Der CARACAL ist da

Navid LinnemannNavid Linnemann

Er passt in und unter einen Chinook, basiert auf der G-Klasse von Mercedes-Benz und soll bis 2030 mehr als 1.000-mal an die Truppe gehen – gestern wurde das erste Serienfahrzeug Einsatzsystem Luftlandeplattform (EinsSysLLPlattf) an die Bundeswehr übergeben. Lesen Sie im folgenden Beitrag auch, was der CARACAL für Fallschirmjäger und Spezialkräfte bedeutet.

Die ersten Serienfahrzeuge des CARACAL, der als Einsatzsystem Luftlandeplattform (EinsSysLLPlattf) an die Bundeswehr übergeben wurde.
Die ersten Serienfahrzeuge des CARACAL, der als Einsatzsystem Luftlandeplattform (EinsSysLLPlattf) an die Bundeswehr übergeben wurde.
Foto: Rheinmetall Landsysteme GmbH

Streng genommen wurde gestern nicht das erste Serienfahrzeug übergeben, sondern „die ersten Serienfahrzeuge“, denn Rheinmetall Landsysteme und Rheinmetall Defence Nederland im niederländischen Ede übergaben gleich zwei CARACAL an die neuen Nutzer. Empfänger waren das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und das niederländische Material and IT Command (COMMIT).

Die offizielle militärische Bezeichnung des CARACAL lautet bei der Bundeswehr Einsatzsysteme Luftlandeplattform, kurz EinsSysLLPlattf. Bei der Vertragsunterzeichnung im Juli 2023 war der Start der Serienauslieferung noch für Anfang 2025 vorgesehen. Nun rollen die ersten Fahrzeuge mit rund anderthalb Jahren Verspätung zu den Nutzern.

1.508 Fahrzeuge fest bestellt, über 3.000 möglich

Hinter dem CARACAL steht ein bilaterales Projekt von Deutschland und den Niederlanden. Das wettbewerbliche Verfahren begann im Oktober 2022 und lief laut Rheinmetall im Eiltempo über zwei Angebotsphasen.

Rheinmetall Caracal Einsatzfahrzeug mit Dachwaffenstation und Tarnnetz auf einem Messestand mit Sandsäcken und Naturmaterialien
Insgesamt hat der Caracal ein Leergewicht von rund 3,2 Tonnen und ist damit auch durch Hubschrauber luftverladbar.
Foto: CPM

Im Juli 2023 folgte ein mehrjähriger Rahmenvertrag über bis zu 3.058 Fahrzeuge, davon bis zu 2.054 für die Bundeswehr und 1.004 für die niederländischen Streitkräfte. Der Auftragswert liegt bei insgesamt bis zu 1,9 Milliarden Euro.

Fest abgerufen wurden zunächst 1.508 Fahrzeuge – 1.004 für Deutschland, 504 für die Niederlande. Laut BAAINBw sollen die knapp mehr als 1.000 CARACAL-Fahrzeugsysteme bis 2030 an die Bundeswehr gehen. Die Endmontage übernehmen Rheinmetall in Ede und der designierte Partner VDL Special Vehicles aus Eindhoven.

CARACAL für die Luftlandetruppe

Eingesetzt wird der CARACAL als modularer, multifunktionaler Mobilitäts- und Waffenträger der Luftlandetruppe für luftbewegliche Operationen und weltweite Einsätze. Die Bundeswehr erhält zunächst die Variante 1, einen Personal- und Materialtransporter, der sich missionsspezifisch ausrüsten lässt. Neben den Fallschirmjägern beider Länder auch das Kommando Spezialkräfte des Heeres und das Kommando Spezialkräfte der Marine das Fahrzeug nutzen.

Ein dreiachsiges, geländegängiges Militärfahrzeug mit Verschmutzungsspuren steht auf einer künstlich angelegten Sandfläche im Außenbereich einer Ausstellung. Das Fahrzeug weist ein geschlossenes Führerhaus mit einem gelben Hinweisaufkleber an der Tür sowie Transportvorrichtungen auf der hinteren Ladefläche auf.
Ein dreiachsiges, geländegängiges Militärfahrzeug mit Verschmutzungsspuren steht auf einer künstlich angelegten Sandfläche im Außenbereich einer Ausstellung. Das Fahrzeug weist ein geschlossenes Führerhaus mit einem gelben Hinweisaufkleber an der Tür sowie Transportvorrichtungen auf der hinteren Ladefläche auf.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Die deutschen und niederländischen Luftlandekräfte bekommen außerdem die Variante 2, ein Sanitätsfahrzeug. Die weiteren Varianten 3 und 4, zu denen auch die auf der Eurosatory 2026 in Paris vorgestellte 6×6-Version gehört, sind Medienberichten zufolge zwar Teil des Rahmenvertrags, nicht aber der bisher bestellten Fahrzeuge.

Von der G-Klasse zur Luftlandeplattform

Technisch basiert der CARACAL auf der Mercedes-Benz G-Klasse der Baureihe 464, die auch das bei der Bundeswehr eingeführte Fahrzeugsystem „Wolf 2“ trägt. Das bringt LAUT BAAINBw Synergien in Logistik und Instandhaltung. Zudem orientiert sich die Bedienung an der zivilen G-Klasse, was die Ausbildung erleichtert.

Das Fahrzeug entstand in einer Partnerschaft von Rheinmetall, Mercedes-Benz und Armoured Car Systems (ACS). ACS steuert den Aufbau mit einem Schienensystem bei, an dem sich Zusatzausrüstung befestigen lässt.

Technische Eckdaten (4×4-Basisversion)

  • Basis: Mercedes-Benz G-Klasse Baureihe 464 (wie „Wolf 2“)
  • Antrieb: 3,0-Liter-Sechszylinder, 249 PS, 600 Nm, Neungang-Automatik
  • Leergewicht: rund 3,2 Tonnen
  • Zuladung: bis zu 1.200 kg, (bis zu 3.300 kg bei der 6×6-Version)
  • Luftverlegung: Innen- oder Außenlast z. B. am CH-47
  • Schutz: optional ballistische und Minenschutzkomponenten nach STANAG 4569
  • Vernetzung: digitale Systemarchitektur nach NATO-Standard NGVA

Der CARACAL ist für den Lufttransport gebaut. Er kann als Innenlast im oder als Außenlast am schweren Transporthubschrauber CH-47 verlegt werden. Als Innenlast sollen nach Herstellerangaben bis zu zwei Fahrzeuge in einen CH-47F oder CH-53K passen.

Luftlandefahrzeug Caracal von Rheinmetall auf einer Transportplattform vor weiteren Militärfahrzeugen und Messeständen
Rheinmetall zeigt das Luftlandefahrzeug CARACAL am Stand auf der ILA 2026 mit zwei neuen Optionen.
Foto: CPM / af

Auf der ILA 2026 zeigte Rheinmetall zudem neue Optionen, darunter eine Drohnenabwehrvariante mit ferngesteuerter Waffenstation RCWS 100 und optionalem AESA-Radar.

Auf der Messe war der CARACAL erstmals auch mit dem Luftverbringungssystem „ATAX Land“ für den Abwurf aus Transportflugzeugen zu sehen. Künftig sollen über 28 Varianten verfügbar sein, vom Truppentransporter über Führungsfahrzeuge bis zum schwer bewaffneten Gefechtsfahrzeug mit Panzerabwehrlenkwaffen.

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