Startschuss für UGV MANDRILL von Quantum Systems auf der Enforce Tac

Morgen beginnt in Nürnberg die Enforce Tac und Quantum Systems nutzt diese Gelegenheit für den Startschuss seines ersten Roboters (Unmanned Ground Vehicle – UGV) MANDRILL. Damit geht der Drohnenhersteller neue Wege. Defence Network sprach im Vorfeld mit Martin Karkour, Chief Revenue Officer von Quantum Systems, über diese Neuentwicklung sowie die weiteren Pläne des Unternehmens – und natürlich auch über die Erfahrungen aus und mit der Ukraine. Das Interview führte Dorothee Frank.

Ab morgen können die Besucher der Enforce Tac mit dem UGV MANDRILL den ersten Roboter von Quantum Systems begutachten.
Ab morgen können die Besucher der Enforce Tac mit dem UGV MANDRILL den ersten Roboter von Quantum Systems begutachten.
Foto: Quantum Systems
Quantum Systems fühlt sich schon nicht mehr als Start-up an, wann und wie genau startete das Unternehmen?

Karkour: Es fühlt sich nicht nur nicht mehr so an, sondern wir sind dem Status des Start-ups schon seit geraumer Zeit entwachsen. Was 2015 als ambitioniertes Technologie-Start-up begann, hat sich in wenigen Jahren zu einem industriellen Anbieter mit internationaler Präsenz entwickelt. Heute sind wir weder Start-up noch Scale-up. Wir verstehen uns als Neo-Prime – als Lösungsanbieter und Systemhaus für unbemannte Systeme in allen Dimensionen.

Mit der Präsentation des Systems MANDRILL geben wir nicht nur den Startschuss für ein neues Produkt, sondern unterstreichen zugleich den operativen Beginn unserer Ground Robotics Domäne. Damit gehen wir konsequent den nächsten Schritt: vom Drohnenhersteller hin zu einem integrierten Anbieter für vernetzte, missionsfähige Gesamtsysteme.

Was waren die Key Capabilities, die zum Erfolg führten?

Karkour: Seit 2015 basiert der Erfolg von Quantum Systems auf einer klaren technologischen Vision und der Fähigkeit, Innovation konsequent und mit hoher Geschwindigkeit in skalierbare Produkte zu überführen. Von Beginn an haben wir nicht nur einzelne Plattformen entwickelt, sondern eine modulare, skalierbare Systemarchitektur aufgebaut, die es erlaubt, neue Fähigkeiten, Sensoren und Missionsanforderungen schnell zu integrieren und Systeme kontinuierlich weiterzuentwickeln.  Ein entscheidender Erfolgsfaktor war dabei unsere Geschwindigkeit – kurze Entwicklungszyklen, schnelle Iterationen und eine enge Rückkopplung mit operativen Anwendern.

Besonders prägend war das konsequente Lernen aus realen Einsätzen, insbesondere aus der Ukraine. Dort haben wir in einem hochdynamischen Umfeld wertvolle Erkenntnisse gewonnen und diese unmittelbar in Produktverbesserungen, Robustheit, Einsatzkonzepte und Skalierungsfähigkeit überführt, welche dann auch zum Vertrauen der Bundeswehr in den Programmen FALKE und ALADIN geführt hat.

Diese Erfahrung ist entscheidend für unser neues UGV. Denn moderne Gefechtsführung funktioniert nicht mehr in Silos. Luft- und Bodensysteme müssen integriert agieren. Mit MANDRILL übertragen wir unsere Kernkompetenzen – robuste Aufklärung, hohe Autonomie, Resilienz in GNSS-denied Umgebungen und nahtlose Software-Integration – in die Ground Domain.

Sie bringen also Ihren ersten Roboter mit zur Enforce Tac?

Karkour: Wir präsentieren den MANDRILL, unser erstes Unmanned Ground Vehicle und den Start unserer neuen Family of Ground Systems.

Damit erweitern wir unser Portfolio konsequent in die Boden-Dimension, sowie demnächst auch darüber hinaus. Der MANDRILL ist nicht als isoliertes Produkt gedacht, sondern als integraler Bestandteil eines vernetzten Systems aus Luft- und Bodenelementen – orchestriert über unsere offene Missionssoftware MOSAIC UXS.

Was ist die Besonderheit des MANDRILL?

