Enforce Tac: „Bei der MEN steht der Systemgedanke in allen Kalibern an erster Stelle.“

Die Metallwerk Elisenhütte GmbH (Halle 7A Stand 430) ist einer der deutschen Munitionshersteller. Die Firma kann auf eine Geschichte bis 1957 zurückblicken. Heute, fast 65 Jahre später, ist die MEN ein internationales Unternehmen mit einem hervorragenden Ruf auf dem Sektor der Entwicklung und Produktion von Premium-Munition für Hand- und Faustfeuerwaffen für den behördlichen und militärischen Einsatz. Das mittelständische Unternehmen ist auf die Entwicklung und Herstellung von kleinkalibriger Munition spezialisiert. Das Motto lautet: MEN Produkte – Sicherheit für Ihren Einsatz! Interview mit Ann-Kathrin Hommrich, Leitung Vertrieb & Marketing und Einkauf, Prokuristin bei Metallwerk Elisenhütte GmbH

Gegurtete Munition, hier DM41 im Kaliber 5,56x45 mm. (Alle Grafiken- MEN)
Gegurtete Munition, hier DM41 im Kaliber 5,56x45 mm.
Foto: MEN
MEN ist spezialisiert auf kleinkalibrige Munition. Was genau umfasst Ihr Behördenportfolio?

Die MEN führt in Ihrem Produktportfolio verschiedene Patronentypen in diversen Kalibern, welche für den behördlichen und militärischen Einsatz benötigt werden. Derzeit produzieren wir Munition in den Kalibern 9mm x 19, 5,56mm x 45, 7,62mm x 35, 7,62mm x 51, 7,62mm x 67 und 12,7mm x 99.

Abhängig von dem jeweiligen Kaliber erstreckt sich unser Produktportfolio von Übungs- / Trainingsmunition über Standardeinsatzmunition bis hin zu Spezialmunition, wie z.B. leistungsstarke Hartkernmunition. Die MEN bietet die Munition nicht nur als „Einzelschuss“ sondern auch in gegurteter Form an, auch hier natürlich kaliberabhängig.

Gibt es überhaupt signifikante Unterschiede zwischen der Munition für Polizei- und Militärkräfte und denen für zivile Nutzer, außer gegebenenfalls das Kaliber?

Die Anwender im behördlichen und militärischen Bereich stehen ganz anderen Anforderungen und Szenarien gegenüber als der zivile Nutzer. Allein aus diesem Grund lässt sich sagen „ja, es gibt definitiv signifikante Unterschiede“.

Wobei ich nicht sagen möchte, dass das Kaliber zwangsläufig unterschiedlich sein muss. Die Kaliber, welche die Polizei- und Militärkräfte verwenden werden, werden ebenfalls in der zivilen „Welt“ genutzt. In ihrer Bezeichnung kommt es teilweise zu Abweichungen, da im zivilen Bereich gerne die Kaliberangabe in Zoll und im behördlichen sowie militärischen Bereich die metrischen Angaben verwendet werden.

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass die zivile Munition dem Regelwerk der C.I.P. entsprechen muss. Für Behördliche und militärische Munition gelten andere Regelwerke, wie zum Beispiel die TR (=technische Richtlinie), die AEP97, etc. In diesen Regelwerken werden u.a. der Gasdruck, Temperaturbereiche, Ziel-/Terminalballistik, usw. definiert.

In den letzten Jahren wurde auch bei Behörden ein Fokus auf bleifreie und schadstoffarme „Green Ammunition“ gelegt. Warum? Und was nutzen Sie jetzt als Ersatz?

Der Fokus der Behörden wird seit einigen Jahren auf bleifreie und schadstoffarme Munition gelegt, es gibt auch Beispiele im militärischen Bereich. Hierfür gibt es mehrere Beweggründe, wobei zwei Aspekte besonders hervorstechen:

  1. Gesundheitsschutz der einzelnen Einsatzschützen, Ausbilder und Trainer: Beim Schießen mit bleihaltiger Munition können Bleidämpfe und Partikel freigesetzt werden, welche vom Anwender eingeatmet werden können. Eine häufige und anhaltende Belastung durch Schadstoffe und Blei kann gesundheitliche Schäden verursachen. Der Einsatz schadstoffarmer und bleifreier Munition verringert dieses Risiko.
  2. Umweltschutz und Schutz der Einsatz-/Trainingsumgebung: Militärische Übungsplätze und behördliche Trainingsstätten werden oft über Jahre oder Jahrzehnte genutzt. Blei aus Munition kann die Umwelt und Trainingsumgebung belasten, was eine teure Sanierung erforderlich macht. Schadstoffarme und bleifreie Munition reduziert dieses Verunreinigungsrisiko.

Die Auswahl eines geeigneten Ersatzmaterials ist von mehreren Faktoren abhängig, z.B. vom Einsatzzweck der Patrone, der Verarbeitung des Ersatzmaterials, den Kosten für das Material, usw. Folglich kann hier keine pauschale Aussage getroffen werden.

Lead-free Indoor-Munition aus dem Hause MEN
Lead-free Indoor-Munition aus dem Hause MEN.
Foto: MEN
Sie bieten auch eine Familie der „LFI – Lead-free Indoor“ Munition an. Warum ist diese für Behörden wichtig?

Die Familie der „LFI – Lead-free Indoor” gehört zur Kategorie der „Green Ammunition“ und wurde vorrangig für Indoor Trainingsstätten konzipiert unter der Berücksichtigung der Punkte „Gesundheitsschutz“ und „Reduzierung des Verschleiß von Rückprallmaterialien“. Die Namensgebung „Indoor“ bedeutet aber nicht, dass die Munition ausschließlich in Indoor-Schießanlagen verwendet werden kann, auch eine Verwendung auf Outdoor-Schießanlagen ist möglich.

