124 SACHSEN im Juni 2022 wurde die Erprobung des Systems auf See bereits im Herbst 2023 erfolgreich abgeschlossen.
Nach der Integration des Laserwaffendemonstrators auf der Fregatte 124 SACHSEN im Juni 2022 wurde die Erprobung des Systems auf See bereits im Herbst 2023 erfolgreich abgeschlossen.
Foto: Rheinmetall

Heute verkündeten die beiden Unternehmen Rheinmetall und MBDA Deutschland, dass sie im ersten Quartal 2026 ein Gemeinschaftsunternehmen für ihre Marine- Laser-Aktivitäten gründen wollen. „Die neue Gesellschaft greift die seit 2019 bestehende Kooperation und die erfolgreiche Umsetzung eines Marinelaserdemonstrators auf, um hochleistungsfähige und innovative Laserwaffensysteme – zunächst für die Marine – zu entwickeln und zur Verfügung zu stellen“, berichtet MBDA Deutschland. „Die Deutsche Marine soll ein operationelles Laserwaffensystem erhalten, das komplementär zu Rohrwaffen und Lenkflugkörpern, insbesondere zur Abwehr von Drohnen und weiteren hochagilen Zieltypen im Nah- und Nächstbereich geeignet ist.“

Laserwaffe schlummert in der Erprobung

Einen gemeinsam erstellten Demonstrator gibt es bereits, dieser wurde sehr erfolgreich von Juni 2022 bis September 2023 auf der Fregatte 124 SACHSEN erprobt. Doch nach der einjährigen Testphase zur See mit mehr als 100 Beschüssen und Trackingversuchen gegen verschiedene Ziele, unter anderem auch gegen „Blue Sky“, also ohne die Landschaft als Strahlenfang zu nutzen, wurde der Laserdemonstrator für die Marine zur weiteren Erprobung an das Laserkompetenzzentrum der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTD 91) in Meppen transferiert. Dort liegt er seitdem, während die Britische Marine erst im Dezember 2025 meldete, die erste Laserwaffe auf einem europäischen Kriegssschiff fest installiert zu haben. Großbritannien überholt also aktuell Deutschland, weil Laserwaffen nicht gewollt sind, trotz ihrer erwiesenen Wirksamkeit besonders gegen Drohnen.

Doch aktuell soll der deutsche Laserdemonstrator in der WTD91 wieder in Betrieb genommen worden sein und zur Erprobung der Drohnenabwehr – auch landgestützt – genutzt werden. Wobei in der einjährigen Testphase auf der Fregatte SACHSEN bereits alle notwendigen Fähigkeiten nachgewiesen wurden, im Kern natürlich die Fähigkeit die Ziele präzise, schnell und kollateralschadensarm zu bekämpfen.

Insbesondere auch gegen anspruchsvollste Ziele und unter widrigen Umweltbedingungen ist das System dabei nachweisbar in der Lage, einen Haltepunkt in der Größe einer Ein-Euromünze auf einem weit entfernten Ziel stabil zu verfolgen und punktgenau die Energie der Laserwaffe dorthin zu bündeln. Diese Präzisionsfähigkeit im Tracking und in der Bekämpfung verhindert einen Vorbeischuss am Ziel und gewährt damit größtmögliche Sicherheit.

Rheinmetall und MBDA Deutschland gründen GmbH

Im Rahmen der bestehenden Kooperation haben Rheinmetall und MBDA Deutschland also bereits ein System angeboten, das den militärischen Anforderungen in allen Punkten gerecht wird. Nun wird diese Industriekooperation ausgebaut.

„Dieser Schritt zeigt, wie gezielte industrielle und technologische Zusammenarbeit in Deutschland zu absoluter Spitzentechnik führen kann“, so Roman Köhne, Leiter der Rheinmetall-Division Weapon and Munition. „Von Beginn an haben sich beide Partner auf ihre Stärken fokussiert. Deshalb kann zielgerichtet in kurzer Zeit der Bundeswehr ein Produkt angeboten werden, dass in der Summe seiner Eigenschaften einzigartig ist. Darüber hinaus wurde von Anfang an ein Schwerpunkt in der Nationalisierung der Technologie gelegt: Neben staatlicher Souveränität und Versorgungssicherheit in Krisenfällen, ist es ein Ziel, langfristig Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten, auf- und auszubauen.“

„Mit dieser GmbH setzen wir neue Maßstäbe in der Entwicklung und Produktion hochmoderner militärischer Laserwaffensysteme designed und made in Germany“, erklärt Thomas Gottschild, Geschäftsführer MBDA Deutschland. „Sie manifestiert die Vorteile der langjährigen Zusammenarbeit und unterstreicht das Engagement beider Unternehmen, schnellstmöglich das erfolgreich erprobte maritime Produkt marktverfügbar zu machen und der Bundeswehr weitere Drohnenabwehrmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Durch die Kombination komplementärer und innovativer Kernkompetenzen können wir ein technologisch führendes, qualifiziertes und einsatzfähiges Laserwaffensystem für die Deutsche Marine anbieten.“

Wann die Deutsche Marine – bzw. das BAAINBw – dieses Angebot allerdings annimmt, ist aktuell noch unklar.

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