Morana – Artillerie aus Tschechien ist die neue Wahl Lettlands

Lettland vollzieht eine Kehrtwende bei der Artilleriebeschaffung: Die tschechische Selbstfahrlafette Morana von Excalibur Army (CSG Group) soll anstelle des schwedischen Systems Archer bestellt werden. Es ist der erste bekannte Verkauf des Systems. Wie die Morana im direkten Vergleich zum Archer abschneidet und warum Lettland sich plötzlich für eine andere 155-mm-Haubitze entschieden hat, lesen Sie im folgenden Beitrag.

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Die Radhaubitze Morana des tschechischen Herstellers Excalibur Army wurde jetzt erstmals verkauft: an Lettland.
Foto: Excalibur Army

Bereits am Dienstag beschloss das lettische Kabinett, was erst gestern durch das Verteidigungsministerium bekannt wurde: Lettland beschafft 155-mm-Radhaubitzen vom Typ Morana zu beschaffen, um die Feuerunterstützungsfähigkeiten der eigenen Streitkräfte deutlich zu stärken. Wie viele Systeme gekauft werden und zu welchem Preis, wurde nicht bekannt.

Die Entscheidung schien eigentlich längst getroffen: Das lettische Verteidigungsministerium hatte im Mai 2024 eine Marktforschung begonnen und in der Folge sowohl mit BAE Systems Bofors über den Archer als auch mit Excalibur Army über die Morana verhandelt.

Noch im März dieses Jahres unterzeichneten Lettland und Schweden eine Absichtserklärung zur Beschaffung von 18 Radhaubitzen Archer (Defence Network berichtete), doch jetzt folgte die Kehrtwende. Laut Angaben des lettischen Verteidigungsministeriums habe eine erneute Prüfung ergeb, dass sich das Archer-Vorhaben angesichts der benötigten Finanzmittel und der vergleichsweise langen Lieferzeiten innerhalb der verfügbaren Ressourcen nicht umsetzen ließe.

Die daraufhin wieder aufgenommenen Verhandlungen mit Excalibur Army mündeten hingegen in ein Angebot für ein nach Einschätzung Lettlands „operativ gleichwertiges System“ zu einem günstigeren Preis und besseren Lieferkonditionen. Zusätzlich sieht der Vertrag eine Beteiligung der lettischen Verteidigungsindustrie vor.

Rheinmetall Radhaubitze auf HX3 8x8-Fahrgestell mit geometrischer Tarnlackierung auf einem befestigten Freigelände
Radhaubite aus Teschchien: Morana.
Foto: Excalibur Army

Die Letten betonten allerdings ausdrücklich, dass Schweden weiterhin ein strategischer Partner bleibe. Im Januar 2026 unterzeichneten beide Länder eine Verteidigungskooperations-Roadmap, und Riga bezieht weiterhin schwedisches Material, etwa die Flugabwehrsysteme RBS 70 NG und die Radaranlagen Giraffe 1X von Saab.

Morana: Aufbau und Funktionsweise

Die Morana wurde vom tschechischen Rüstungsunternehmen Excalibur Army, einem Mitglied der Czechoslovak Group (CSG), gemeinsam mit dem Lkw-Hersteller Tatra Trucks entwickelt. Vorgestellt wurde das System erstmals 2022 auf der Eurosatory in Paris als Technologiedemonstrator.

Die Morana baut dabei auf den Erfahrungen mit den Haubitzen Dana und Dita auf, verfolgt konstruktiv aber ein neues Konzept: Anders als bei den Vorgängersystemen sitzt der unbemannte Waffenturm nicht mittig, sondern am Heck des Fahrgestells, während das Triebwerk hinter der Kabine verbaut ist.

Das Herzstück der Morana ist eine vollautomatische 155-mm-Kanone mit einer 52er Rohrlänge, montiert in einem eigenständigen, gepanzerten Turm. Damit kombiniert das System die Vorteile leichterer Kanonen-Fahrzeuge mit der Schutzausstattung schwerer Kettenhaubitzen. Grundlage ist ein modifiziertes Tatra-Force-Fahrgestell mit Allradlenkung.

Tschechische Radhaubitze DITA von Excalibur Army mit ausgefahrenen Stützen und ausgerichtetem 155-mm-Geschütz in unbefestigtem Gelände
Eine Luftaufnahme zeigt die tschechische Radhaubitze DITA von Excalibur Army. Gut sichtbar: Der Turm ist in der Fahrzeugmitte angebracht.
Foto: Excalibur Army

Die dreiköpfige Besatzung – Fahrer, Richtschütze, Kommandant – sitzt vollständig geschützt in der modularen EA-Puma-Kabine, die nach STANAG 4569 Level 2 gegen Beschuss und Minen zertifiziert ist. Die Kabine ist überdruckbelüftet und mit ABC-Filtern ausgestattet.

Technische Details

  • Kaliber: 155 mm
  • Rohrlänge: 52 Kaliber
  • Feuerrate: bis zu 6 Schuss in der ersten Minute
  • Reichweite: bis zu 41,5 km mit reichweitengesteigerter Munition
  • Fahrgestell: Tatra Force 8×8
  • Besatzung: 3 Soldaten (Fahrer, Richtschütze, Kommandant)
  • Munitionsvorrat: 45 Schuss an Bord
  • Maximale Geschwindigkeit: 90 km/h auf der Straße
  • Motorisierung: 600-PS-Motor, Automatikgetriebe, Zentralreifendruckregelanlage (CTIS)
  • Einsatzbereitschaft: ca. 40 Sekunden nach Erreichen der Feuerstellung

Automatisierung als Kernkompetenz

Wie beim Archer ist auch bei der Morana die weitgehende Automatisierung zentraler Vorteil gegenüber früheren Haubitzen. Ein Bordrechner übernimmt Navigation, Zieldatenberechnung, Munitionsmanagement und automatische Rohrausrichtung – die gesamte Feuerleitung erfolgt aus der Kabine heraus, ohne dass die Besatzung aussteigen muss.

