Weniger als ein Jahr nach Vertragsunterzeichnung geht das Radaraufklärungssystem SPOCK 1 in den operationellen Betrieb. Gleichzeitig läuft die Satellitenproduktion von Rheinmetall ICEYE Space Solutions in Neuss an. Dort wird produziert, was die Brigade Litauen schützen und die NATO-Ostflanke im Blick behalten soll.

Die Bundeswehr hat direkten Zugriff auf mehrere exklusiv für sie vorgesehene Radaraufklärungssatelliten (SAR) erhalten. Mit dem Beginn des operationellen Betriebs von SPOCK 1 am 1. Oktober 2026 ist ein wichtiger Meilenstein erreicht, wie Bundeswehr und Rheinmetall mitteilen. Das Programm „SAR-Spacesystem for persistent operational tracking Stufe 1″ startete im Februar 2025 und wurde nach Angaben der Beteiligten ohne Zeitverzug umgesetzt. Die volle Operationsfähigkeit ist für kommendes Jahr geplant.
SPOCK 1: Schnelle Bilder für die Operationsführung
SPOCK 1 liefert weltweit und wetterunabhängig Aufklärungsbilder durch Radarsatelliten. Gegnerische Truppenbewegungen und Kräftezusammenfassungen sollen so frühzeitig erkannt und landbasierte Operationen unterstützt werden. Genutzt wird die Fähigkeit laut Angaben der Bundeswehr insbesondere für den Schutz der Brigade Litauen und die Überwachung der NATO-Ostflanke.
Das System ergänzt die bisherigen „strategischen“ Satellitensysteme SAR-Lupe und SARah und richtet die Aufklärung konsequent an den Anforderungen der Operationsführung aus. Priorität haben die schnelle Bildlieferung und kurze Bildwiederholzyklen, kombiniert mit einer automatischen Bildauswertung durch KI. In den kommenden Monaten wird das Satellitennetz weiter ausgebaut, zudem kommen weitere Auswertefunktionen hinzu.
„Mit SPOCK 1 konnten sehr kurzfristig die Aufklärungsfähigkeiten der Bundeswehr erweitert werden“, erklärte Generalmajor Armin Fleischmann, Weltraumbeauftragter des Kommandos Cyber- und Informationsraum (CIR). „Diese sind wesentlich für den Schutz der NATO-Ostflanke und der Brigade Litauen, da auf diese Weise Vorwarnzeiten deutlich beschleunigt werden können. Somit stellen SPOCK 1 sowie die anstehenden Ergänzungen einen wichtigen Schritt für die Fähigkeiten der Teilstreitkraft CIR sowie für die Weltraumsicherheitsstrategie der Bundesregierung dar.“
Serienfertigung in Neuss angelaufen
Gebaut und betrieben wird SPOCK 1 von der Rheinmetall ICEYE Space Solutions GmbH (RISS), einem Joint Venture von Rheinmetall und dem finnischen Unternehmen ICEYE. Das Unternehmen baut die Konstellation weiter aus. Parallel ist die Produktion von SAR-Satelliten am Standort Neuss erfolgreich angelaufen. Dort sind Produktion, Integration, Test und Qualitätssicherung unter einem Dach gebündelt, jährlich sollen mehrere Dutzend Satelliten gebaut und für den Flug in den Erdorbit qualifiziert werden. Damit geht RISS von Planung und Aufbau in die industrielle Umsetzung über.
„Weniger als ein Jahr nach Vertragsunterzeichnung erhält die Bundeswehr direkten Zugriff auf eine dedizierte SAR-Aufklärungsfähigkeit“, sagte Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG. Der erfolgreiche Produktionsanlauf in Neuss zeige seiner Meinung nach auch, dass man nicht nur innovative Weltraumtechnologie bereitstellen, sondern diese auch industriell in Deutschland skalieren könne.
Rafal Modrzewski, CEO und Mitbegründer von ICEYE, ergänzte: „Jeder SPOCK-1-Satellit profitiert von den Erfahrungen, die ICEYE im Laufe der Jahre beim Betrieb der weltweit größten SAR-Konstellation für staatliche Kunden gesammelt hat. Diese Erfolgsbilanz in Verbindung mit der industriellen Größe von Rheinmetall ist der Grund, warum man in Deutschland so schnell vom Vertrag zur operativen Einsatzfähigkeit übergehen konnte. Unsere Aufgabe ist es nun, dieses Tempo beizubehalten, während das System weiter wächst.“
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