Milliarden-Deal nimmt Fahrt auf – Bei TKMS startete die U-Boot-Planung

Vier Tage, drei Nationen, ein Ziel: In Kiel haben Vertreter aus Deutschland, Norwegen und Kanada gemeinsam mit TKMS die entscheidende Planungsphase für die neuen 212CD-U-Boote eingeläutet. Vor rund drei Wochen war mit dem Beitritt Kanadas aus dem binationalen ein trinationales Beschaffungsvorhaben in Mega-Milliardenhöhe geworden.

U-Boot der Klasse 212A läuft in den norwegischen Marinestützpunkt Olavsvern ein, flankiert von Flaggen Kanadas, Deutschlands und Norwegens
Das neue U-Boot der Klasse 212CD von TKMS wird drei Nationen eigen sein: Kanada, Deutschland und Norwegen.
Illustration: TKMS

Es war fast so etwas wie offizielle Startschuss für eines der größten Marine-Rüstungsprojekte der NATO: Vertreter aus Deutschland, Norwegen und Kanada sowie von TKMS, KONGSBERG und Multiconsult trafen sich Ende Juli zu einem ersten gemeinsamen Planungsevent für das 212CD-Programm in Kiel. Die viertägige Veranstaltung markierte den operativen Beginn der multilateralen Zusammenarbeit der Partner. Bemerkenswert ist die Geschwindigkeit: Erst vor drei Wochen war TKMS als Lieferant für das Canadian Patrol Submarine Project (CPSP) ausgewählt worden.

„Die Auswahl von TKMS als Preferred Supplier für das Canadian Patrol Submarine Project ist ein bedeutender Meilenstein“, erklärte Thomas Keupp, Chief Sales Officer von TKMS dazu. „Mit dem ersten multilateralen Planungsevent legen wir gemeinsam den Grundstein für eine vertrauensvolle und kooperative Partnerschaft mit Deutschland, Norwegen und Kanada. Das 212CD-Programm verbindet Spitzentechnologie mit einer gemeinsamen sicherheitspolitischen Vision und wird die maritime Zusammenarbeit innerhalb der NATO nachhaltig stärken.“

U212 CD: Weichenstellung für Milliardenauftrag

Im Mittelpunkt der viertägigen Veranstaltung standen die gemeinsame Planung der nächsten Programmphasen, der Aufbau trilateraler Arbeitsstrukturen sowie die Vorbereitung kommender Vertragsverhandlungen. Darüber hinaus wurden die Grundlagen für eine enge Zusammenarbeit zwischen den Marinen, Beschaffungsorganisationen und der Industrie gelegt.

So könnten die U212 CD-U-Boote einmal durch die Weltmeere tauchen.
So könnten die U212 CD-U-Boote einmal durch die Weltmeere tauchen.
Foto: KONGSBERG

Mit der Beteiligung Kanadas wird sich das 212CD-Programm zu einer einzigartigen multinationalen NATO-Kooperation entwickeln. Ziel ist es laut TKMS, die Interoperabilität der Seestreitkräfte weiter zu erhöhen, Synergien über den gesamten Lebenszyklus der U-Boote zu schaffen und die maritime Sicherheit im Nordatlantik und in der Arktis nachhaltig zu stärken.

In den kommenden Wochen werden Verhandlungen zur Formalisierung der Vereinbarungen geführt, während die Partner ihre gemeinsame Planung und die Vorbereitungen für die nächsten Schritte der Programmumsetzung weiter vertiefen.

Am 6. Juli 2026 hatte Kanadas Premierminister Mark Carney auf der Canadian Forces Base Halifax verkündet, dass sich sein Land für TKMS entschieden hat. Der reine Bauauftrag wird auf rund 20 Milliarden Euro taxiert, inklusive Wartung und Service über die Nutzungsdauer könnte das Gesamtvolumen auf rund 60 Milliarden Euro anwachsen. Geplant ist die Beschaffung von bis zu zwölf U-Booten der Klasse 212CD als Ersatz für die veraltete, wartungsintensive Victoria-Klasse, von der nach Regierungsangaben aktuell nur ein einziges Boot einsatzbereit ist.

Ein finaler Bauvertrag steht noch aus, bis spätestens Ende 2027 soll er stehen. Die ersten Boote sollen ab 2034 ausgeliefert werden. Für den Fall scheiternder Verhandlungen hält sich Kanada mit dem unterlegenden Anbieter Hanwha Ocean aus Südkorea offiziell noch eine Rückfalloption offen.

U-Boot der Klasse 212CD von thyssenkrupp Marine Systems vor einem Marinestützpunkt mit Flaggen von Deutschland, Norwegen und Kanada
Das neue U-Boot der Klasse 212CD von TKMS wird drei Nationen eigen sein: Kanada, Deutschland und Norwegen.
Illustration: TKMS

Mit den zwölf zusätzlichen Booten für Kanada würde sich die 212CD-Flotte auf bis zu 24 baugleiche Einheiten für drei NATO-Staaten summieren – Deutschland und Norwegen haben bislang je sechs U-Boote bestellt.

Gebaut werden sollen die Kanada-Boote nach bisherigem Stand in Kiel und Wismar, wo dafür bis zu 1.500 neue Arbeitsplätze entstehen könnten. Kernstück der Baureihe ist ein besonders leises, luftunabhängiges Antriebssystem (AIP) auf Basis wasserstoffbetriebener Brennstoffzellen, das den Booten lange Tauchzeiten ohne Auftauchen ermöglichen soll – ein Fähigkeitsmerkmal, das gerade für Einsätze unter der arktischen Eisdecke als entscheidender Vorteil gilt.

Die 212CD U-Boot-Planung

Die Klasse 212CD („Common Design“) ist eine Weiterentwicklung der bewährten deutschen 212-Baureihe und wurde von TKMS gemeinsam für die deutsche und die norwegische Marine konzipiert. Mit rund 73 Metern Länge und 10 Metern Breite fällt sie deutlich größer aus als ihre Vorgänger wie die bisherigen U 212A der deutschen Marine. Hier liegt die Länge der U-Boote bei lediglich 57 Metern und rund 7 Metern Breite.

Das spiegelt sich auch bei der Verdrängung wieder, die bei den U212 CD aufgetaucht bei ca. 2.500 t, getaucht bei ca. 2.800 t liegen soll. Zum Vergleich: Bei den U 212A werden ca. 1.500 t (aufgetaucht) bzw. 1.800 t (getaucht) Wasser verdrängt. Die neuen trinationalen U-Boote bieten demnach mehr Raum für Sensorik, Bewaffnung und Besatzung.

Neben dem Brennstoffzellen-Antrieb setzt das Boot auf ein Stealth-Rumpfdesign, das die Entdeckungswahrscheinlichkeit durch feindliches Sonar minimieren soll, sowie auf das gemeinsam mit KONGSBERG entwickelte Gefechtsführungssystem ORCCA. Für die kanadische Marine ist besonders die Auslegung auf den Einsatz im Atlantik, im Pazifik und unter der arktischen Eisgrenze relevant – eine Kombination, die nur wenige U-Boot-Typen weltweit leisten können.

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