Dennoch verfügt die Morana über einen Notfallmodus. Sollte das für die Automatisierung zuständige System ausfallen, lässt sich die Haubitze über optische Hilfsgeräte manuell ausrichten. Der Turm verfügt zudem über eine eigene Stromversorgung, sodass die Waffe auch bei Motorausfall der Radplattform funktionsfähig bleibt. Für den Nahbereich steht der Besatzung eine Sekundärwaffe zur Verfügung, mit der sie sich laut Excalibur Army auch gegen Drohnenangriffe schützen können soll.

Morana versus Archer – Radhaubitzen im Vergleich

Der schwedische Archer von BAE Systems Bofors gilt seit seinem Einsatz in der Ukraine als bekannte und erprobte Radhaubitze. Auch das lettische Verteidigungsministerium spricht von einem „einsatzgleichen Artilleriesystem“. Doch: Gibt es Unterschiede?

Das mobile Artilleriesystem Archer von BAE Systems, montiert auf einem getarnten HX-Fahrgestell von Rheinmetall.
Das mobile Artilleriesystem Archer von BAE Systems, montiert auf einem getarnten HX-Fahrgestell von Rheinmetall.
Foto: Navid Linnemann

Beide Systeme verfolgen ein ähnliches Grundkonzept: ein voll automatisiertes 155-mm/52-Kaliber-Geschütz auf einem geschützten Radfahrgestell, bedient von einer kleinen, in der gepanzerten Kabine sitzenden Besatzung.

Im direkten Vergleich zeigen sich dennoch Unterschiede:

  • Feuerrate: Der Archer erreicht bis zu 9 Schuss pro Minute, während EA für die Morana lediglich bis zu 6 Schuss in der ersten Minute und 5 Schuss pro Minute im Dauerfeuer angibt – der Archer liegt hier vorn.
  • Feuerbereitschaft: Gerade bei mobilen Radhaubitzen ist eine schnelle Schussabgabe unabdingbar, um nicht selbst aufgeklärt zu werden. Wenn das System nicht aus der Fahrt schießen kann (wie die deutsche RCH 155), dann zumindest schnell nach Erreichen der Stellung. Für Archer sind hier 20 Sekunden dokumentiert, während EA für Morana 40 Sekunden angibt.
  • Reichweite: Beide Systeme bewegen sich in einem ähnlichen Rahmen; mit Präzisionsmunition wie der M982 Excalibur kann der Archer auf 50 bis 60 km kommen, während für die Morana Reichweiten bis 41,5 km angegeben werden – allerdings hängt dies stark von der verwendeten Munitionsart ab.
  • Munitionsvorrat: Die Morana führt 45 Schuss mit, der Archer 21 Geschosse. Die Haubitze aus Tschechien kann demnach mehr als doppelt so viele Ziele bekämpfen, bevor es zum Aufmunitionieren zurückgeht.
  • Fahrgestell: Der Archer basiert wahlweise auf einem modifizierten Volvo A30D (6×6) oder einem Rheinmetall-MAN-HX-Fahrgestell (8×8), während die Morana durchgängig auf dem Tatra-Force-8×8-Chassis mit dem charakteristischen Zentralrohrfahrgestell aufbaut, das besonders im schwierigen Gelände Vorteile bieten soll.
  • Besatzung: Beide Systeme kommen mit einer kleinen Crew aus – Archer mit 3 bis 4, Morana mit 3 Soldaten.

Unterm Strich sind sich beide Systeme konzeptionell sehr nahe, auch wenn der Archer schneller und weiter schießen kann. Beide setzen auf Radmobilität, hohe Automatisierung und minimale Besatzungsstärke. Der schwedische Archer bringt den Vorteil des längeren Einsatznachweises in der Ukraine mit, während die Morana als jüngeres System bislang nur auf Messen zu bestaunen war.

Radhaubitze RCH 155 von KNDS auf Boxer-Fahrgestell bei einer Erprobung in sandigem Gelände mit aufgewirbelter Staubwolke
Radhaubitze RCH 155
Foto: KNDS

Für Lettland gaben demnach die (nicht näher genannten) Kosten, die Lieferzeiten und die Einbindung der heimischen Rüstungsindustrie den Ausschlag zugunsten der Morana – nicht die technischen Faktoren.

Erster Erfolg für Morana aus Tschechien

Mit dem lettischen Beschaffungsentscheid kann die Morana ihren ersten Verkaufserfolg vorweisen. Das Artilleriesystem wurde bisher noch nicht einmal von den tschechischen Streitkräften beschafft – die entschieden sich zuletzt für 62 französische CAESAR-Haubitzen im Wert von rund 420 Millionen Euro.

Preis, Lieferzeit und industrieller Kompensation zeigen sich bei der lettischen Beschaffung demnach als Faktoren, die schwer wiegen als reine Leistungsdaten. Ob weitere Staaten dem lettischen Beispiel folgen, dürfte auch davon abhängen, wie sich die Morana in der Praxis bewährt.

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