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EUDEX 2026: Der neue Takt der Überlegenheit

Ende September werden auf der EURO DEFENCE EXPO (EUDEX) in Essen „innovative Lösungen für eine sichere Welt“ präsentiert. Wie Europas Verteidigungsindustrie nicht nur innovativer, sondern auch schneller werden kann, ohne dabei eine kontrollierte Weiterentwicklung ihrer Systeme aufgeben zu müssen, erläutert Matthias Fohrer, der beim Digital-Thread-Experten Aras als Vice President das EMEA-Geschäft verantwortet.

Mehrere unbemannte militärische Luftfahrzeuge vor einem digital vernetzten Hintergrund mit leuchtenden Verbindungslinien
"Verändert hat sich nicht die Modernisierung, sondern ihr Takt."
Foto: Aras

Größere Reichweiten, bessere Sensoren, höhere Präzision, mehr Schutz und schnellere Reaktionsfähigkeit: Leistungsfähigere Systeme galten über Jahrzehnte hinweg als Maßstab für technologische Überlegenheit. Neu hinzugekommen ist: Geschwindigkeit.

Der Krieg in der Ukraine macht diese Entwicklung besonders deutlich. Neue Drohnentypen treffen auf innovative Störverfahren. Veränderte Funkverbindungen erzwingen neue Software. Weiterentwickelte Sensoren werden eingeführt und kurz darauf durch Gegenmaßnahmen neutralisiert. Nicht die einzelne technische Innovation entscheidet dauerhaft über Überlegenheit, sondern der Kreislauf aus Beobachten, Lernen, Entwickeln und Erproben. Die Oberhand behält, wer schneller lernt und Erkenntnisse in einsatzfähige Systeme und Lösungen überführt.

Zwar baut Europas Verteidigungsindustrie – zuvor lange vernachlässigt – seit der Zeitenwende ihre Produktionskapazitäten wieder systematisch aus. Aber mehr Hallen, mehr Maschinen, mehr Personal allein reichen nicht. Ausschlaggebend ist, ob Industrie und Streitkräfte neue Erkenntnisse schneller, bedarfsgerecht und nachvollziehbar in bestehende und neue Systeme überführen können. Denn die entscheidende Frage ist: Wie bleiben Waffensysteme über Jahrzehnte einsatzrelevant, wenn sich Technologien und Bedrohungen innerhalb kurzer Zeit verändern?

Verändert hat sich nicht die Modernisierung, sondern ihr Takt

Aufgrund ihrer komplexen Struktur waren Verteidigungssysteme stets für eine lange Nutzungsdauer ausgelegt. Die etablierten Entwicklungs- und Beschaffungsmodelle basierten auf graduellen Innovationszyklen. Auch heute noch bleiben viele Plattformen über Jahrzehnte im Einsatz. Ein in diesem Jahr vom Stapel laufendes Schiff wird voraussichtlich auch im Jahr 2050 noch im Dienst stehen – allerdings mit Systemen und Software, die heute noch gar nicht entwickelt sind. Die Herausforderung besteht also nicht nur darin, ein fertiges Gesamtkonzept zu realisieren, sondern dieses über seine gesamte Nutzungsdauer kontrolliert weiterzuentwickeln, ohne dabei die Interoperabilität mit neuen Systemen und Technologien zu verlieren.

Mann mit Brille, weißem Hemd und dunklem Sakko vor neutralem Hintergrund
Matthias Fohrer, Vice President bei Aras.
Foto: Aras

Ein System, das 25 Jahre oder länger im Einsatz bleibt, muss technisch und organisatorisch anpassbar bleiben. Jede Weiterentwicklung muss sich sicher umsetzen lassen, lückenlos nachvollziehbar sein und sich einer konkreten Konfiguration zuordnen lassen. Entscheidend ist, diesen Lebenszyklus eines Systems zu überblicken und auch digital abzubilden.