Die LFI-Patronen sind in Ihren Kalibern auf eine nahezu identische Treffpunktlagen mit der Einsatzmunition (QD-Serie) abgestimmt, wodurch ein realitätsnahes Training für die Anwender ermöglicht wird. In die Entwicklung der „LFI-Familie“ ist ebenfalls die Anforderung „Training in Zusammenhang mit Stahlzielen“ eingeflossen.

Sowohl bei Polizei als auch Militär ist als „neues“ Kaliber .300 AAC Blackout angesagt. Ist es bei diesem Kaliber der Systemgedanke zwischen Waffe und Munition noch wichtiger als bei zum Beispiel Sturmgewehren in 5,56 oder 7,62 mm?

Bei der MEN steht der Systemgedanke in allen Kalibern an erster Stelle, da unser Produkt ohne eine Waffe nicht funktioniert und umgekehrt funktioniert eine Waffe ohne Munition nicht. Für uns gibt es daher keine Einschränkung auf ein spezifisches Kaliber.

Unsere Kunden – sehen Sie es mir bitte nach – sind nicht die Beschaffer oder die Beschaffungsbehörde, sondern der einzelne Polizist, Soldat, Schütze welche sich jederzeit im Einsatz vollumfänglich auf die Systemfunktion verlassen können müssen. Folglich ist es unsere Verantwortung und Pflicht den Systemgedanken uneingeschränkt zu verfolgen, auch in Zusammenarbeit mit den Waffenherstellern.

Zeigen Sie auf der Enforce Tac 2025 bereits eine Neuheit?

Auf der Enforce Tac präsentieren wir gleich mehrere neue Produkte. Im Bereich „Frangible“ stellen wir vier neue Produkte vor. Darüber hinaus stellen wir eine 9mm x 19 Subsonic QD, eine 9mm x 19 Green Ball und eine 5,56mm x 45 PT vor. Besucher unseres Messestands können die Neuheiten in unserer „Neuheiten-Vitrine“ betrachten und sich informieren.

MEN stellt gleich vier neue Produkte im Bereich „Frangible“ vor
MEN stellt gleich vier neue Produkte im Bereich „Frangible“ vor.
Foto: MEN
Seit der Rückbesinnung auf die Landes- und Bündnisverteidigung sind auch die logistischen Lieferketten wieder in den Fokus geraten. Wie können Sie sicherstellen auch im Krisen- oder Kriegsfall weiterhin produzieren zu können?

In Krisenzeiten erfordert die Sicherstellung der logistischen Lieferkette und Produktion eine Kombination aus proaktiver Planung, Flexibilität und strategischer Resilienz.

Um ein paar wichtige Punkte zu nennen:

  • Identifikation kritischer Lieferanten und potenzieller Engpässe
  • Wo immer möglich, Diversifizierung von Lieferanten und Bezugsquellen
  • Aufbau von Sicherheitsbeständen für bestimmte Materialien und Komponenten
  • Optimierte und vorausschauende Lagerhaltung
  • Enger Kontakt & Austausch, sowie langfristige Partnerschaft mit Lieferanten & Partnern
  • Aufbau regionaler Lagerkapazitäten
  • Flexibilität in der Produktion erhöhen

Ein wichtiger Baustein für eine vorausschauende und langfristige Planung sind Rahmenverträge mit unseren Kunden über mehrere Jahre mit verbindlichen Bestell-/Abrufmengen. Dies ermöglicht uns das richtige Material, zur richtigen Zeit in der benötigten Menge zu beschaffen und somit unsere Produktion und die Lieferfähigkeit gegenüber unseren Kunden sicherzustellen.

Darüber hinaus können auf Basis von Mehrjahresrahmenverträgen mit verbindlichen Bestell-/Abrufmengen innerhalb des Unternehmens gezielte strategische Entscheidungen für Investitionen getroffen werden.

Vor ein paar Jahren, vor Ausbruch der Corona-Pandemie und dem Überfall auf die Ukraine, hat die Geschäftsführung der MEN sich für eine Produktionskapazitätserweiterung im Bereich der Hülsenproduktion entschieden und zeitgleich auch die Produktionstiefe erweitert. Dies Entscheidung wurde damals bereits getroffen und ermöglicht der MEN zukünftig unabhängiger und flexibler agieren zu können.

Am Wochenende war Bundestagswahl. Im Vorfeld war aus Industriesicht das Thema Bürokratieabbau wichtig. Was muss aus Ihrer Sicht die neue Bundesregierung tun, um den Standort Deutschland besser, innovativer und kriegstauglich zu machen?

Der Bürokratieabbau ist in Deutschland seit Jahren ein zentrales Thema und bleibt eine der größten Herausforderungen. Unternehmen, wie auch die MEN, sehen sich zunehmend mit wachsenden gesetzlichen Vorgaben und Berichtspflichten konfrontiert, die erhebliche interne Ressourcen binden. Eine effizientere und praxisorientiertere Regulierung könnte hier Entlastung schaffen.

Gleichzeitig belasten hohe Energiepreise und eine im internationalen Vergleich hohe Unternehmensbesteuerung die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Hier wären gezielte Maßnahmen erforderlich, um Investitionen und Innovationen anzuregen.

Zudem spielt auch die Sicherheitspolitik eine entscheidende Rolle. Eine verlässliche Verteidigungsstrategie erfordert eine nachhaltige Investition in Personal und Material der Bundeswehr, um die sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit Deutschlands und Europas zu gewährleisten. Die neue Bundesregierung hat hier die Aufgabe, sowohl wirtschaftliche als auch sicherheitspolitische Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Deutschland innovativ und wettbewerbsfähig bleibt.

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