Perimeterschutz galt lange als vergleichsweise unspektakuläre Disziplin der Flughafensicherheit: Zäune, Kameras, Bewegungsmelder, Streifenfahrten entlang der Außengrenze des Vorfelds. Wer unbefugt auf das Gelände gelangte, kam meist zu Fuß oder mit dem Auto. Doch die Bedrohungslage hat sich um eine dritte Dimension erweitert: den unteren Luftraum selbst. Der Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle hat die Bedrohung aus dem unteren Luftraum schlagartig ins Bewusstsein von Öffentlichkeit und Politik gerückt: Erstmals wurde an einem deutschen Flughafen eine mit Sprengstoff bestückte Drohne gezielt gegen Flugzeuge eingesetzt. Die Debatte über die Sicherung deutscher Flughäfen wird seitdem noch intensiver geführt.

Drohnenvorfälle über und an Flughäfen – wie Leipzig, Kopenhagen, Oslo, München und Brüssel – haben 2025 und 2026 wiederholt zu Betriebsunterbrechungen geführt. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen bezeichnete die Vorkommnisse in Kopenhagen als einen der schwersten Angriffe auf kritische Infrastruktur ihres Landes. Auch der Vorfall in Leipzig wurden von der Bundesanwaltschaft als schwerwiegenden Angriff auf die deutsche Transport- und Logistikinfrastruktur eingestuft, der geeignet sei, die innere und äußere Sicherheit der Bundesrepublik zu beeinträchtigen.
Die Bedrohung von oben: Counter-UAS wird zur Pflichtaufgabe
Störfälle mit unbemannten Flugkörpern (UAV) sind heute nicht mehr ungewöhnlich. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), das im August 2026 ein eigenes Technologiezentrum für Drohnensicherheit eröffnet, wurden 2025 an 25 Flughäfen 116 relevante Drohnen-Störfälle registriert. Bundesweit zählte die Deutsche Flugsicherung (DLS) 227 drohnenbedingte Behinderungen im deutschen Flugraum. Allein im ersten Halbjahr 2026 sind es bereits 166 Vorfälle.
Nach den wiederholten Drohnenvorfällen an deutschen und europäischen Flughäfen hat die Innenministerkonferenz beschlossen, acht zentrale deutsche Verkehrsflughäfen mit stationären Drohnendetektions- und -abwehranlagen auszustatten. Parallel baut die Bundespolizei eine eigene Drohnenabwehreinheit auf, ergänzt durch ein neu eröffnetes Drohnenabwehrzentrum.
Rechtlich ist es bislang ungeklärt, wer im Ernstfall den Befehl zum Abschuss einer Drohne über einem Flughafen geben darf und unter welchen Voraussetzungen. Aktive Gegenmaßnahmen wie RF-Jamming, GPS-Spoofing oder die physische Neutralisierung einer Drohne sind ausschließlich autorisierten Behörden – Polizei, Bundeswehr, Nachrichtendiensten – vorbehalten. Private Flughafenbetreiber können Drohnen detektieren und die zuständigen Stellen alarmieren, aber nicht selbst aktiv eingreifen. Diese Schutzlücke wird derzeit über die Reform von Bundespolizeigesetz und Luftsicherheitsgesetz adressiert.
Europäische Sicherheitsindustrie auf der XPONENTIAL Europe
Wie eng Perimeterschutz, Sicherheitsindustrie, Drohnenabwehr und U-Space inzwischen zusammengehören, zeigte sich auf der XPONENTIAL Europe 2026, der europäischen Leitmesse für autonome Technologien und Robotik, die jährlich in Düsseldorf stattfindet. Im Rahmen der Messe wird das European Drone Forum als führende Fachkonferenz für die unbemannte Luftfahrt in Europa ausgerichtet.
Im März 2026 war der damalige Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder Schirmherr der Messe. In seiner Eröffnungsrede kündigte er an, dass das Gesetz zur Einführung von U-Space nun zügig erarbeitet und verabschiedet werden solle – mit dem erklärten Ziel, dass Deutschland als erster EU-Mitgliedstaat über ein eigenständiges U-Space-Gesetz verfügt. Auf Basis dieses Gesetzes sollen Lufträume festgelegt werden, in denen bemannter und unbemannter Luftverkehr koordiniert nebeneinander stattfinden kann.
Schnieder betonte dabei ausdrücklich, dass für die digital gesteuerten Luftfahrzeuge neue automatisierte Systeme zur Luftraumüberwachung sowie stabile Kommunikationssysteme notwendig seien – Sicherheit also als Voraussetzung, nicht als nachgelagerte Frage. Auch sein Nachfolger Steffen Bilger folgt diesem Kurs und gab bekannt, dass er die weitere Ausrüstung der Flughäfen mit Detektions- und Abwehrtechnik beschleunigen zu wolle. Das auf der XPONENTIAL Europe angekündigte U-Space-Gesetz liegt in dessen Verantwortung – und trifft, wie der Vorfall von Leipzig/Halle gezeigt hat, auf eine Sicherheitsdebatte, die sich seit dem Frühjahr noch einmal spürbar verschärft hat.
Wie eng die Themen der Messe XPONENTIAL Europe und die akute Bedrohungslage beieinanderliegen, unterstreicht auch Malte Seifert, Director der XPONENTIAL Europe: „Wer die technologischen, regulatorischen und sicherheitspolitischen Entwicklungen in Europa verstehen will, findet auf der XPONENTIAL Europe in Düsseldorf die Unternehmen, Behörden, Regulatoren, Forschungseinrichtungen, Streitkräfte und Anwender, die diese Fragen diskutieren. Hier findet der Dialog statt und hier werden Lösungen diskutiert und präsentiert“.
Perimeterschutz wird dreidimensional
Der klassische Perimeterschutz – Zaun, Kamera, Wachpersonal, inzwischen ergänzt durch autonome Bodenroboter wie sie zum Beispiel in Hamburg eingesetzt werden – bleibt die Basis der Flughafensicherheit. Doch die eigentliche Herausforderung der kommenden Jahre liegt in der dritten Dimension: der Kontrolle des unteren Luftraums. Mit der U-Space-Verordnung, ihrer nationalen Umsetzung und dem angekündigten deutschen U-Space-Gesetz entsteht gleichzeitig ein regulatorischer Rahmen, der digitale Diensteanbieter, Luftsicherheitsbehörden und klassische Flughafensicherheit erstmals systematisch zusammenführen soll.
UAV DACH: Etablierung eines Echtzeit Lagebilds erforderlich
Dafür zwingend erforderlich sei die Etablierung eines einheitlichen Lagebilds und die verpflichtende elektronische Kennzeichnung aller Luftraumteilnehmer, so Dr. Gerald Wissel, Vorsitzender des Vorstands im UAV DACH – European Association for Unmanned Aviation: „Nur wenn die Sicherheitsbehörden jederzeit wissen, welche Luftfahrzeugsysteme hier legal unterwegs sind, lassen sich adäquate Gegenmaßnahmen ergreifen und die Sicherheit für bemannte und unbemannte Luftraumteilnehmer sowie am Boden gewährleisten.”
Quelle: Messe Düsseldorf
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