Geschwindigkeit mit Kontrolle und Nachweisfähigkeit verbinden

Die seit einigen Jahren wieder hochgefahrene Produktion macht deutlich, wie herausfordernd dieser vollständige Blick ist. In vielen gewachsenen Systemlandschaften ist es nicht immer eindeutig nachvollziehbar, welcher technische Stand gebaut, freigegeben oder betrieben wird. Anforderungen, Änderungsstände und Freigaben sind häufig über unterschiedliche Formate, nicht versionierte Dokumente, Excel-Listen und E-Mails verteilt. Kritisches Wissen ist zudem oft nur in den Köpfen einzelner Mitarbeiter vorhanden.

Was sich bei geringen Stückzahlen und langen Änderungszyklen noch mit persönlichem Einsatz engagierter Mitarbeiter beherrschen ließ, wird unter dem Druck steigender Produktionszahlen, komplexer Lieferketten und kürzerer Modernisierungszyklen zum Risiko. Die Auswirkungen reichen dabei weit über die Konstruktion hinaus: Entwicklung, Beschaffung, Fertigung, Instandhaltung, Zulieferer und spätere Nutzer müssen auf derselben Informationsbasis arbeiten.

U-Boot der Klasse 212A der Deutschen Marine bei der Überwasserfahrt mit Besatzungsmitgliedern im Turm auf offener See
"Geschwindigkeit ist kein Selbstzweck. Sie braucht Kontrolle."
Foto: Aras

Dabei darf Geschwindigkeit nicht mit Hast verwechselt werden. Denn eine neue Softwareversion, ein geändertes Bauteil oder eine angepasste Anforderung ziehen zahlreiche Abhängigkeiten nach sich – von Prüfungen und Zulassungen bis hin zu Dokumentationspflichten. Die Aufgabe besteht also nicht darin, Änderungen einfach schneller umzusetzen. Vielmehr muss ein hohes Innovationstempo insbesondere in sicherheitsrelevanten Branchen mit Kontrolle, Nachvollziehbarkeit und Nachweisfähigkeit verbunden werden.

Eine besondere Industrie braucht besondere Informationsstrukturen

Verteidigungsprogramme folgen anderen Regeln als klassische Industrieprojekte. Sie binden zahlreiche Hersteller, Zulieferer und staatliche Stellen ein und unterliegen strengen Vorgaben zu Exportkontrolle, Zulassung und Geheimhaltung. So kann es beispielsweise vorkommen, dass eine Anforderung einer anderen Geheimhaltungsstufe unterliegt als ein zugehöriges Bauteil.

Genau dafür stehen Konfigurationsmanagement, Traceability und Digital Thread. In diesem Zusammenhang wird eine Plattform wie Aras Innovator relevant – nicht, weil Unternehmen ein Product-Lifecycle-Management (PLM) einführen möchten, sondern weil sie Anforderungen, Entwicklung, Fertigung und Nutzung in einer gemeinsamen Informationsbasis verbinden müssen. Jeder Beteiligte arbeitet mit dem für ihn individuell autorisierten Informationsstand, und alle Änderungen bleiben über den gesamten Lebenszyklus hinweg nachvollziehbar.

Dieser kontrollierte und bereichsübergreifende Informationsfluss ermöglicht es der Verteidigungsindustrie, zwei Ziele zu erreichen: Sie kann ihre Produktionskapazitäten ausbauen und gleichzeitig Systeme kontinuierlich weiterentwickeln. Nicht jedes Bauteil muss im Wochenrhythmus verändert werden. Vielmehr kommt es darauf an, unterschiedliche Veränderungsgeschwindigkeiten sicher zu beherrschen und Anpassungen effizient umzusetzen.

Die Verteidigungsfähigkeit Europas entscheidet sich nicht allein in neuen Fertigungshallen. Sie hängt ebenso davon ab, wie schnell neue Erkenntnisse kontrolliert in bereits eingeführte Waffensysteme einfließen können. Dafür müssen Wissen, Produktdaten und Änderungen über den gesamten Lebenszyklus hinweg nachvollziehbar und beherrschbar bleiben. Technologische Überlegenheit entsteht heute nicht nur durch das bessere Waffensystem, sondern durch die Fähigkeit, es schneller weiterzuentwickeln als der Gegner.

Treffen Sie Matthias Fohrer auf der EUDEX 2026 (Halle 3, Stand 3A42).

Mehr Informationen dazu, wie Aras speziell die Verteidigungsindustrie unterstützen kann, finden sie hier.

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