Wie die Schweiz am Freitag mitteilte, sucht sie Ersatz für die bestellten Patriot-Systeme, da deren Lieferung sich verzögert. Es soll sich explizit um ein europäisches System handeln, womit SAMP/T NG natürlicherweise in der engeren Auswahl ist. Aber auch die neue Version IRIS-T SLX mit seinem reichweitengesteigerten Interceptor hätte Chancen, hat sich doch die Schweiz erst im Sommer 2025 für die Beschaffung von fünf Systemen IRIS-T SLM entschieden.
Ende Februar dieses Jahres sei der Schweizer Rüstungschef über den Umfang und wahrscheinliche Dauer der Lieferverzögerungen sowie der möglichen Mehrkosten durch das US-Kriegsministerium informiert worden. „Alle fünf Patriot-Feuereinheiten wurden von den USA umpriorisiert. Die Verzögerung beträgt nach aktuellem Kenntnisstand vier bis fünf Jahre. Die verzögerte Auslieferung führt zudem zu signifikanten Mehrkosten“, berichtet die Schweizer Regierung. Grund für die Umpriorisierung sei der dringendere Bedarf der Ukraine an Luftverteidigungssystemen.
„Der Bundesrat hält aufgrund der Wichtigkeit der Fähigkeit zur Abwehr von Angriffen aus der Distanz an der Beschaffung der Patriot-Systeme fest. Um jedoch die Folgen der Lieferverzögerungen zu reduzieren und künftig weitere Teile der Schweiz schützen zu können, beauftragt er das VBS, die Beschaffung eines zusätzlichen Systems zur bodengestützten Luftverteidigung größerer Reichweite zu prüfen“, führt die Schweizer Regierung weiter aus und betont: „Dieses zweite System soll bevorzugt in Europa produziert werden. Konkret heißt das, dass es sich um ein europäisches System oder um ein außereuropäisches System, das in Europa hergestellt wird, handeln müsste. Einerseits sinkt dadurch die Abhängigkeit von einer einzelnen Lieferkette bzw. eines einzelnen Staates und andererseits kann damit die Verfügbarkeit besser abgesichert werden.“
SAMP/T NG als Möglichkeit
SAMP/T ist nach Patriot das hauptsächlich in Europa für die bodengebundene Luftverteidigung großer Reichweite genutzte System. Es wurde in den 90er Jahren durch Eurosam entwickelt. Die aktuellen Neuerungen in der neuesten Generation – SAMP/T NG – sollen das System unter anderem dazu befähigen mit einer Reichweite von bis zu 150 km zu wirken.
Erst im Dezember 2025 waren zwei weitere Versuche des SAMP/T New Generation (SAMP/T NG) in Frankreich und Italien durchgeführt worden. „Nach dem erfolgreichen Schießen von ASTER B1NT-Raketen im Oktober 2024 und Juli 2025, die die Langstreckenfähigkeit bestätigten“, berichtete MBDA im Dezember 2025, „demonstrieren diese beiden neuen Schüsse in einer vollständig neuen Systemkonfiguration (Einsatzmodul, Sensorradar, miteinander verbundene Abschussvorrichtungen) die verbesserten Einsatzfähigkeiten des Langstrecken-Luftverteidigungssystems SAMP/T NG, das es ermöglichen wird, anspruchsvolle Luft- und Raketenziele in Bezug auf Reichweite, Manövrierfähigkeit, Tarnung oder Geschwindigkeit abzufangen.“
Die Entwicklung wird durch die OCCAR im Auftrag Frankreichs, Italiens und Großbritanniens geleitet, auch Dänemark hat sich mittlerweile für die Beschaffung des europäischen Luftverteidigungssystems entschieden. Die ersten SAMP/T NG sollen noch in diesem Jahr in die französischen Streitkräfte kommen.
IRIS-T SLX als Alternative
Auf der ILA 2024 hatte Diehl Defence wiederum das Luftverteidigungssystem großer Reichweite IRIS-T SLX erstmals vorgestellt. Die Namen der Luftverteidigungssysteme dieser Familie setzen sich immer aus dem Namen des Flugkörpers IRIS-T plus SL für „Surface Launched“ (bodengestützt) plus S für „Short Range“ (kurze Reichweite), M für „Medium Range“ (mittlere Reichweite) und schließlich X für „Extended Range“ (große Reichweite) zusammen.
Während das sich bereits für die Schweiz in der Beschaffung befindliche IRIS-T SLM eine Reichweite um rund 40 km bei einer Höhe von 20 km besitzt, soll IRIS-T SLX über eine Reichweite von 80 km bei einer Höhe von 30 km verfügen – und damit den Layer abdecken können, den bisher Patriot bediente. Die Entwicklung könnte durchaus 2028 abgeschlossen sein, bei entsprechenden Verträgen versteht sich, sodass der Schweiz dann ein modernes europäisches Luftverteidigungssystem zur Verfügung stände.
Schweiz wählt Patriot-Ersatz bis Sommer 2027
Zum weiteren Vorgehen in der entsprechenden Beschaffung berichtet die Schweizer Regierung: „Die notwendigen finanziellen Mittel für die Beschaffung eines zweiten Systems zur bodengestützten Luftverteidigung größerer Reichweite würden im Rahmen einer Armeebotschaft oder einer Sonderbotschaft beantragt. Die Finanzierung würde im Rahmen des ordentlichen Armeebudgets erfolgen.“
Mit der parallelen Beschaffung plant die Schweiz vor allem, unabhängiger von weiteren Verzögerungen und eventuellen Preisexplosionen zu werden. Doch gleichzeitig will sie sich Zeit für die Prüfung der möglichen Kandidaten nehmen. So betont die Schweizer Regierung: „Das VBS wird dem Bundesrat über die Ergebnisse der Prüfung bis im Sommer 2027 Bericht erstatten.“
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