AFTS und die Frage nach dem Kampfjet der Zukunft

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Europäisch, integriert und resilient – das sind die drei Antworten auf die Frage, wo Deutschland bei der Entwicklung eines neuen Kampfflugzeugs der sechsten Generation hinwill. Wie das nach dem Aus des französisch-deutschen FCAS-Programms umsetzbar sein wird, ist eines der TOP-Themen auf dem heute Morgen begonnenen Air Force Tech Summit (AFTS) in Berlin.

Heute in Berlin gestartet: Das Air Force Tech Summit 2026 (AFTS).Zwei Airbus H225M Hubschrauber fliegen in Formation über hügeligem Gelände, die vordere Maschine mit Sensorsystem unter dem Bug
Heute in Berlin gestartet: Das Air Force Tech Summit 2026 (AFTS).
Foto: CPM / Sascha Schürmann

Russland, Ukraine, die USA und China, Israel und der Iran – das sind die Länder, deren Namen sofort in den Sinn kommen, wenn über aktuelle Kriege gesprochen wird. Begrüßt wurden die Teilnehmer des AFTS 2026 jedoch mit Pakistan. Christoph Schmid, Mitglied im Verteidigungsausschuss für die SPD-Fraktion, nannte das Land in seiner Rede als einen oft unterschätzten Player.

Immerhin habe Pakistan es geschafft, den Iran und die USA an einen Tisch zu bekommen. Auch sei Pakistan als Nuklearmacht erst in diesem Jahr in einen Krieg mit seinem Nachbarn Indien verwickelt gewesen, über dessen Luftschlacht sich auch Deutschland und Luftwaffe Gedanken machen müssten.

„Pakistan“, erinnerte Schmid, sei „eines der wenigen Länder, das amerikanische und chinesische Jets fliegt“. Ein wichtiger Punkt, ging es doch sowohl im indisch-pakistanischen Krieg als auch beim AFTS um technologische Überlegenheit.

Oberst i.G. Gordon Schnitger, Unterabteilungsleiter Kdo Lw 1 II, sprach über die Anforderungen der Luftwaffe im Zeitalter "System of Systems".
Oberst i.G. Gordon Schnitger, Unterabteilungsleiter Kdo Lw 1 II, sprach über die Anforderungen der Luftwaffe im Zeitalter "System of Systems".
Foto: CPM / Sascha Schürmann

Diese sei eben nicht mehr nur anhand einer Plattform festzumachen, sondern – wie Oberst i. G. Gordon Schnitger, Unterabteilungsleiter Kdo Lw 1 II, später klarmachte – am Zusammenspiel der unterschiedlichsten Systeme. Zu diesen gehört auch weltraumgestützte Aufklärung, wie das Beispiel Pakistan zeigte.

Oberst Schnitger brachte dazu das Beispiel der F-35, dem heutigen „Non plus ultra“ der Kampfjet-Welt. Wer dieses nur dazu einsetze, um einen Luftnahkampf zu gewinnen, der würde analog dazu auch ein iPhone 18 ausschließlich zum Telefonieren nutzen. In beiden Fällen bliebe der überwiegende Teil der Fähigkeiten schlicht ungenutzt.

An erster Stelle steht der Bedarfsträger

Doch genau um Fähigkeiten geht es, wenn Deutschland F-35 aus den USA beschafft. „Die Frage der Beschaffung ist keine nationale Frage, sie ist eine Frage der nationalen Sicherheit“, verdeutlichte Schmid. An allererster Stelle jedes Rüstungskaufs müsse der Bedarfsträger stehen.

Referent am Rednerpult während des Air Force Tech Summit vor Fachpublikum auf einer Bühne mit Luftfahrt-Grafiken
MdB Christoph Schmid, Mitglied im Verteidgungsausschuss für die SPD-Fraktion, begrüßte heute morgen in Berlin das AFTS-Publikum mit selbstkritischen Fragen.
Foto: CPM / Sascha Schürmann

„Dann steht es mir als politisch handelnder Mensch nicht zu“, so Schmid weiter, „zu sagen: Jetzt gucken wir doch mal, ob es nicht vielleicht etwas bei mir im Wahlkreis gibt.“ Dennoch gäbe es ein zweites Element: ‚europäische Souveränität‘. FCAS wäre hier genau der wünschenswerte Ansatz gewesen, der die vom Bedarfsträger benötigten Fähigkeiten geliefert hätte. Doch „das hat sich am Ende des Tages als nicht mehr durchführbar herausgestellt“, stellte Schmid fest.