Karkour: Der MANDRILL basiert auf einer konsequent modularen Architektur und lässt sich schnell und flexibel an unterschiedliche Einsatzanforderungen anpassen. Das System ist für eine Vielzahl militärischer und behördlicher Missionen konzipiert, darunter:

  • Aufklärungsplattform (ISR) mit EO/IR-Gimbals und weiteren Sensornutzlasten
  • Logistik-Unterstützung
  • Verwundetentransport (Medevac)
  • Schlepp- und Bergeoperationen
  • Elektronische Kampfführung
  • Integration robotisierter Drohnenstart- und Landevorrichtungen

Im Bereich der Aufklärung sprechen wir gerne vom „unbemannten Fennek“, da der MANDRILL Mobilität, niedrige Signatur und modulare Sensorik mit der Fähigkeit, Informationen in Echtzeit in ein vernetztes System einzuspeisen, kombiniert.

Er bringt Aufklärung dorthin, wo es für Soldaten zu gefährlich wäre – leise, elektrisch, optional mit Range Extender, modular konfigurierbar und voll integriert in unsere Software-Architektur.

Entscheidend ist: Der MANDRILL ist kein isoliertes Bodenfahrzeug, sondern Teil eines Gesamtsystems. Er arbeitet mit unbemannten Luftsystemen wie dem VECTOR, dem Twister oder anderen Drohnen zusammen, tauscht Daten in Echtzeit aus und erhöht so massiv die Lageaufklärung und Reaktionsgeschwindigkeit.

Flossen auch Erfahrungen aus der Ukraine mit ein?

Karkour: Ja, absolut. Die Erfahrungen aus der Ukraine sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Entwicklung – auch im UGV-Bereich.Der Konflikt hat sehr deutlich gezeigt, wie schnell sich Bedrohungslagen, Einsatzmuster und technologische Anforderungen verändern. Systeme müssen robust, anpassungsfähig und unter realen Gefechtsbedingungen zuverlässig funktionieren.

Was wir dort gelernt haben, ist vor allem die Bedeutung von Skalierbarkeit, logistischer Einfachheit und Wartbarkeit im Feld. Lösungen dürfen nicht nur technologisch überzeugend sein – sie müssen in großen Stückzahlen verfügbar sein, einfach bedienbar bleiben und sich kontinuierlich an neue Anforderungen anpassen lassen.

Nicht zuletzt spielt die nahtlose Integration in unsere Missionssoftware MOSAIC UXS eine zentrale Rolle. Software entscheidet heute über den Gefechtswert eines Systems.

Wichtig ist: Wir entwickeln nicht im Labor für ein ideales Szenario, sondern mit dem klaren Verständnis realer Einsatzbedingungen – und genau das macht den Unterschied.

Wie tief sind die Beziehungen zwischen Quantum und den ukrainischen Streitkräften?

Karkour: Unsere Beziehungen sind sehr eng und operativ geprägt. Wir stehen im kontinuierlichen Austausch mit den Nutzern – unterstützt durch einen 24/7-Kundenservice vor Ort, inklusive Call-Center-Strukturen sowie mobilen Reparatur- und Service-Teams.

Dieser direkte Draht ist essenziell. Feedback aus dem Einsatz fließt unmittelbar in Weiterentwicklungen ein. Genau dieses Prinzip verfolgen wir auch beim MANDRILL: enge Abstimmung mit den Anwendern von Anfang an.

Man hat das Gefühl, dass gerade in westlichen Medien aktuell ein Kampf gegen Start-ups im Drohnenbereich geführt wird, immer mit angeblichen Berichten zur Nicht-Leistung der Systeme in der Ukraine. Ist der Wettbewerb härter geworden?

Karkour: Dieses Gefühl haben wir so nicht. Was wir beobachten, ist eher, dass die mediale Aufmerksamkeit zurecht deutlich zugenommen hat – und das ist positiv. Wenn eine Technologie eine so zentrale Rolle in aktuellen Konflikten spielt, ist es legitim, dass genauer hingeschaut wird. Manchmal entsteht dabei jedoch ein verkürztes Bild, weil technologische Leistungsfähigkeit, Einsatzkontext und operative Rahmenbedingungen nicht immer vollständig differenziert dargestellt werden.

Aber: Wettbewerb ist definitiv intensiver geworden – doch wir sehen dies als ein Zeichen für die Relevanz des Marktes. Entscheidend ist aus unserer Sicht weniger, ob ein Unternehmen ein Start-up oder ein etablierter Konzern ist, sondern ob es tatsächlich liefern kann: qualitativ, zuverlässig und in der geforderten Zeit. Gerade im aktuellen Umfeld trennt sich sehr klar, wer industriell skalieren, Systeme kontinuierlich verbessern und verlässlich unterstützen kann – und wer nicht.

