

Die dreiköpfige Besatzung – Fahrer, Richtschütze, Kommandant – sitzt vollständig geschützt in der modularen EA-Puma-Kabine, die nach STANAG 4569 Level 2 gegen Beschuss und Minen zertifiziert ist. Die Kabine ist überdruckbelüftet und mit ABC-Filtern ausgestattet.
Technische Details
- Kaliber: 155 mm
- Rohrlänge: 52 Kaliber
- Feuerrate: bis zu 6 Schuss in der ersten Minute
- Reichweite: bis zu 41,5 km mit reichweitengesteigerter Munition
- Fahrgestell: Tatra Force 8×8
- Besatzung: 3 Soldaten (Fahrer, Richtschütze, Kommandant)
- Munitionsvorrat: 45 Schuss an Bord
- Maximale Geschwindigkeit: 90 km/h auf der Straße
- Motorisierung: 600-PS-Motor, Automatikgetriebe, Zentralreifendruckregelanlage (CTIS)
- Einsatzbereitschaft: ca. 40 Sekunden nach Erreichen der Feuerstellung
Automatisierung als Kernkompetenz
Wie beim Archer ist auch bei der Morana die weitgehende Automatisierung zentraler Vorteil gegenüber früheren Haubitzen. Ein Bordrechner übernimmt Navigation, Zieldatenberechnung, Munitionsmanagement und automatische Rohrausrichtung – die gesamte Feuerleitung erfolgt aus der Kabine heraus, ohne dass die Besatzung aussteigen muss.
Dennoch verfügt die Morana über einen Notfallmodus. Sollte das für die Automatisierung zuständige System ausfallen, lässt sich die Haubitze über optische Hilfsgeräte manuell ausrichten. Der Turm verfügt zudem über eine eigene Stromversorgung, sodass die Waffe auch bei Motorausfall der Radplattform funktionsfähig bleibt. Für den Nahbereich steht der Besatzung eine Sekundärwaffe zur Verfügung, mit der sie sich laut Excalibur Army auch gegen Drohnenangriffe schützen können soll.
Morana versus Archer – Radhaubitzen im Vergleich
Der schwedische Archer von BAE Systems Bofors gilt seit seinem Einsatz in der Ukraine als bekannte und erprobte Radhaubitze. Auch das lettische Verteidigungsministerium spricht von einem „einsatzgleichen Artilleriesystem“. Doch: Gibt es Unterschiede?

Beide Systeme verfolgen ein ähnliches Grundkonzept: ein voll automatisiertes 155-mm/52-Kaliber-Geschütz auf einem geschützten Radfahrgestell, bedient von einer kleinen, in der gepanzerten Kabine sitzenden Besatzung.
Im direkten Vergleich zeigen sich dennoch Unterschiede:
- Feuerrate: Der Archer erreicht bis zu 9 Schuss pro Minute, während EA für die Morana lediglich bis zu 6 Schuss in der ersten Minute und 5 Schuss pro Minute im Dauerfeuer angibt – der Archer liegt hier vorn.
- Feuerbereitschaft: Gerade bei mobilen Radhaubitzen ist eine schnelle Schussabgabe unabdingbar, um nicht selbst aufgeklärt zu werden. Wenn das System nicht aus der Fahrt schießen kann (wie die deutsche RCH 155), dann zumindest schnell nach Erreichen der Stellung. Für Archer sind hier 20 Sekunden dokumentiert, während EA für Morana 40 Sekunden angibt.
- Reichweite: Beide Systeme bewegen sich in einem ähnlichen Rahmen; mit Präzisionsmunition wie der M982 Excalibur kann der Archer auf 50 bis 60 km kommen, während für die Morana Reichweiten bis 41,5 km angegeben werden – allerdings hängt dies stark von der verwendeten Munitionsart ab.
- Munitionsvorrat: Die Morana führt 45 Schuss mit, der Archer 21 Geschosse. Die Haubitze aus Tschechien kann demnach mehr als doppelt so viele Ziele bekämpfen, bevor es zum Aufmunitionieren zurückgeht.
- Fahrgestell: Der Archer basiert wahlweise auf einem modifizierten Volvo A30D (6×6) oder einem Rheinmetall-MAN-HX-Fahrgestell (8×8), während die Morana durchgängig auf dem Tatra-Force-8×8-Chassis mit dem charakteristischen Zentralrohrfahrgestell aufbaut, das besonders im schwierigen Gelände Vorteile bieten soll.
- Besatzung: Beide Systeme kommen mit einer kleinen Crew aus – Archer mit 3 bis 4, Morana mit 3 Soldaten.
Unterm Strich sind sich beide Systeme konzeptionell sehr nahe, auch wenn der Archer schneller und weiter schießen kann. Beide setzen auf Radmobilität, hohe Automatisierung und minimale Besatzungsstärke. Der schwedische Archer bringt den Vorteil des längeren Einsatznachweises in der Ukraine mit, während die Morana als jüngeres System bislang nur auf Messen zu bestaunen war.

Für Lettland gaben demnach die (nicht näher genannten) Kosten, die Lieferzeiten und die Einbindung der heimischen Rüstungsindustrie den Ausschlag zugunsten der Morana – nicht die technischen Faktoren.
Erster Erfolg für Morana aus Tschechien
Mit dem lettischen Beschaffungsentscheid kann die Morana ihren ersten Verkaufserfolg vorweisen. Das Artilleriesystem wurde bisher noch nicht einmal von den tschechischen Streitkräften beschafft – die entschieden sich zuletzt für 62 französische CAESAR-Haubitzen im Wert von rund 420 Millionen Euro.
Preis, Lieferzeit und industrieller Kompensation zeigen sich bei der lettischen Beschaffung demnach als Faktoren, die schwer wiegen als reine Leistungsdaten. Ob weitere Staaten dem lettischen Beispiel folgen, dürfte auch davon abhängen, wie sich die Morana in der Praxis bewährt.
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