Enforce Tac: Industrielle Leistungsfähigkeit ist sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit

Parallel zur Enforce Tac 2026 in Nürnberg wird das Side-Event AMMO Symposium 2026 durchgeführt. Es findet am 24. Februar von 10.30 bis 15.00 Uhr im Raum St. Petersburg des NCC Ost statt.

Eindruck vom AMMO Symposium 2025. Auch dieses Jahr wird das Symposium während der Enforce Tac wieder international und hochgradig besetzt sein.
Eindruck vom AMMO Symposium 2025. Auch dieses Jahr wird das Symposium während der Enforce Tac wieder international und hochgradig besetzt sein.
Foto: RWS

Das Symposium widmet sich den aktuellen Herausforderungen und Strategien der Munitionsbeschaffung in einer zunehmend unvorhersehbaren globalen Lage. „Nach dem letztjährigen Erfolg bietet das Ammo Symposium in 2026 erneut eine einzigartige Plattform, um die drängendsten Herausforderungen und Lösungen im Bereich der Munitionsbeschaffung zu beleuchten“, so die Messe Nürnberg bei der Vorankündigung.

Führende Vertreter internationaler Streitkräfte sowie aus Industrie und Politik kommen am 24. Februar 2026 auf der Enforce Tac, der internationalen Fachmesse für innere und äußere Sicherheit, in Nürnberg zusammen, um im Rahmen des Ammo Symposiums fortschrittliche und bewährte Strategien sowie innovative Ansätze für eine widerstandsfähige Munitionsversorgung zu diskutieren.

Unterstützt wird das Ammo Symposium von RWS (Rheinisch-Westfälischen Sprengstofffabriken), als RWS GmbH seit 2022 ein Tochterunternehmen von Beretta.

 

Defence Network sprach im Vorfeld der Enforce Tac mit Alexandra Cristea, Vice President Sales / R&D, RWS GmbH
Alexandra Cristea, Vice President Sales / R&D, RWS GmbH.
Alexandra Cristea, Vice President Sales / R&D, RWS GmbH.
Foto: RWS

Defence Network: Frau Cristea, an wen richtet sich das Ammo Symposium ausschließlich an RWS Kunden?

Cristea: Nein, ganz bewusst nicht. Das Ammo Symposium ist kein Kunden-Event, sondern eine strategische Plattform. Wir bringen einen ausgewählten Kreis von Entscheidungsträgern aus Streitkräften, Beschaffungsorganisationen, Politik, NATO und EU Institutionen sowie der Industrie zusammen.

Ziel ist ein offener, aber fokussierter Dialog darüber, wie sich politische Ambition, industrielle Leistungsfähigkeit und operative Anforderungen besser miteinander verzahnen lassen, über Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg.

 

Defence Network: Der Titel lautet „Mastering Ammunition Procurement in Times of Combat Readiness“. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation bei Kleinkaliber Munition in Europa?

Cristea: Europa hat in den letzten Jahren sehr deutlich gelernt: industrielle Leistungsfähigkeit ist sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit.

Im Bereich Kleinkaliber sehen wir zwar erhebliche Investitionen und Kapazitätsausweitungen, gleichzeitig aber weiterhin strukturelle Engpässe, etwa bei Rohstoffe, Genehmigungsprozessen, qualifiziertem Personal und vor allem bei der langfristigen Planbarkeit von Abrufen.

Bevorratung, industrielle Skalierung und verlässliche Nachfrage müssen wesentlich enger zusammengedacht werden, wenn wir echte Durchhaltefähigkeit erreichen wollen.

 

Defence Network: Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Stellschrauben – sowohl für Industrie als auch Beschaffer?

Cristea: Für die Industrie sind es Investitionssicherheit, robuste Lieferketten, Automatisierung und Fachkräfte.

Für Beschaffer geht es um mehrjährige Planungssicherheit, realistische Abrufprofile und schnellere Entscheidungsprozesse.

Nur wenn beide Seiten ihre Prozesse besser synchronisieren, lassen sich industrielle Skalierung und operative Einsatzbereitschaft nachhaltig in Einklang bringen.

 

Defence Network: Welche Maßnahmen ergreift RWS konkret?