Diese Differenzierung betrifft die gesamte Industrie. Am Ende zählen Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit unter realen Bedingungen und die Fähigkeit, Verantwortung in einem sicherheitskritischen Umfeld zu übernehmen.

Wir nehmen diese Verantwortung sehr ernst. Deshalb investieren wir stark in Qualität, Robustheit und den engen Austausch mit Streitkräften. Der MANDRILL ist kein Marketingprodukt, sondern ein System, das unter realen Bedingungen bestehen muss.

Ist der Bedarf an unbemannten Systemen aktuell nicht eigentlich groß genug, dass alle Drohnenhersteller ihren Platz finden können?

Karkour: Der Bedarf ist ohne Frage hoch – strukturell hoch und nicht nur zyklisch. Aber es braucht nicht beliebig viele Drohnenhersteller, um diesen Bedarf zu decken. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Anbieter, sondern deren Fähigkeit, zuverlässig, skalierbar und langfristig zu liefern.

Im Verteidigungsbereich sprechen wir nicht über Konsumgüter, sondern über sicherheitskritische Systeme. Streitkräfte benötigen Partner, die industrielle Kapazitäten, stabile Lieferketten, kontinuierliche Weiterentwicklung und langfristigen Support gewährleisten können. Das erfordert Substanz – technologisch, operativ und finanziell.

Natürlich entsteht in Phasen hoher Nachfrage ein breites Marktumfeld mit vielen neuen Anbietern. Das ist Teil eines gesunden Innovationsprozesses. Mittel- bis langfristig wird sich der Markt jedoch konsolidieren. Durchsetzen werden sich diejenigen Unternehmen, die nicht nur ein gutes Produkt präsentieren, sondern Systeme unter realen Bedingungen bewähren, in Stückzahlen produzieren und über Jahre hinweg weiterentwickeln können. Dem Operator ist es egal, von welcher Firma ein Produkt stammt – es muss funktionieren und sich nahtlos in bestehende Strukturen einfügen. Genau dafür stehen wir mit unserem Produkten und unserer modularen und offenen Software-Architektur bei der Software Suite MOSAIC UXS.

Insofern ist der Bedarf groß – aber nachhaltiger Erfolg in diesem Markt ist kein kurzfristiges Opportunitätsthema, sondern eine Frage von industrieller Leistungsfähigkeit und strategischer Verlässlichkeit.

Mit dem MANDRILL erweitern wir dieses Prinzip auf die Ground Domain. Luft- und Bodensysteme müssen aus einem Guss denken und handeln.

Planen Sie eine Skalierung Ihrer eigenen Produktion in den kommenden Monaten?

Karkour: Die Skalierung läuft bereits seit mehreren Jahren. Wir haben unseren Output zuletzt jährlich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

Mit dem Einstieg in die Ground Domain haben wir zeitgleich industrielle Kapazitäten im UGV-Bereich vorbereitet . Der MANDRILL ist kein Einzelprojekt, sondern der Beginn einer skalierbaren Ground-Familie.

Welchen Tipp würden Sie westlichen Streitkräften in Bezug auf die Beschaffung von Drohnen mitgeben?

Karkour: Ich glaube nicht, dass ich westlichen Streitkräften einen Tipp geben muss – dort gibt es enorme Expertise. Aber ich teile gerne unsere Perspektive, insbesondere mit Blick auf unbemannte Systeme.

Die NATO-Übung „Hedgehog 2025“ in Estland hat sehr deutlich gezeigt, wie grundlegend sich Gefechtsführung verändert hat. Die digitale Kill Chain war schneller als klassische Führungsstrukturen – und genau darin liegt der strukturelle Wandel.

Die zentrale Erkenntnis: Transparenz des Gefechtsfelds, Geschwindigkeit und digitale Integration wiegen heute schwerer als reine Plattformüberlegenheit. Unbemannte Systeme sind kein Lückenfüller – sie sind ein Kernbestandteil moderner Streitkräfte.

Aus unserer Sicht bedeutet das für die Beschaffung: Es geht nicht um einzelne Plattformen, sondern um skalierbare, interoperable und schnell verfügbare Fähigkeiten. Langsame Entscheidungsprozesse, fragmentierte Beschaffung und fehlende industrielle Skalierung sind strategische Risiken.

Europa kann sich Fragmentierung nicht leisten. Jetzt geht es darum, Strategie konsequent in skalierbare, vernetzte Fähigkeiten im Bereich unbemannter Systeme zu übersetzen. Genau dafür stehen wir als Neo-Prime für unbemannte Systeme in allen Dimensionen.

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