Beim Thema Brigade Litauen ist meistens von Panzern, Drohnen und Grenadieren die Rede. Doch klar ist auch: Wenn deutsche Soldaten dauerhaft an der NATO-Ostflanke stationiert sind, benötigen sie ausreichende sanitätsdienstliche Unterstützung. Diese soll größer ausfallen als bisher bekannt, wie der Kommandeur der Brigade 45, Brigadegeneral Christoph Huber, im Interview mit dem Defence Network verriet: Ein Sanitätsbataillon soll 2027 nach Litauen verlegen. Dieser Artikel erschien zuerst auf Military-Medicine.com.

Im gestern erschienenen Interview hat Brigadegeneral Huber, Kommandeur der Panzerbrigade 45 „Litauen“, eher beiläufig ein neues Detail zur sanitätsdienstlichen Unterstützung seiner Truppe erwähnt. „Perspektivisch werden wir ein Sanitätsbataillon hier vor Ort haben, das in der zweiten Jahreshälfte 2027 nach Litauen verlegen wird“, so General Huber.
Öffentlich war bisher nicht bekannt, dass die Sanitätskräfte in dieser Stärke ins Baltikum verlegen. Nach Informationen von Defence Network soll der Verband die Bezeichnung „Sanitätsbataillon Litauen“ tragen. Er wird derzeit in Deutschland personell und materiell aufgefüllt und stellt damit seine Verlegebereitschaft her.
Vom Sanitätszentrum zur Rettungskette
„Derzeit ist der Sanitätsdienst in Litauen am Standort Rudninkai mit einem Sanitätszentrum vertreten, das die truppenärztliche und zahnärztliche Versorgung im Rahmen der unentgeltlichen truppenärztlichen Versorgung sicherstellt“, so ein Sprecher des Unterstützungskommandos der Bundeswehr gegenüber Defence Network. In der Zielstruktur ist ein zweites Sanitätszentrum in Rukla vorgesehen.

Wann dieses kommt, hänge vom Aufwuchs der Brigade und von der verfügbaren Infrastruktur ab. Im Friedensbetrieb – wie er trotz des hybriden Kriegs Russlands gegen Deutschland und die NATO derzeit stattfindet – werden die Sanitätskräfte vom Unterstützungskommando geführt, dessen stellvertretender Kommandeur, Generaloberstabsarzt Ralf Hoffmann, zeitgleich Befehlshaber des Zentralen Sanitätsdienstes der Bundeswehr ist. Eine Unterstellung gegenüber dem Heer findet nicht statt – auch nicht in Litauen. Das Sanitätsbataillon Litauen wird demnach nicht in die Panzerbrigade 45 integriert.
Im Fall der Bündnisverteidigung ändert sich das für einen Teil: Die Role-1-Kräfte (Rettungsstation) werden dem Heer unterstellt, aber „Kräfte der Role 2 (Rettungszentrum/Sanitätsbataillon) allerdings auch dann nicht“, so der Sprecher. Für die Panzerbrigade 45 und andere deutsche Kräfte in Litauen sind sowohl Role 1 als auch Role 2 ausgeplant. Diese Kräfte sollen ihre volle Einsatzfähigkeit zum 1. Januar 2028 hergestellt haben.
Rettungskette vom Baltikum nach Deutschland
Wie das im Gefecht zusammenspielt, beschreibt die Rettungskette für den Fall der Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV). Sie beginnt bei den Ersthelfern A und B, also Soldaten der Kampftruppe, die in etwa einer Woche Basisausbildung vor allem die Blutstillung lernen.

Ein Rettungstrupp – in der Regel mit einem geschützten Sanitätsfahrzeug – bringt Verwundete zur Rettungsstation der Role 1. Dort erfolgen Sichtung und Stabilisierung. Die Role 2 bietet auf Brigadeebene notfallchirurgische Versorgung mit OP, Intensivbetten und Bettenstation. Auf Divisionsebene steht im Fall der Bündnisverteidigung das Einsatzlazarett der Role 3 mit bis zu 144 Betten bereit.
Wie groß der Bedarf werden könnte, zeigt eine Zahl, die für LV/BV genannt wird: Derzeitige Schätzungen gehen von bis zu 1.000 Verwundeten pro Tag aus. Das allerdings ist eine Planungsgröße für das gesamte Szenario und keine Prognose für die Brigade Litauen. Am Einsatzlazarett liegt auch der Verladepunkt für den strategischen Verwundetentransport in die Heimat.
Wie viele Sanitäter kommen nach Litauen?
Wie viele Sanitätskräfte genau nach Litauen verlegen, ist derzeit nicht bekannt – ein Sanitätsbataillon umfasst typischerweise mehrere Hundert Soldaten in mehreren Kompanien. Nach Informationen, die Defence Network vorliegen, soll sich das Sanitätsbataillon Litauen in der bekannten Gesamtzahl für die Brigade Litauen wiederfinden, die für alle in Litauen stationierten Kräfte dient: rund 4.800 Soldaten und 200 zivile Mitarbeiter. Daher gilt im Rahmen der Zielstruktur: Je höher die Zahl der Sanitätskräfte, desto geringer die Zahl der kämpfenden Truppe.

Auch die Zahl der Sanitätskräfte, die bereits in Litauen sind, ist nicht öffentlich bekannt. Das Unterstützungskommando verweist allerdings auf einen zweigeteilten Ansatz mit Präsenzkräften in Litauen und Aufwuchskräften in Deutschland. Dazu sagt der Sprecher: „So kann und wird eine umfängliche sanitätsdienstliche Unterstützung der gesamten Brigade Litauen sichergestellt.“
Sanitätsbataillon Litauen – Üben für den Ernstfall
Dass der Sanitätsdienst für General Huber jedoch von Bedeutung sei, sagt er im Interview deutlich: „Die Verwundetenversorgung [hat] für mich Top-Priorität.“ Man schule mithilfe des Sanitätsdienstes die Soldaten bei jeder Übung darin; beginnend mit der Selbst- und Kameradenhilfe.
Im November führt die Brigade die Übung „Freedom Shield 26-II“ durch. Dabei wird auch die Rettungskette mit realistischen Entfernungen bis zur Role 2 durchgespielt: Reichen die Fahrzeuge, und was muss die Kampftruppe beim CASEVAC bis zur Role 1 selbst leisten?
Das Sanitätsbataillon, das in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres hinzukommt, soll die Zusammenarbeit zwischen Kampf- und Sanitätstruppe dann noch enger machen, als sie in Deutschland wegen „knapper Ressourcen“ manchmal sei, so General Huber.
Bleiben Sie auf dem Laufenden.
Die wichtigsten Nachrichten aus Verteidigung und Wehrtechnik — auf Ihrem Kanal.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung!

Neuigkeiten direkt auf Ihr Handy: Scannen Sie den QR-Code — oder öffnen Sie den Kanal direkt.
Kanal öffnenKostenlos · jederzeit verlassen · Ihre Nummer bleibt für uns anonym.










