Deutschland sucht günstige Marschflugkörper

Deutschland hat sich der wachsenden Zahl von Staaten angeschlossen, die nach kostengünstigen Alternativen zu den sehr teuren weitreichenden Marschflugkörpern suchen.

Der ukrainische Flamigo.Marschflugkörper wurde auch auf der Eurosatory 2026 gezeigt.
Der ukrainische Flamigo.Marschflugkörper wurde auch auf der Eurosatory 2026 gezeigt.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Quellen aus dem israelischen Verteidigungsestablishment bestätigen, dass Deutschland preisgünstige Langstrecken-Marschflugkörper von Rüstungs-Start-ups in Israel und der Ukraine evaluiert.

Auslöser dieser Beschaffungsabsicht war die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, einen früheren Stationierungsplan für amerikanische Tomahawk-Marschflugkörper rückgängig zu machen. Gleichzeitig blieben die eigenständigen deutschen Anfragen nach US-Marschflugkörpern ohne Fortschritt.

Das Bundesministerium der Verteidigung prüft derzeit Optionen, die sich für eine Beschaffung in großer Stückzahl eignen, kurzfristig eingeführt werden können und gleichzeitig eine glaubwürdige Abschreckung gegenüber russischen Militärzielen ermöglichen. Zu den wichtigsten Kandidaten gehören dabei Systeme aus der Ukraine und aus Israel.

Den Quellen zufolge untersucht das deutsche Beschaffungsamt zudem kostengünstige Langstreckenlösungen geheimer israelischer Start-ups, insbesondere des Unternehmens Covenant.

Berlin bewertet außerdem den Marschflugkörper FP-5 Flamingo sowie den strahlgetriebenen Drohnen-Marschflugkörper Bars, die beide von ukrainischen Unternehmen entwickelt wurden. Der Flamingo kostet etwa 500.000 US-Dollar pro Einheit und verfügt über eine beachtliche Reichweite. Dies hat das deutsche Rüstungsunternehmen Diehl Defence dazu veranlasst, Möglichkeiten einer gemeinsamen Produktion in Deutschland zu prüfen.

Über das Angebot des israelischen Unternehmens wurden keine Einzelheiten bekannt. Israelische Quellen erklärten jedoch, dass einige israelische Rüstungsunternehmen derzeit an vergleichsweise kostengünstigen Alternativen zu den sehr teuren amerikanischen Marschflugkörpern arbeiten.

Israel entwickelt neue luftgestützte ballistische Flugkörper

Wie Defence Network exklusiv berichtete, entwickeln die israelischen Rüstungsunternehmen auf Grundlage der Erfahrungen mit luftgestützten ballistischen Flugkörpern (Air-Launched Ballistic Missiles, ALBM), die die israelische Luftwaffe bei den jüngsten Angriffen auf den Iran eingesetzt hat, bereits neue Versionen und weitere Systeme.

Israel hat bislang keine Informationen über die bei den Angriffen auf iranische Ziele – darunter auch drei russische Flugabwehrsysteme vom Typ S-300 – eingesetzten ALBM veröffentlicht. Öffentlich bekannt wurden jedoch drei entsprechende Waffensysteme: Air LORA von Israel Aerospace Industries (IAI), ROCKS von Rafael sowie Rampage, das gemeinsam von IAI und Elbit entwickelt wurde.

Nach Angaben von IAI wurde Air LORA als Mitglied der kampferprobten LORA-Familie entwickelt, um den besonderen operativen Anforderungen luftgestützter Langstreckenangriffe gerecht zu werden.

Das Unternehmen erklärt, der Flugkörper sei für Einsätze gegen hochwertige und gut geschützte Ziele wie Kommandozentralen, Luftwaffenstützpunkte, kritische Infrastrukturen sowie Kriegsschiffe in küstennahen Einsatzgebieten ausgelegt.

Laut einer offiziellen Mitteilung von Rafael ist ROCKS ein Luft-Boden-Flugkörper der neuen Generation mit großer Stand-off-Reichweite, der für Angriffe auf hochwertige stationäre und verlegbare Ziele in Umgebungen entwickelt wurde, in denen GPS nicht verfügbar oder gestört ist.

Ausgestattet mit einem Penetrations- oder Splittergefechtskopf kann der Flugkörper sowohl oberirdische als auch stark geschützte unterirdische Ziele in Gebieten mit dichter bodengebundener Luftverteidigung bekämpfen.

Für die Flugphase nutzt ROCKS ein INS/GPS-Navigationssystem. Die Zielerfassung bis zur Zielvernichtung erfolgt mittels Szenenanpassungstechnologie (Scene Matching) oder einer Anti-Radar-Funktion, wodurch auch GPS-Störmaßnahmen überwunden werden können.

Rampage ist ein luftgestützter ballistischer Luft-Boden-Flugkörper. Diese hochentwickelte Stand-off-Waffe, die künstliche Intelligenz nutzt, soll beim ersten Angriff auf die iranische Führung in Teheran am 28. Februar eingesetzt worden sein, der den Beginn des anhaltenden gemeinsamen Krieges der USA und Israels gegen den Iran markiert habe.

Rampage wurde gemeinsam von Israel Aerospace Industries (IAI) und Elbit entwickelt. Es handelt sich dabei um eine überschallschnelle „Fire-and-Forget“-Präzisionswaffe für Luft-Boden-Einsätze, die für Stand-off-Angriffe auf hochwertige Ziele auf INS/GPS-Navigation basiert.

Einigen Quellen zufolge verfügt der Flugkörper über eine automatische Zielerkennung (Automatic Target Recognition, ATR), die eine autonome Identifizierung von Zielen mithilfe elektrooptischer Sensoren, bildgebender Infrarottechnik sowie halbaktiver Laserzielsuche ermöglicht. Künstliche Intelligenz wird eingesetzt, um die Zielgenauigkeit in komplexen Einsatzumgebungen zu erhöhen. Darüber hinaus unterstützt das System optional eine „Man-in-the-Loop“-Steuerung, bei der während des Einsatzes in Echtzeit eingegriffen werden kann und so autonome Funktionen mit menschlicher Kontrolle kombiniert werden.

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