Fängt FCAS jetzt von vorne an?

Zu einer anderen Bewertung kam Marie-Christine von Hahn, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e. V. (BDLI). Für die Industrie sei FCAS nicht am Ende, sondern werde auf neue Gleise gestellt. „Gescheitert ist nicht Europa, sondern eine Kooperation, die nicht auf Augenhöhe lag.“ Ein Programm, in dem deutsche Unternehmen lediglich zuliefern, könne keine Partnerschaft sein. Diese Erkenntnis habe sich bei vielen erst nach langer Zeit durchgesetzt. Die Bundesregierung habe daraus nun die Konsequenzen gezogen.

Marie-Christine von Hahn, Hauptgeschäftsführerin Bundeswverband der Deutdschen Luft- und Raumfahrt e. V., hielt die Keynote mit der industriellen Perspektive.
Marie-Christine von Hahn, Hauptgeschäftsführerin Bundeswverband der Deutdschen Luft- und Raumfahrt e. V., hielt die Keynote mit der industriellen Perspektive.
Foto: CPM / Sascha Schürmann

Die im Sommer getroffene Entscheidung sei deshalb auch keine gegen die europäische Zusammenarbeit, sondern eine für sie – nur in völlig neuer Form. Die deutsche Industrie stehe bereit, eine industrielle Vision für ein Kampfflugzeug der sechsten Generation vorzulegen.

Welche Rolle Deutschland dabei genau zukommen soll, habe die Bundesregierung selbst beantwortet. Am Eröffnungstag der ILA beschloss sie die neue Luftfahrtstrategie. „Deutschland will ein solches Programm leiten oder substanziell mitgestalten“, zitierte von Hahn daraus. Diese Eindeutigkeit habe selbst die Industrie nicht erwartet, doch mit der Gründung des „Team Gen 6“ schnell reagiert.

Das Regierungspapier steht damit allerdings im Widerspruch zu vielen der zuletzt kursierenden Überlegungen, sich etwa dem britisch-italienisch-japanischen Programm GCAP anzuschließen.

Auch wenn noch kein konkretes Programm entschieden ist: „Deutschland kann das“, ist die Industrie überzeugt. Doch seien Kampfflugzeuge nie im bundesdeutschen Alleingang entstanden, und das solle nach Ansicht von Hahns auch künftig so bleiben – aber eben auf Augenhöhe. Mit diesem Anspruch wäre eine Kooperation mit Saab aus Schweden denkbarer als ein GCAP-Beitritt.

Was Deutschland noch fehlt

In den nächsten anderthalb Tage wird die NGF-Nachfolge (New Generation Fighter) immer wieder Thema in den Industrie-Vorträgen und Paneldiskussionen des AFTS‘ sein. Doch neben einer neuen Vision eines Kampfjets der 6. Generation fehlt es Deutschland noch an einer anderen Sache.

Luftwaffe und Industrie haben jetzt die Gelegenheit in Berlin, über zukünftige Technologien der Luftkriegsführung zu sprechen.
Luftwaffe und Industrie haben jetzt die Gelegenheit in Berlin, über zukünftige Technologien der Luftkriegsführung zu sprechen.
Foto: CPM / Sascha Schürmann

Schmid, dessen reflektierter Redebeitrag bei Teilen des Publikums großen Anklang fand, forderte eine „konzentrierte Gelassenheit“ in Deutschland. Diese habe er bei Besuchen im Baltikum erfahren können. Dort sei man sich der Bedrohung durch Russland mehr als bewusst, lasse sich hiervon jedoch nicht im Alltag beeindrucken. Als Grund für diese „konzentrierte Gelassenheit“ nannte der Abgeordnete das Wissen der Balten darum, dass ihre Länder alles unternehmen, um sich auf einen möglichen Angriff vorzubereiten.

Damit dies auch in Deutschland Einzug hält, will das Summit in Berlin einen Beitrag zur Abschreckungsfähigkeit leisten – ganz nüchtern und „konzentriert gelassen“.

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