Cristea: RWS investiert seit mehreren Jahren gezielt in Kapazitätserweiterung, Automatisierung und insbesondere in den Bereich Zünd- und Anzündsysteme.

Parallel entwickeln wir unser Portfolio weiter, sowohl für neue Bedrohungsszenarien als auch für effiziente Trainingslösungen. Zudem arbeiten wir eng mit Kunden an flexiblen Beschaffungs- und Bevorratungskonzepten, um kurzfristige Einsatzanforderungen mit langfristiger Planung zu verbinden.

 

Defence Network: Die Ankündigung spricht von gemeinschaftlichen und innovativen Lösungsansätzen. Wie sehen diese konkret aus?

Cristea: Gemeinschaftliche Lösungen bedeuten für uns vor allem: frühe Einbindung der Industrie, abgestimmte Standards und gemeinsame Planung über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

Innovation zeigt sich nicht nur im Produkt, sondern auch in Beschaffungsmodellen, Qualifizierungsprozessen und der multinationalen Zusammenarbeit.

Genau diese Themen greifen wir im Symposium auf, etwa im Panel „From strategy to supply“, wo wir diskutieren, wie politische Zielsetzungen, industrielle Kapazitäten und operative Bedarfe besser aufeinander abgestimmt werden können

 

Defence Network: Was sind die Eckdaten des Symposiums? Wer spricht und welche Themen stehen im Fokus?

Cristea: Das Ammo Symposium findet am 24. Februar 2026 im Rahmen der Enforce Tac in Nürnberg statt.

Ein zentrales Highlight ist die Keynote von Generalleutnant Kai Rohrschneider, Commander NATO Allied Joint Support and Enabling Command, zum Thema „Enabling deployment and sustainment of large-scale NATO Forces packages“. Weitere Beiträge kommen u. a. von der Europäischen Kommission (DG DEFIS), von nationaler Seite sowie von NATO Allied Command Transformation (ACT).

Thematisch geht es um Einsatzbereitschaft, industrielle Skalierung, europäische Kooperation und operative Lessons Learned aus aktuellen Konflikten. Ziel ist ein strategischer Austausch auf Entscheidungsebene, kein Produkt-Event.

 

Defence Network: Das Symposium findet im Rahmen der Enforce Tac statt. Welche Neuheiten zeigt RWS?

Cristea: Auf der Enforce Tac präsentieren wir unter anderem:

  • Die 5,56×45 LF TRAINING SX, eine bleifreie Trainingslösung mit Zinnkern, reduziertem Rückprallrisiko, SINTOX-Zündhütchen und REACH-konformer Treibladung, ideal für effizientes Training in geschlossenen Schießanlagen;
  • Die ACTION PI SXF, speziell für Indoor Schießanlagen entwickelt, mit Weicheisenkern, reduzierten Emissionen und vollständigem Verzicht auf Schwermetalle, wirtschaftlich und nachhaltig einsetzbar.

Beide Produkte stehen exemplarisch für unseren Fokus auf Sicherheit, Leistungsfähigkeit und praxisnahe Lösungen.

 

Defence Network: Wie ist der Stand bei der Urban Drone Defence (UDD)?

Cristea: Die Urban Drone Defence (UDD) wurde entwickelt, um eine kinetische, risiko-reduzierte Antwort auf die wachsende Drohnenbedrohung im urbanen Umfeld zu bieten.

Aktuell befindet sich die UDD in Test- und Evaluierungsphasen bei mehreren NATO Partnern. Dabei werden Wirkung, Sicherheit und Integration in bestehende Systeme geprüft. Das konkrete Interesse bestätigt den Bedarf an pragmatischen, kurzfristig verfügbaren Lösungen zur Ergänzung bestehender Luftverteidigungskonzepte.

 

Defence Network: Zurück zum Symposium, wer kann teilnehmen?

Cristea: Die Teilnahme erfolgt auf Einladung. Eingeladen werden gezielt Vertreter relevanter Institutionen und Organisationen.

Interessierte können ihr Interesse über RWS oder die Enforce Tac anmelden. Wichtig ist uns, einen arbeitsfähigen, inhaltlich starken Kreis zusammenzubringen – Qualität vor Quantität.

Agenda mit Übersicht der Sprecher.
Agenda mit Übersicht der Sprecher.

Text: Redaktion / af

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