Rover-Konzept von IAV – alles auf einem Fahrwerk

Mit dem Rover demonstriert IAV, wie moderne unbemannte Bodensysteme aussehen könnten: modular, autonom, skalierbar – und praxisnah. Der Technologie-Demonstrator verbindet Follow-Me-UGV, Waffenstation, angebundene Drohne und C-UAS-Ansätze zu einem greifbaren Gesamtbild. Besonders spannend: IAV ist kein Rüstungsunternehmen, sondern ein Ingenieursdienstleister. Warum der Sprung von der Automobilwelt in den Verteidigungsbereich trotzdem gelingen kann, zeigt der Rover.

Der Rover von IAV verbindet verschiedene Fähigkeiten auf einer unbemannten Plattform.
Der Rover von IAV verbindet verschiedene Fähigkeiten auf einer unbemannten Plattform.
Illustration: IAV

Erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt hatte IAV das unbemannte Bodenfahrzeug (UGV) Rover auf der DroneVation in Wien. Warum trat dort ein Unternehmen, das seit über 40 Jahren Lösungen für Kunden aus der Automobilbranche entwickelt – IAV gehört zu 50 Prozent der Volkswagen AG – mit einer scheinbar fertigen Defence-Lösungen auf? Wer nachfragte erfuhr: IAV will den etablierten Rüstungsunternehmen mit dem Rover ein Angebot machen.

IAV – Wenn Automotive zu Defence wird

In den 80er als Ausgründung der TU Berlin gestartet, ist die IAV GmbH in erster Linie eine Ingenieursgesellschaft. Hier sitzen kluge Köpfe, die an unterschiedlichsten Projekten arbeiten, um das Produkt „Auto“ zu verbessern. Vorhandene Kompetenzen lassen sich aber auch für den wachsenden Verteidigungsmarkt nutzen.

Autonomes Fahren, Sensorik zur Kollisionsvermeidung und Skalierbarkeit in der Produktion sind gute Beispiele für Entwicklungen, in denen die Rüstung noch viel von der Automobilindustrie lernen kann. IAV steckt genau da drin.

Die Ingenieure entwickeln in ganz Deutschland und vielen internationalen Standorten – die Zentrale von IAV liegt in Berlin. Eine Produktion gibt es nicht; nur Werkstätten, in denen Prototypen und Demonstratoren gebaut werden können.

Testlabor mit Potenzial

Wichtig für den Erfolg einer entwickelten Lösung ist gutes Testen. Hierfür hat IAV neben bestehenden Kapazitäten erst vor anderthalb Jahren ein neues Testlabor in Heimsheim eröffnet. Es beherbergt eine EMV-Halle und HV-Prüfstände.

Auch für die Bundeswehr sind diese zivilen Testmöglichkeiten interessant, erklärte ein Vertreter von IAV gegenüber Defence Network. Nicht alles könne an den Wehrtechnischen Dienststellen geleistet werden. Bestimmte Crashtests oder Blitzeinschläge während des Fahrens, um zwei Beispiele zu nennen.

Der Rover von IAV

Der Rover – um den es in diesem Beitrag gehen soll – ist nicht nur ein theoretisches Konstrukt oder eine abstrakte Idee auf PowerPoint-Folien. Der Rover fährt tatsächlich. Er ist ein voll funktionsfähiger Technologie-Demonstrator, bewusst so gebaut, dass man die einzelnen Fähigkeiten bereits anfassen, erleben und diskutieren kann.

Mit dem Rover will IAV zeigen, was technisch möglich ist – auf einem realen, geländegängigen vierrädrigen und unbemannten Fahrzeug. Stolz ist man bei IAV auf die eigene Antriebsstrang-Expertise: Zuverlässige Leistungs- und Energiesysteme, die auf Ausdauer ausgelegt sind. Aber auch im Bereich Software wollen die Ingenieure punkten.

Im Zentrum steht dabei das teil-autonome Fahren. Der Rover beherrscht dies über gesetzte Wegpunkte ebenso wie Follow-Me-Szenarien.

Hierbei folgt das Fahrzeug einem Soldaten in definiertem Abstand und übernimmt Aufgaben, die heute körperlich extrem belastend sind: Transport von Gepäck, Wasser, Munition oder Verpflegung. Statt 50 oder 100 Kilogramm selbst zu tragen, kann der Soldat diese Last auf dem Rover mitführen. Auch Wegpunktnavigation oder vollständig autonome Fahrten – etwa für Nachschub in gefährdete Bereiche – sind Teil des Konzepts.

Flexibel in der Ausstattung

Darüber hinaus zeigt der Rover, wie sich verschiedene militärische Nutzlasten integrieren lassen. Exemplarisch wurde eine fernbedienbare Waffenstation aufgebaut. Derzeit handelt es sich nicht um ein selbstständig schießendes System. Die Bedienung erfolgt klassisch remote durch den Menschen.

Der Rover soll verteidigen können, nicht eigenständig kämpfen. Gleichzeitig macht IAV klar, dass weitere Funktionen – etwa KI-gestützte Assistenz – technisch integrierbar wären, wenn Kunden dies verlangen.

Drohne an der Leine

Ein besonders prägnantes Element des Konzepts ist die angebundene Drohne. Die Drohne ist über ein Kombikabel angebunden – Glasfaser für die Steuerung, Kupfer für die Energieversorgung (3 kW). Mit rund 50 Metern Kabellänge ergibt sich für die kleine Drohne eine nahezu unbegrenzte Flugdauer (solange der Rover Energie liefert).

Der Rover von IAV kommt mit einer kabelgebundenen Drohne für die eigene Aufklärung
Der Rover von IAV kommt mit einer kabelgebundenen Drohne für die eigene Aufklärung.
Illustration: IAV
Der Rover in Wien.
Der Rover in Wien.
Foto: CPM / Navid Linnemann
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