Unbemannte Systeme sind kein Allheilmittel – aber tragende Säule moderner Streitkräfte. So zumindest der Tenor auf der gestrigen Konferenz des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) – Uncrewed Skies 2026. Dort diskutierten Industrie und Bundeswehr, welche Lehren aus aktuellen Konflikten zu ziehen sind und wie schnell Fähigkeitslücken geschlossen werden müssen. In der einleitenden politischen Keynote wies der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Thomas Röwekamp, allerdings daraufhin, dass bei unbemannten Systemen und dem Einsatz von KI die ethische Frage noch nicht geklärt sei.
Bei der gestrigen Konferenz Uncrewed Skies 2026 des BDLI stand die rasante Entwicklung unbemannter Systeme im Mittelpunkt. In seiner politischen Keynote zeichnete der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages, Thomas Röwekamp, ein Bild tiefgreifender sicherheitspolitischer Veränderungen.
Der Krieg in der Ukraine habe gezeigt, wie sehr sich Kriegsführung gewandelt habe – Aussagen wie „ein Schiff ohne Mannschaft ist kein Schiff und ein Flugzeug ohne Pilot ist kein Flugzeug“ klängen heute wie aus einer anderen Zeit.
Röwekamp betonte die Notwendigkeit einer echten Partnerschaft zwischen Bundeswehr, Politik und Industrie. Es gehe nicht mehr um klassische Auftraggeber-Auftragnehmer-Beziehungen, sondern um gemeinsames, schnelles Handeln.
In den vergangenen Monaten und Jahren sei sehr viel über Defizite gesprochen worden, es gehe aber in vielerlei Hinsicht voran. Das müsse in den Fokus genommen und weitergetragen werden.
Unbemannte Systeme für die Streitkräfte
In einem breit angelegte Konferenzprogramm mit nach Teilstreitkräften gegliederten Panels zeigten sich allerdings große Unterschiede innerhalb der Bundeswehr. Während fliegende unbemannte Systeme bei Luftwaffe und Heer stark zum Zuge kommen, ist dies bei der Marine noch nicht der Fall.
Grundsätzlich spielen unbemannte Systeme – vorrangig in der Luft – in allen Dimensionen eine große Rolle. So unterstrich der stellvertretende Amtschef des Planungsamtes der Bundeswehr, Ministerialrat Matthias Damm, den dramatischen Bedeutungszuwachs auf dem Gefechtsfeld in der Ukraine. Zwischen 70 und 90 Prozent der Verluste seien dort auf Drohnen und Loitering Munition zurückzuführen.
„Das ist kein Nebeneffekt, das ist ein neuer Teil des Kriegsbildes“, so Damm. Der Kampf werde zunehmend durch Masse, Schwärme, Automatisierung und künstliche Intelligenz bestimmt. Für die Bundeswehr bedeute das einen klaren Aufholauftrag – insbesondere bei bewaffneten und teilautonomen Systemen – in allen Dimensionen.
Damm machte auch klar: Es geht nicht um Insellösungen, sondern um die Einbettung unbemannter Systeme in Multi-Domain Operations. Offene Schnittstellen, Interoperabilität und softwaredefinierte Verteidigung seien dabei zentrale Prinzipien.
KI & Drohnen – Ethische Frage nicht geklärt
Man kann sich kaum daran erinnern, doch noch vor wenigen Jahren wurde in Deutschland eine breite Debatte darüber geführt, ob die Bundeswehr auch Drohnen beschaffen solle, die zumindest theoretisch bewaffnet werden können. In der Truppe und in Fachkreisen stellt sich diese Frage heute nicht mehr.
Wir sind heute in einer Debatte angekommen, in der über ganz wesentliche Fragen der Verteidigungsfähigkeit entschieden werden müsse. „Mit dem Wehrdienst“, so Röwekamp, „haben wir einen ersten Stein ins Wasser geworfen, der die Gesellschaft wieder mit der verteidigungspolitischen Debatte in Deutschland verbinden soll, idealerweise versöhnen soll.“
Röwekamp ist der Ansicht, dass Deutschland momentan noch um die ethische Debatte in Bezug auf unbemannte Systeme und den Einsatz von KI „herumeiere“. Der CDU-Politiker formuliert die Debattenfrage so: „Wenn wir bedroht werden durch ein System, dass keinen Zeitverlust durch menschliche Entscheidungsfindung hat, können wir es uns dann leisten, uns nur mit Systemen zu verteidigen, die dazwischen noch menschliche Entscheidungsfindungen haben?“
Unbemannte Abschreckung
Es ist jedoch fraglich, ob die es die anhaltende Bedrohungslage zulässt, dass diese Debatte wirklich erneut geführt wird. Die Vermutung liegt näher, dass diese erst dann wieder aufkommt, wenn sich an der Gesamtlage etwas (deutlich) zum Positiven wendet.
In Berlin waren sich die Teilnehmenden gestern jedoch durchweg einig, dass unbemannte Systeme längst eine feste Größe in den Streitkräften geworden sind. Nun gehe es darum, Truppe und Industrie so zu verbinden, dass Deutschland bis 2029 glaubhaft verteidigungsfähig wird.
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