Auslöser ist die europäische Rüstungsagentur OCCAR, welche die Artec GmbH mit der Lieferung zusätzlicher 69 Radschützenpanzer Schakal beauftragte. 35 der Fahrzeuge sollen an die Bundeswehr gehen, 34 an die Königlich Niederländische Landmacht. Bereits vor einem Jahr wurde die Lieferung von 222 Panzern (150 für Deutschland, 72 für die Niederlande) in einem Hauptauftrag erteilt (Defence Network berichtete).
Am 24. Juni 2026 hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages grünes Licht für den Abruf eines ersten Teils der vertraglich vereinbarten Optionen von bis zu 200 weiteren Systemen gegeben. Durch den ersten Optionsabruf steigt die Gesamtzahl der zu liefernden Fahrzeuge auf 291.
„Die Aktivierung weiterer Optionen für den Schakal bestätigt das Vertrauen unserer Kunden in dieses hochmoderne System“, so Dr. Björn Bernhard, Leiter der Reinmetall-Division Vehicle Systems. „Weiterhin schafft sie zusätzliche Planungssicherheit für uns als Industrie und unsere Zulieferer. Gemeinsam mit unseren Partnern leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung der europäischen Landstreitkräfte und zur Stärkung der industriellen Leistungsfähigkeit in Europa.“
Boxer-Fahrgestell mit Puma-Turm
Der Schakal verbindet das Fahrgestell des Radpanzers Boxer mit dem Turm des Schützenpanzers Puma. So vereint er Modularität, Mobilität, Schutz und Feuerkraft auf hohem Niveau. Die Mittleren Kräfte können damit große Distanzen in kurzer Zeit aus eigener Kraft zurücklegen. Das Fahrzeug verfügt über moderne Feuerleittechnik, digitale Vernetzung und hohe Schutzwirkung und bietet Platz für eine voll ausgestattete Grenadiergruppe.
Die Hauptbewaffnung bildet die Maschinenkanone MK 30-2/ABM von Rheinmetall, ergänzt durch den Panzerabwehrlenkflugkörper MELLS. Damit lassen sich in dynamischen Gefechtssituationen unterschiedlichste Ziele wirksam bekämpfen. Weil der Schakal zur Boxer-Familie gehört, sinken zudem die Kosten für Ausbildung, Logistik und den gesamten Lebenszyklus.
Stärkung der europäischen und deutschen Industrie
Das deutsch-niederländische OCCAR-Programm zeigt, wie leistungsfähig die europäische Rüstungskooperation ist, und stärkt die hiesige Verteidigungsindustrie im Wettbewerb mit ausländischen Anbietern bei 8×8-Fahrzeugen. Davon profitiert auch die deutsche Landsystemindustrie: Zentrale Baugruppen und Komponenten entstehen an deutschen Standorten von Rheinmetall, KNDS Deutschland, MTU, Hensoldt und zahlreichen kleineren und mittelständischen Unternehmen der nationalen Rüstungsbranche.
Das Programm festigt die industrielle Basis und sichert langfristig hochqualifizierte Arbeitsplätze. Für den Fall, dass das Boxer-Großprogramm „Arminius“ beauftragt wird, hat die deutsche Industrie eine deutlich beschleunigte Lieferung der optional bestellten Fahrzeuge zugesagt. Wesentlich ist hier Artec – ein Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und KNDS Deutschland – als Hauptauftragnehmer für den Boxer. Rheinmetall ist laut eigenen Angaben maßgeblich an der Umsetzung beteiligt. Nach aktueller Planung sollen die Fahrzeuge zwischen Mai 2032 und November 2033 ausgeliefert werden.